Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Trotz vieler Probleme: Reinfeld startet gut gelaunt ins neue Jahr
Lokales Stormarn Trotz vieler Probleme: Reinfeld startet gut gelaunt ins neue Jahr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:10 09.01.2017
Spaß mit Kartenspielertricks: ( v. l.) Zauberer Niels Beuthien, Bürgervorsteher Gerd Herrmann und Bürgermeister Heiko Gerstmann. Quelle: Foto: M. Thormählen
Anzeige
Reinfeld

Selbst Niels Beuthin konnte keine Eröffnungsbilanz für den Haushalt aus seinem Hut zaubern, obwohl Bürgervorsteher Gerd Herrmann und Bürgermeister Heiko Gerstmann darauf insgeheim gehofft hatten. Denn diese Bilanz ist notwendig, um die finanzielle Situation der Stadt zu ordnen. „Leider lässt sich die Kommunalaufsicht vermutlich auch nicht durch Taschenspielertricks überzeugen“, meinte der Bürgermeister.

Ohne Haushalt können wichtige Projekte nicht umgesetzt werden.

Zauberer Niels Beuthin sorgte während des Neujahrsempfanges für Unterhaltung, nachdem Heiko Gerstmann zuvor auf ein höchst ernstes Thema hingewiesen hatte. Reinfeld könne immer noch keine Eröffnungsbilanz vorweisen, um eine detaillierte Aufstellung des kommunalen Vermögens zu präsentieren. Aus diesem Grund sei zu erwarten, dass der Haushalt für das bereits laufende Jahr erst sehr spät genehmigt werde: „2017 wird damit nicht das einfachste Jahr.“ Ohne Etat dürften jedoch nur die Pflichtaufgaben erledigt werden.

Anzeige

Der Bürgermeister nannte den geplanten Ausbau des Sportplatzes am Bischofsteicher Weg oder den Bau des neuen Rettungszentrums als wichtige Vorhaben. „Auch die Belebung des Innenstadt gestaltet sich schwierig“, betonte Heiko Gerstmann. Grundstücke befänden sich meistens in privatem Eigentum, damit habe die Stadt nur begrenzte Einflussmöglichkeiten. Immerhin – der Bau des Rathauscenters soll im Frühjahr anlaufen: „Für mich ist auch das Fachmarktzentrum noch nicht gestorben.“ Es gebe Verhandlungen mit dem Investor, um dieses von vielen Reinfeldern gewünschte Vorhaben an der Paul-von-Schoenaich- Straße zu realisieren.

Für 2016 zog der Verwaltungschef eine durchaus positive Bilanz. Es habe viele Gewerbeansiedlungen gegeben, und es existieren bereits Überlegungen, weitere Flächen für Betriebe auszuweisen. Eine besondere Herausforderung sei die Integration von Flüchtlingen. Dabei bewiesen die Reinfelder großes Engagement. „Und das soll auch so bleiben“, sagte der Bürgermeister. Zurzeit lebten 114 Flüchtlinge in der Stadt. Auch die im September erfolgte Festnahme eines mutmaßlichen IS-Anhängers habe zu keinem Meinungsumschwung geführt.

Davon berichtete auch Abdulslam Abdulkreem, der vor zweieinhalb Jahren aus dem Jemen geflüchtet war und mit seiner fünfköpfigen Familie in der Stadt lebt: „Reinfeld ist für uns zur Heimat geworden.“

Albrecht Werner von der Initiative „Reinfelder Bürger für Menschen im Asyl“ dankte für den großen Einsatz von ehrenamtlichen Helfern und Mitarbeiten der Stadtverwaltung, die in diesem Aufgabenbereich tätig seien: „Da gibt es eine große Vielfalt.“

Albrecht Werner informierte die Teilnehmer des Neujahrsempfanges auch über die mutwillige Beschädigung des Stolpersteins, der an Carl Harz erinnern soll. Dieser Stolperstein soll jetzt erneuert werden. Albrecht Werner regte an, den beschädigten Stein im Heimatmuseum auszustellen: „Denn auch das ist Geschichte.“ Der in Reinfeld lebende Kaufmann Carl Harz hatte unter anderem sozialreligiöse Schriften verfasst. Er wurde von den Nazis verhaftet und starb 1943 in der „Schutzhaft“.

Die mit der Machtergreifung Hitlers und der Nationalsozialisten im Jahr 1933 verbundenen Vorgänge, um in Deutschland eine Diktatur zu schaffen, setzte Bürgervorsteher Gerd Herrmann in Verbindung mit den aktuellen politischen Vorgängen in der Türkei, Polen und Ungarn. Auch dort seien Demokratien in Gefahr, weil „einfache Lösungen mit Schuldigen angeboten“ würden. Doch internationale Beziehungen seien mit komplexen Themen verbunden, die nicht immer einfach zu verstehen seien.

Zu dem Empfang waren rund 150 Teilnehmer in die Mensa des Ganztagszentrums gekommen. Neben den Reinfeldern waren auch Gäste aus dem Umland dabei, auch Nordstormarns Amtsdirektor Stefan Wulf. Für Kurzweil sorgten neben den Zaubertricks außerdem Musik sowie die Bewirtung mit Getränken durch Stormarn Events.

Michael Thormählen