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Stormarn Umleitung durch Lütjensee: Anwohner von Verkehrslärm genervt
Lokales Stormarn Umleitung durch Lütjensee: Anwohner von Verkehrslärm genervt
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09:00 11.03.2019
Lkw rauschen durch die Tempo-30-Zone an der Grundschule Lütjensee: Seit drei Wochen ein alltägliches Bild. Anwohner sind genervt. Quelle: mc
Lütjensee

Wegen des dreistreifigen Ausbaus ist die B 404 auf einem Stück gesperrt – bis kurz vor Weihnachten. Die meisten Autos und Lkw fahren deshalb nun durch Lütjensee. Die Anwohner sind schwer genervt von Lärm, Stau und gefährlichen Situationen.

Brücke ist weg

Die Brücke über die Ripsbek im Verlauf der Bundesstraße 404 bei Lütjensee ist bereits abgerissen, doch nach dem mit viel Brimborium zelebrierten Spatenstich Mitte Februar herrscht nun erst mal Ruhe – für zwei Monate. Grund sind artenschutzrechtliche Belange der Haselmaus.

Zwei Monate Pause wegen der Haselmaus

Christian Ruß aus Lütjensee hatte sich bereits nach der LN-Berichterstattung über den Baubeginn gewundert und gefragt: „Warum können die Arbeiten dann nicht erst im Mai beginnen?“ Zehn Monate Umleitungsverkehr durch Lütjensee erschienen ihm sehr lang und seien für die Bürger nicht vertretbar. Harald Haase, Sprecher des Kieler Verkehrsministeriums, klärt auf: „Die Brücke musste vor dem 1. März abgerissen werden, weil sie sonst anschließend bis zum Herbst möglicherweise von Fledermäusen als Sommerlager genutzt worden wäre.“

Land: Verkehr läuft

Etwa differenzierter sehen es das Verkehrsministerium und der Landesbetrieb Straßenbau. Danach habe der Verkehr die ausgewiesene Umleitung mittlerweile gut angenommen bzw. sei auf andere Ausweichrouten außerhalb von Lütjensee ausgewichen. „Es ist zwar ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in Lütjensee und auf weiteren Ausweichrouten zu verzeichnen, dieses ist jedoch erheblich geringer als in den ersten Tagen nach der Einrichtung der Vollsperrung“, sagt Verkehrsstaatssekretär Thilo Rohlfs.

„Nach unserer Beobachtung läuft der Verkehr selbst zu Spitzenzeiten nahezu störungsfrei. Die Wartezeiten an den Lichtsignalanlagen in Lütjensee sind gering. In der Regel können die wartepflichtigen Fahrzeuge innerhalb einer Ampelphase den Wartebereich räumen. Seitens der zuständigen Polizei oder der Verkehrsbehörde sind aktuell keine Probleme gemeldet worden“, so Rohlfs weiter. Eine Verbesserung der Situation sei demnach nicht erforderlich. Die Belastung der Umleitungsstrecke liege im erwarteten Rahmen.

Stillstand wegen eines „theoretisch möglichen sommerlichen Nistplatzes für Fledermäuse“ und „artenschutzrechtlicher Belange der Haselmaus“? Das sei – bei allem Respekt vor dem Naturschutz – keinem Lütjenseer Bürger plausibel zu begründen, ohne dass dessen Pulsschlag in ungesunde Höhen schnellt, ärgert sich Christian Ruß. Ähnlich sieht es auch Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) persönlich, verweist aber auf die geltenden Vorschriften.

Stresstest für die Gemeinde

Seit drei Wochen läuft nun also der Stresstest für die Gemeinde und ihre fast 3500 Einwohner. Der überregionale Verkehr soll eigentlich am Kreuz Bargteheide beziehungsweise an der Anschlussstelle Schwarzenbek/Grande großflächig über die Autobahnen 1 und 24 geführt werden. Doch entsprechende Schilder werden offenbar von Auto- und Lkw-Fahrern nicht wahrgenommen oder ignoriert. Die vorgeschriebene Umleitung ist etwa doppelt so lang wie die „Abkürzung“.

„Besonders schlimm war es in den ersten Tagen nach der Sperrung“, berichtet Bürgermeisterin Ulrike Stentzler (CDU), die beim Spatenstich auch gleich Verkehrsminister Buchholz einen Brief der Gemeinde mitgab. Sie fordert darin unter anderem ein generelles Tempolimit von 30 Stundenkilometern für die Hauptstraße im Ort, die ohnehin schon völlig marode Landesstraße 92. Die soll zwar ohnehin im kommenden Jahr endlich saniert werden; doch das nützt den Lütjenseern derzeit wenig, wenn Lastwagen an Lastwagen über den Flickenteppich namens Straße rumpelt.

Austausch bei Zingelmann

Eine Stichprobe der LN ergab, dass die Lkw keineswegs Sachen für die nähere Umgebung anliefern. Die meisten sind 40-Tonner mit osteuropäischen oder skandinavischen Kennzeichen auf einer langen Tour. „Und im Sommer kommen noch die Urlauber aus beiden Richtungen dazu“, sagt Tina Zingelmann von der alteingesessenen Bäckerei Zingelmann, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Wenn dann immer noch so viele Lkw durch den Ort fahren, fürchten die Inhaber Tina und Leif Zingelmann um ihr Terrassengeschäft.

Denn der Bäcker ist der Treffpunkt des Ortes, und momentan haben die Kunden nur ein Thema: die Umleitung mitten durch Lütjensee. Es verirrt sich zwar auch mal der eine oder andere Trucker im Geschäft, um ein belegtes Brötchen zu kaufen, doch mehr Umsatz mache der Bäcker dadurch nicht, sagt Tina Zingelmann. Anders verhält es sich bei den Tankstellen im Ort, die von mehr Kunden als sonst berichten.

In der Bäckerei Zingelmann kennen die Kunden derzeit nur ein Thema: die vielen Lkw. Tina Zingelmann (v.l.), Eman Alschimali und Katja von Pein fürchten wegen des Lärms um das Terrassengeschäft.   Quelle: mc

Gemeindemitarbeiter als Schülerlotsen

„Abenteuerlich“ und „dramatisch“ sind die Vokabeln, die Marcus Bieder zur derzeitigen Situation einfallen. Er leitet die Grundschule im Ort, die gegenüber der Bäckerei direkt an der Hauptstraße liegt. Auch wenn sich die Lage schon etwas entspannt habe, gebe es weiter ein hohes Verkehrsaufkommen. Vor allem zu den Hol- und Bringezeiten werde es aufgrund der beschränkten Parkmöglichkeiten eng vor der Schule.

Grundschule und Gemeinde wollen nun sogenannte Laufbusse einrichten. Das heißt, Eltern können ihre Kinder zu drei Treffpunkten in Lütjensee bringen, von wo aus sie mit Erwachsenen zu Fuß zur Schule gehen können. Zu dem Thema wird es laut Marcus Bieder jetzt auch einen Elternabend geben.

Direkt vor der Grundschule gilt für Fahrzeuge Tempo 30, an das sich jedoch laut Schulleitung kaum jemand hält. Für die Überquerung der Straße gibt es an der Stelle zwar eine Ampel; trotzdem sind jetzt täglich zwei Gemeindemitarbeiter im Einsatz, um die Lage zu kontrollieren.

Nachts wird die Hauptstraße zur Lkw-Rennstrecke

Während der Lkw-Verkehr tagsüber etwas zurückgegangen ist, werden einige Lütjenseer in aller Herrgottsfrühe aus dem Schlaf gerissen und machen kein Auge mehr zu. „Dann fahren die 40-Tonner auch deutlich zu schnell durch den Ort“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Stentzler. Auch in der Altbauwohnung der Schulhausmeisters wackeln dann die Wände. „Um 4, 5 Uhr steht er senkrecht im Bett“, erklärt Schulleiter Bieder. Andere Lütjenseer berichten der Gemeinde nicht nur von klingelndem Geschirr im Schrank, sondern schon von Rissen in ihren Wänden.

Da Ministerium und der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr bisher keinen weiteren Handlungsbedarf sehen, will Ulrike Stentzler nun zwei weitere Tempomessanlagen anschaffen. Dann hätte die Gemeinde insgesamt acht Anlagen, die zwar die Tempoverfehlungen (Geschwindigkeit plus Smiley) anzeigen, aber keine Sanktionen nach sich ziehen. Stentzler möchte daher, dass der Kreis verstärkt einen mobilen Blitzer in Lütjensee einsetzt. Da Ministerium und der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr bisher keinen weiteren Handlungsbedarf sehen, will Ulrike Stentzler nun zwei weitere Tempomessanlagen anschaffen. Dann hätte die Gemeinde insgesamt acht Anlagen, die zwar die Tempoverfehlungen (Geschwindigkeit plus Smiley) anzeigen, aber keine Sanktionen nach sich ziehen.

Gemeinde Lütjensee will Tempomessanlagen anschaffen

Bemüht sich noch um eine gute Miene: Bürgermeisterin Ulrike Stentzler. Quelle: mc

 

Da Ministerium und der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr bisher keinen weiteren Handlungsbedarf sehen, will Ulrike Stentzler nun zwei weitere Tempomessanlagen anschaffen. Dann hätte die Gemeinde insgesamt acht Anlagen, die zwar die Tempoverfehlungen (Geschwindigkeit plus Smiley) anzeigen, aber keine Sanktionen nach sich ziehen. Stentzler möchte daher, dass der Kreis verstärkt einen mobilen Blitzer in Lütjensee einsetzt.

Ein Gemeindevertreter hat sich zudem bereiterklärt, Verkehrszählungen vorzunehmen und eine Art Protokoll zu führen. Neben dem Tempolimit auf 30 km/h wünscht sich Stentzler auch eine Gewichtsbeschränkung für Lkw auf 7,5 oder zumindest 16 Tonnen. Einwohner Christian Ruß plädiert sogar für ein generelles Lkw-Verbot.

Land: Verkehr läuft

Etwa differenzierter sehen es das Verkehrsministerium und der Landesbetrieb Straßenbau. Danach habe der Verkehr die ausgewiesene Umleitung mittlerweile gut angenommen bzw. sei auf andere Ausweichrouten außerhalb von Lütjensee ausgewichen. „Es ist zwar ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in Lütjensee und auf weiteren Ausweichrouten zu verzeichnen, dieses ist jedoch erheblich geringer als in den ersten Tagen nach der Einrichtung der Vollsperrung“, sagt Verkehrsstaatssekretär Thilo Rohlfs.

„Nach unserer Beobachtung läuft der Verkehr selbst zu Spitzenzeiten nahezu störungsfrei. Die Wartezeiten an den Lichtsignalanlagen in Lütjensee sind gering. In der Regel können die wartepflichtigen Fahrzeuge innerhalb einer Ampelphase den Wartebereich räumen. Seitens der zuständigen Polizei oder der Verkehrsbehörde sind aktuell keine Probleme gemeldet worden“, so Rohlfs weiter. Eine Verbesserung der Situation sei demnach nicht erforderlich. Die Belastung der Umleitungsstrecke liege im erwarteten Rahmen.

Schäden an der Trittauer Straße

Etwas entspannt hat sich die Lage auch durch Halte- und Parkverbote an mehreren Stellen sowie durch eine Behelfsampel an einer stark frequentierten Kreuzung. An der Trittauer Straße wiederum, der Kreisstraße 31 Richtung Grönwohld und B 404, und deren Fußwegen sind laut Bürgermeisterin allerdings schon erhebliche Schäden entstanden durch den Begegnungsverkehr der zu großen und zu vielen Lkw dort. Stentzler: „Es gab schon heikle Gefahrensituationen.“

Markus Carstens

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