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Stormarn Unterlagen zum Stapelfeld-Neubau liegen aus
Lokales Stormarn Unterlagen zum Stapelfeld-Neubau liegen aus
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07:00 05.08.2019
DCIM\100MEDIA\DJI_0122.JPG So soll die neue Müllverbrennungsanlage der EEW in Stapelfeld in einer Visualisierung aussehen. Baubeginn soll Ende 2019 oder Anfang 2020 sein. Foto: EEW Stapelfeld Quelle: LB
Stapelfeld

Mit der öffentlichen Auslegung der Unterlagen haben auch die Bürger die Möglichkeit, ihre Kritik, Anregungen und Ideen einzubringen. Dafür liegen die Unterlagen bis zum 2. September aus. Die Frist für die Einwendungen endet am 2. Oktober. Zum Auftakt des Verfahrens haben die Lübecker Nachrichten einige Informationen zum Neubau zusammengestellt.

Das soll gebaut werden

Geplant ist ein Neubau eines Müllheizkraftwerkes als Ersatz für die 1979 gebaute Müllverbrennungsanlage Stapelfeld. In der Beschreibung heißt es: „Der technische Fortschritt ermöglicht es heute, mit deutlich höherer Effizienz Energie aus Abfall zu gewinnen.“ So könne mit der neuen Anlage viel mehr Energie, also Strom und Wärme, aus dem Abfall gewonnen werden als bisher.

Außerdem ist eine Anlage zur Verbrennung vor Klärschlamm geplant. Hintergrund sind die neuen Vorschriften zur Klärschlammverwertung, die die bislang weit verbreitete Nutzung des Klärschlammes als Dünger in der Landwirtschaft untersagen. Die Kommunen sind verpflichtet, andere Wege zu finden. Im Zuge der Verbrennung und damit Energieerzeugung soll auch Phosphor als wichtiger Rohstoff zurückgewonnen werden.

Als Investitionsvolumen wurden vom Betreiber EEW zu Beginn der Planungsphase einmal 150 Millionen Euro für beide Projekte zusammen genannt. Das neue Müllheizkraftwerk (MHKW) soll laut Antragsunterlagen nur entstehen, wenn auch die Klärschlammverbrennungsanlage gebaut wird.

Die alte MVA Stapelfeld

Die Kapazität der derzeitigen Müllverbrennungsanlage beträgt 350 000 Tonnen pro Jahr – immer in Abhängigkeit vom Heizwert des Abfalls. Daran soll sich auch mit dem Neubau nichts ändern.

Pro Jahr werden in der 1979 in Betrieb genommenen und 1997 erweiterten Anlage etwa 80 000 Megawatt-Stunden Strom und 230 000 Megawattstunden Fernwärme erzeugt – ausreichend für 50 000 Haushalte. Durch eine höhere Effizienz des Neubaus sollen diese Mengen steigen. Es ist von doppelt so viel Strom die Rede.

Der zu verbrennende Hausmüll kommt unter anderem aus den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn (etwa 105 000 Tonnen) sowie Segeberg (15 000 Tonnen). Ein Teil, insgesamt 10 000 Tonnen, kommt im Zuge des gesamteuropäischen Warenverkehrs auch aus Großbritannien. Hinzu kommt der Gewerbeabfall. In dem Neubau der Anlage soll der Anteil des Hausmülls aufgrund abgeschlossener Verträge mit den Entsorgern steigen.

Gegründet wurde die MVA Stapelfeld GmbH 1973 von den Kreisen Stormarn, Herzogtum Lauenburg sowie der Hansestadt Hamburg.

Seit 2016 gehört der heutige Betreiber EEW (Energy from Waste) zur chinesischen Beijing Enterprises Holdings Limited.

So läuft das Verfahren

Nach der Ankündigung des Neubaus im November 2017 gab es mehrere Informationsveranstaltungen. Darunter waren auch zwei Informationsveranstaltungen für die Bürger im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung. Außerdem gab es einen Scoping-Termin, bei dem mit den Trägern öffentlicher Belange (TöB) der Untersuchungsumfang für das Genehmigungsverfahren abgestimmt wurde.

Der Bauantrag wurde im November 2018 eingereicht. Teil des Genehmigungsverfahrens ist die am 1. August erfolgte Auslegung der Antragsunterlagen. Die eingehenden Anregungen sollen am 10. Dezember erfolgen. Diese werden von der Genehmigungsbehörde dann abgearbeitet. Ursprünglich war ein Baubeginn für Ende 2019 vorgesehen. Der ursprüngliche Zeitplan von EEW sah die Aufnahme des Probebetriebes für Mitte 2022 vor.

Was ist Müllverbrennung?

Das Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen, kurz Kreislaufwirtschaftsgesetz genannt, ist in seiner derzeitigen Fassung am 1. Juni 2012 in Kraft getreten. Zu den größten Änderungen zählte damals die neue fünfstufige Abfallhierachie. Hinter der Vermeidung von Abfall wie dem Verzicht auf Plastiktüten, der Vorbereitung zur Wiederverwendung wie dem Refurbishment (qualitative Aufarbeitung und Aufrüstung von Gegenständen wie Smartphones und anderen Elektrogeräten) und dem Recycling in Form der stofflichen Verwertung einzelner Fraktion steht die energetische Verwertung als sonstige Verwertung an vierter Stelle. Als letzte Lösung soll die Beseitigung erfolgen, also die Deponierung.

Im Bereich Siedlungsabfall ist jedoch ein Problem die Differenz zwischen Theorie und Praxis. So bestehen die Wertstoffe in der Restmülltonne zur Hälfte aus Bioabfällen, obwohl diese – und dazu zählen insbesondere auch Essensabfälle – eigentlich getrennt erfasst werden müssen, also mit der Biotonne. Die korrekte und konsequente Eigenkompostierung gerade von Essensresten ist in der Praxis kaum umsetzbar. Daher gibt es immer noch einen hohen Anteil sogenannter Fehlwürfe. Diese Fehlwürfe sorgen nicht nur dafür, dass der Restmüll durch die Gärprozesse Gerüche abgibt, sondern auch nicht so gut brennt.

Die Energieleistung

Ziel des Müllheizkraftwerkes ist vor allem auch, Strom und Fernwärme zu erzeugen. Eine entsprechende Verwertung ist nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz vorrangig. Pro Jahr werden in der 1979 in Betrieb genommenen und 1997 erweiterten Anlage etwa 80 000 Megawatt-Stunden Strom und 230 000 Megawattstunden Fernwärme erzeugt – ausreichend für 50 000 Haushalte. Durch eine höhere Effizienz des Neubaus sollen diese Mengen steigen. Es ist von doppelt so viel Strom die Rede.

Die Abfallmengen

Das neue MHKW soll eine Nennleistung von 45 Tonnen Abfall pro Stunde habe. Ausschlaggebend für tatsächliche Verbrennungsmenge ist allerdings der Heizwert des angelieferten Abfalls, der zwischen Hausmüll, Sperrmüll und Gewerbemüll schwanken kann. Grundlage für die Berechnung der Nennleistung sind Siedlungsabfälle mit einem Heizwert von 9,6 MJ/kg.

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Hier gibt es weitere Informationen:

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Wohin mit der Asche

Geplant ist, dass in der neu gebauten Müllverbrennungsanlage ab 2022 zwischen 320 000 und 350 000 Tonnen Abfall aus privaten Haushalten und dem Gewerbe verbrannt werden. Bei der Planung der Anlage war EEW nach eigenen Angaben ursprünglich von einem höheren Anteil von Gewerbeabfall zur Verbrennung ausgegangen. Der Heizwert von privatem Hausmüll ist unter anderem aufgrund des hohen Anteils von eigentlich nicht zulässigen Bioabfällen im Restmüll deutlich schlechter als der von Gewerbemüll. EEW war daher zunächst von einer zu verbrennenden Menge von 320 000 Tonnen bei einem entsprechend gemitteltem Heizwert ausgegangen. Aufgrund der zwischenzeitlich abgeschlossenen Anlieferverträge mit den kommunalen Entsorgungsunternehmen gehe man von 350 000 Tonnen aus, heißt es.

Hinzu kommen jährlich bis zu 135 000 Tonnen nasser Klärschlamm für die Monoverbrennungsanlage für Klärschlamm. Dieser wird vor Ort zunächst getrocknet und dann reduziert auf 32500 Tonnen Trockenschlamm verbrannt. Geplant ist eine Verbrennungsleistung von 13,9 Tonnen pro Stunde.

Die Verkehrsbelastung

Neue Rahmenbedingungen, vor allem die sich wegen des zunehmenden Mangels an Lastwagen-Fahrern ändernde Abfall-Logistik, führen auch zunehmend zu einem veränderten Verkehrsaufkommen im Zusammenhang mit der MVA Stapelfeld. Vor allem die Entsorger im Hausmüllbereich fahren die Anlage immer seltener direkt mit den Sammelfahrzeugen an, sondern laden den Müll auf Lastwagen mit größerer Ladungsmenge um. Fuhren nach Angaben von EEW im Jahr 2016 im Durchschnitt noch täglich 164 Lastwagen in der Anlage vor, waren es im Jahr 2017 mit 142 Fahrten weniger. Das Transportverkehrsaufkommen durch die künftig zusätzlich betriebene Mono-Klärschlammverbrennungsanlage schätzt EEW auf täglich maximal 27 bis 30 Lastwagen, wenn der Klärschlamm praktisch ohne jegliche Vortrocknung angeliefert werden würde und die Anlage ausgelastet wäre.

Daher kommt der Abfall

Der zu verbrennende Hausmüll kommt unter anderem aus den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn (etwa 105 000 Tonnen) sowie Segeberg (15 000 Tonnen). Ein Teil, insgesamt 10 000 Tonnen, kommt im Zuge des gesamteuropäischen Warenverkehrs auch aus Großbritannien. Hinzu kommt der Gewerbeabfall, neben den beiden Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg vor allem auch aus Hamburg und Lübeck. In dem Neubau der Anlage soll der Anteil des Hausmülls aufgrund abgeschlossener Verträge mit den Entsorgern steigen.

Bei der Verbrennung des Klärschlammes werden vorrangig Kommunen aus den beiden Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg berücksichtigt. Der Rest soll überwiegend auch aus schleswig-holsteinischen Kommunen kommen.

Die Emissionen

Mögliche Belastungen von Mensch und Umwelt sind eines der am meisten diskutierten Themen im Vorfeld. Dazu gibt es in den Unterlagen umfangreiche Informationen.

Beim Betrieb werden alle Emissionswerte online, also unmittelbar an die zuständigen Genehmigungsbehörden übertragen und dort geprüft. Der Müllbunker mit der Anlieferung der Abfälle und des Klärschlamms steht unter Unterdruck. Das soll verhindern, dass Gerüche nach außen dringen.

Emissionsort ist vor allem der neue Schornstein für beide Anlagen. Dieser Kamin wird mit 63 Meter deutlich niedriger sein. Der vorhandene ist mit 110 Metern Höhe so etwas wie das Wahrzeichen Stapelfelds. Für die Höhe gibt es klare Vorschriften. Grundsätzlich gilt: Je höher der Abzug ist, desto größer ist auch der Umkreis, auf den sich die Emissionen verteilen. Wie die Höhe ermittelt werden soll, wurde im Scoping-Termin LLUR im März 2018 unter Beteiligung der Umweltverbände und Behörden abgestimmt. Grundlage sind die Vorschriften der TA Luft und der LAI-Leitfaden. „Mit einer Kaminhöhe von 63 Metern ist der ungestörte Abtransport der gereinigten Abluft mit der freien Luftströmung gewährleistet“, heißt es von EEW.

Schornsteine waren früher höher, weil aufgrund möglicher höherer Schadstoffwerte diese emittierten Schadstoffe mit der Abluft in einem weiten Gebiet verteilt werden sollten. Inzwischen werden die Emissionen über strenge, gesetzlich vorgegebene Grenzwerte geregelt. Außerdem wurde der derzeitige Schornstein seit den 1990er Jahren nachgerüstet, ohne seine Höhe zu verringern.

„Tatsächlich werden die Emissionswerte der Neubauanlagen in Stapelfeld so gering sein, dass der Kamin rechnerisch sogar noch deutlich niedriger sein könnte“, schreibt EEW. So wäre aufgrund des berechneten tatsächlichen Schadstoffausstoßes eine Kaminhöhe von rund 30 Metern ausreichend. Allerdings müsse der Schornstein jedoch höher sein als das höchste Einzelgebäude. Dies sei das neue Kesselhaus mit einer Höhe von 56 Metern.

Hier liegen die Unterlagen aus

Die Unterlagen zu den beiden Projekten liegen noch bis zum 2. September öffentlich aus und können von Interessierten eingesehen werden. Auslagestellen sind das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume LLUR in Flintbek, das Amt Siek in Siek, die Stadt Ahrensburg im Rathaus, die Gemeinde Barsbüttel, das Bezirksamt Wandsbek. Außerdem sind die Unterlagen im Internet unter www.energie-zukunft-stapelfeld.de einsehbar und auch herunterzuladen.

Quellen

Die Informationen zu den oben genannten Themen stammen aus eigenen Recherchen, den offiziellen Antragsunterlagen und dem Informationsportal www.energie-zukunft-stapelfeld.de.

Auslegung

Die Unterlagen zu den beiden Projekten liegen noch bis zum 2. September öffentlich aus und können von Interessierten an folgenden Orten eingesehen werden:

Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume LLUR in Flintbek, Hamburger Chaussee 25, montags bis donnerstags von 9 bis 15.30 Uhr, freitags von 9 bis 12 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung (Telefon 043 47/70 40)

Amt Siek in Siek für die Gemeinden Stapelfeld, Braak, Brunsbek und Siek, Hauptstraße 49, montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr, zusätzlich montags und mittwochs von 14 bis 16 Uhr, sowie nach telefonischer Vereinbarung (Telefon 041 07/ 889 30)

Stadt Ahrensburg, Rathaus, Manfred-Samusch-Straße 5, montags, dienstags, mittwochs und freitags von 8 bis 12 Uhr, donnerstags von 14 bis 18 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung (Telefon 041 02/ 770)

Gemeinde Barsbüttel, Stiefenhoferplatz 1, montags und freitags von 8 bis 12 Uhr, dienstags von 7.30 bis 12 Uhr und 15 bis 18.30 Uhr, donnerstags von 8 bis 12 Uhr und 15 bis 18.30 Uhr, sowie mittwochs nach telefonischer Vereinbarung (Tel. 040/67 07 2-400 oder -421)

Bezirksamt Wandsbek, Rahstedter Straße 151, montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, sowie nach Vereinbarung (Tel. 040/42 82 80)

Außerdem sind die Unterlagen und Gutachten für das Planfeststellungsverfahren im Internet unter www.energie-zukunft-stapelfeld.de einsehbar und auch herunterzuladen.

Holger Marohn

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