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Stormarn Trotz Abitur und Hunderter Bewerbungen: 35-Jähriger aus Bad Oldesloe ist weiter arbeitslos
Lokales Stormarn Trotz Abitur und Hunderter Bewerbungen: 35-Jähriger aus Bad Oldesloe ist weiter arbeitslos
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17:25 23.09.2019
Christian Balanskat und Larissa Beutler (r.) mit ihrer Dozentin Stefanie Bienert.   Quelle: Markus Carstens
Bad Oldesloe

Eine Arbeitslosenquote von 3,0 oder knapp über drei Prozent, Ökonomen sprechen dann von Vollbeschäftigung. Klar, dass darauf viele in Stormarn stolz sind. Auch die sogenannte Unterbeschäftigungsquote ist mit 4,3 Prozent nicht sonderlich hoch. Darin sind auch alle Arbeitslosen enthalten, die sich in Qualifizierungsmaßnahmen, Arbeitsgelegenheiten, Betriebspraktika oder auch Integrationskursen befinden.

Doch hinter diesen drei beziehungsweise 4,3 Prozent stecken auch Menschen, die gerne arbeiten möchten. Manchmal sind es traurige Geschichten, in denen Personen durch einen Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen wurden. Die LN haben mit drei von ihnen gesprochen, wie sie sich selbst aus dem Stimmungstief gezogen und neuen Mut geschöpft haben.

Gerne im pädagogischen Bereich

Christian Balanskat kommt ursprünglich aus Schwerin, hat in Bad Oldesloe Abitur gemacht (Note 2,1), danach auf Lehramt (Biologie, Chemie) studiert und ist nun arbeitslos. „Ich habe Hunderte von Bewerbungen geschrieben und nur Absagen bekommen“, berichtet der 35-Jährige. Klar, dass da irgendwann die Motivation in den Keller rauscht.

Was war passiert? Ein schwerer familiärer Schicksalsschlag warf ihn aus der Bahn, Balanskat brach sein Studium ab und schulte um zum Immobilienkaufmann. „Die Arbeit in dem Büro war aber eine einzige Enttäuschung“, erzählt der Oldesloer. Man trennte sich. Gerade absolviert er ein von der Arbeitsagentur vermitteltes Coaching bei GSM (Gemeinsam selber machen) in Bad Oldesloe, einem bundesweit tätigen Institut für Erwachsenenbildung.

Dort blüht er wieder auf. „Er hält Vorträge und nimmt die anderen Teilnehmer unserer Gruppencoachings mit“, sagt seine Dozentin Stefanie Bienert aus Bargteheide. „Ich kann ihn mir gut in einer Lehrtätigkeit vorstellen.“ Das ist auch das Ziel von Christian Balanskat. „Am liebsten würde ich in eine Schule“, sagt er, wohl wissend, dass ein Quereinstieg ohne Studienabschluss schwierig wird. Derzeit informiert er sich über Möglichkeiten für ein Fernstudium beziehungsweise für eine duale Ausbildung, peilt gleichzeitig ein Praktikum an. „Ich habe auch schon Nachhilfe gegeben und ehrenamtlich in einem Jugendberatungsprojekt mitgewirkt, würde sehr gerne etwas im pädagogischen Bereich machen.

Hoffen auf die Ausbildungsstelle

Larissa Beutler, 27 und ebenfalls aus Bad Oldesloe, hofft indes, dass sie einen Ausbildungsplatz in der Behörde in Bad Oldesloe bekommt, bei der sie bereits ein Praktikum gemacht hat. „Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.“ Allerdings hat sie auch einen Plan B, damit sie nicht wieder in so ein psychologisches Loch fällt, wie sie es bereits nach einem Trauerfall in ihrer Familie erlebt hat.

Mit der erfolgreich beendeten Ausbildung zur Fachlageristin hatte Larissa Beutler ihren Realschul-Abschluss in der Tasche. Nach der Fusion ihrer Firma mit einer anderen wurde sie jedoch plötzlich arbeitslos. „Ich fiel tief in Depressionen“, sagt sie. Jetzt träumt sie von einer beruflichen Chance im mittleren Behördendienst.

Vielseitig, aber gesundheitlich etwas eingeschränkt

Jens Schneider aus Stubbendorf bei Reinfeld ist in der ehemaligen DDR aufgewachsen, arbeitete unter anderem als Hubschraubertechniker. Am Tag des Mauerfalls hat der heute 53-Jährige sofort alles stehen und liegen lassen und ging in den Westen. Nach fünf Jahren in Hamburg kehrte er jedoch zurück nach Parchim, machte sich selbstständig, zuletzt mit einem Tuning- und Hifi-Geschäft für Autos. Ein neuer Besitzer erhöhte jedoch die Miete so stark, dass er aufgab.

5700 sind unterbeschäftigt

Arbeitslos sind derzeit etwa 4000 Stormarner. Dazu kommen 1700 sogenannte unterbeschäftigte Personen. Sie stecken in Qualifizierungen, Weiterbildungen oder Integrationskursen und tauchen nicht in der offiziellen Arbeitslosenquote auf. Nimmt man alle 5700 Personen, läge die Quote in Stormarn bei 4,3 Prozent.

GSM ist ein Trägerder Erwachsenenbildung mit bundesweit rund 200 Standorten und 1000 Mitarbeitern. In Bad Oldesloe ist das Institut seit einem Jahr vertreten, in die Gruppencoachings kommen auch Psychologen oder Mediziner. Die Kurse dauern zwölf Wochen. Wenn es gut läuft, werden rund 60 Prozent der Teilnehmer wieder in den Arbeitsmarkt integriert. Die GSM-Zentrale ist in Kiel, weitere Standorte gibt es unter anderem in Bad Segeberg, Mölln und Ahrensburg.

Kontakt in Bad Oldesloe: GSM Training & Integration, Brunnenstraße 1, 23843 Bad Oldesloe, Telefon 04531- 800 82 30. Mail: s.bienert@gsm-group.de

Eine neue Liebe führte den vielseitigen Mann nach Stubbendorf. Bei der Berufssuche war er durchaus flexibel. Er arbeitete im Rider’s Café in Lübeck, war Filialleiter einer Firma für Schilderprägung in Bad Oldesloe und sich auch nicht zu schade, nach dem Aus für die Filiale bei einer Spielothek anzuheuern. Parallel versuchte Jens Schneider, wieder eine Selbstständigkeit aufzubauen, scheiterte jedoch, rutschte stattdessen immer tiefer in Depressionen.

In einen handwerklichen Beruf kann er auch nicht mehr zurück – zum einen aus gesundheitlichen Gründen, zum anderen habe sich die Technik rasant weiterentwickelt. Auf Vermittlung von Stefanie Bienert vom Bildungsträger GSM kam Jens Schneider zum Grillcenter Nord in Elmenhorst, einem Fachgeschäft für Grills und Zubehör. „Das macht mir richtig Spaß, erklärt der 53-Jährige, der momentan noch zwei Tage pro Woche für einige Stunden dort arbeitet. Er hofft jedoch, dass sich daraus eine „richtige“ Beschäftigung entwickelt.

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