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Stormarn Tödlicher Unfall am Bahnübergang: Auto wird von Zug erfasst
Lokales Stormarn Tödlicher Unfall am Bahnübergang: Auto wird von Zug erfasst
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15:57 26.11.2014
Das Wrack des Ford Fiesta hing völlig zerfetzt in den Puffern des Steuerwagens des Regionalexpresses. Fotos (2): Jens Burmester
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Bad Oldesloe

Nach Angaben der Deutschen Bahn wurde ihr Wagen gegen 18.30 Uhr in dichtem Nebel vom Regionalexpress 21429 auf dem Weg nach Hamburg erfasst. Das Auto, ein Ford Fiesta, kam unter den Steuerwagen des Zuges und wurde fast einen Kilometer lang Richtung Süden mitgeschleift. Die Bahnstrecke wurde daraufhin gesperrt. Das Opfer kommt offenbar aus dem Kreis Stormarn. Offiziell bestätigen wollte das gestern Abend aber noch niemand.

Der Bahnübergang ist seit anderthalb Jahren defekt, die provisorischen Schranken und die Signalanlage werden von Hand bedient. Der Bahnposten wurde sofort nach Ankunft der Rettungskräfte psychologisch betreut. „Auch der Lokführer war völlig durch den Wind“, sagte ein Mitglied der Feuerwehr Rohlfshagen. Zuginsassen berichteten später, dass sie einen dumpfen Aufprall hörten und erst kurz danach die quietschenden Bremsen. Die Betreuung und Information durch die Bahn habe gut geklappt.

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Den Fernverkehr leitete die Bahn über Büchen um. Kurz vor 20 Uhr beantragte die Bahn, den Zug, unter dessen 186 Passagieren auch ein Rollstuhlfahrer war, evakuieren zu dürfen. Dafür war aber ein Großaufgebot an Rettungskräften notwendig, die die Fußgänger sicher über die Schienen zu Bussen leiten konnten. Zudem führte nur ein Feldweg zu der Stelle, an der der Regionalexpress stand. Schnell waren auch Sachverständige am Unfallort, um Spuren in dem Trümmerfeld zu sichern. Busse kamen gegen 20 Uhr und nahmen die Zugpassagiere auf. Diese kamen also erst mit mehrstündiger Verspätung zu Hause an. Die Polizei, die Freiwillige Feuerwehren Bad Oldesloe, Rümpel und Rohlfshagen sowie der Rettungsdienst waren noch bis in den späten Abend im Einsatz.

Unmittelbar nach dem Unfall fuhr offenbar ein Regionalexpress von Hamburg nach Lübeck in die Trümmer des Autos. Bahnpendler Michael Mosmann aus Lübeck berichtete kurz nach seiner Ankunft im Bahnhof der Hansestadt, dass es im Zug ein Krachen und splitternde Geräusche gegeben habe. Der Zug habe daraufhin eine Vollbremsung gemacht, sei aber nach zwei bis drei Minuten wieder weitergefahren. Ein Durchsage habe es nicht gegeben.

Gegen 20 Uhr rechnete die Bahn damit, dass die Strecke noch mindestens bis Mitternacht gesperrt sein würde. Gerhard Stelke von der Bundespolizei glaubte sogar, dass „in der Nacht kein Zug mehr fahren wird“. Damit wären etwa 30 Nahverkehrszüge von der Sperrung betroffen.

Seit mehr als einem Jahr kaputt
Der Bahnübergang in Rümpel ist seit April 2013 nur provisorisch gesichert. Damals hatte ein Blitz in der Nähe des Schaltkastens eingeschlagen und die Schrankenanlage lahmgelegt. Eine Batterie war explodiert. Seither haben Schrankenwärter, die in einem Bauwagen unmittelbar neben dem Bahnübergang untergebracht sind, den Übergang per Hand gesichert, zunächst per Flatterband und Girlande, später hat ein Posten Halbschranken bedient.

Die neue Schrankenanlage sollte im Januar 2014 in Betrieb gehen. Zwar ist sie seit April endlich installiert, aber noch nicht ferngesteuert und wird immer noch im Schichbetrieb per Hand bedient — etwa 150 Mal am Tag. Eine Reparatur war nach Angaben der Bahn nicht schneller möglich, weil ein Ersatzteil fehlte. Nun sollte die Anlage bis Dezember fertig sei, aber erst im Januar von der Bahn technisch abgenommen werden.                 ja

Jens Burmester und Markus Carstens

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