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Stormarn Unternehmensnachfolge: Junge Chefs in Stormarn sorgen für neuen Schwung
Lokales Stormarn Unternehmensnachfolge: Junge Chefs in Stormarn sorgen für neuen Schwung
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18:00 24.08.2019
Marcus Landschof (rechts) zeigt IHK-Geschäftsführer Lars Schöning die Leitstellentechnik, die bei Sinus entwickelt wird. Quelle: hfr
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Barsbüttel

Etwa 7000 schleswig-holsteinische Unternehmen stehen laut aktuellen Prognosen vor einer Übergabe. Die Frage, wer den eigenen Betrieb einmal weiterführen soll, ist eine der wichtigsten für Unternehmerinnen und Unternehmer. Lars Schöning, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck, hat mit seinem Stellvertreter Nils Thoralf Jarck sowie Detlev Hinselmann, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS), auf der IHK-Sommertour durch den Kreis Stormarn zwei Mittelständler besucht, die das Thema Nachfolge zu einem erfolgreichen Kapitel ihrer Unternehmensgeschichte gemacht haben.

Die Emile Nölting GmbH & Co. KG in Glinde wurde 1858 als Hamburger Handelshaus gegründet und befasste sich ursprünglich mit dem Im- und Export etwa von Textilien. Der heutige Geschäftsführer, Nicolaus von Hobe, leitet das Unternehmen in sechster Generation: 2009 hat er die Aufgaben seines Vaters übernommen, unter dessen Leitung das Geschäft auf die Produktion und den Import von Haushaltsartikeln im Non-Food Bereich spezialisiert war.

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Staubsaugerbeutel mit Adapter

Von Hobes Hauptgeschäft sind heute Reinigungsartikel. Zum Portfolio des Familienunternehmens gehört seit 2015 etwa die amerikanische Marke „Scrub Daddy“ – ein Schwamm, der durch seine spezielle Flextextur für die Reinigung stark verschmutzter Oberflächen geeignet ist. Mit „Dustie“ soll demnächst ein Universal-Staubsaugerbeutel mit Adapter für Staubsauger auf den Markt kommen, der es Kunden ermöglicht, denselben Beutel für jedes Modell zu verwenden. Anfang 2019 hat das Unternehmen außerdem den Vertrieb einer der ältesten Kosmetikmarken, Dr. Förster, übernommen, die auf hochwertige Inhaltsstoffe im Bereich Anti Aging spezialisiert ist.

IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning, Nicolaus von Hobe, Geschäftsführer der Emile Nölting GmbH & Co. KG, Nils Thoralf Jarck, stellvertretender Geschäftsführer der IHK, und Detlev Hinselmann, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (v.l.), inspizierten unter anderem den Schwamm „Scrub Daddy“. Quelle: hfr

„Der gesamte europäische Einzelhandel wird von uns beliefert, zudem sind wir in Asien und Nordamerika vertreten“, sagt der Geschäftsführer. Sein Vater blieb noch bis 2015 im Betrieb – und stand dem Sohn immer mit einem Rat zur Seite. „Gerade am Anfang ist das sehr sinnvoll“, betont Jarck, der den Bereich Existenzgründung und Unternehmensförderung leitet. „Die Unterstützung und Expertise des Vorgängers sind wichtige Ressourcen, um den Übergang so leicht wie möglich zu machen. Emile Nölting ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie die Übernahme innerhalb der Familie gut und langfristig funktionieren kann.“

Sinus-Technik für den Notruf

Auch bei der Sinus Nachrichtentechnik GmbH spielt das Thema Nachfolge eine wichtige Rolle. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Barsbüttel entwickelt unter anderem Leitstellen- und digitale Alarmierungs- und Benachrichtigungssysteme. „Dazu zählen etwa die Funkmeldeempfänger von Feuerwehrleuten“, so Geschäftsführer Marcus Landschof: „Wer in Stormarn den Notruf wählt, setzt damit Systeme von Sinus in Bewegung.“ Das Unternehmen ist mittlerweile deutschlandweit bekannt, zu den Kunden gehören außer der Stadt Kiel etwa die Berufsfeuerwehr Wilhelmshaven und der Flughafen Köln/Bonn.

Mit 29 Firma übernommen

2011 kam Landschof zurück zu Sinus, um mit 29 Jahren den Betrieb zu übernehmen, in dem er Jahre zuvor die Ausbildung zum Informationstechniker absolviert hatte. „Selber etwas zu entscheiden und anzupacken – das waren meine Beweggründe, den Schritt zu wagen“, sagt der 37-Jährige. „Es gibt viele Herausforderungen, aber man hat die Zügel selbst in der Hand. Das motiviert und macht mir unheimlich Spaß.“

Landschofs Herangehensweise trägt Früchte: Seit seinem Einstieg ist die Mitarbeiterzahl von 13 auf 54 gestiegen, außer der Zentrale in Barsbüttel hat das Unternehmen mittlerweile Standorte in Greifswald, Kamen und Pforzheim. Landschof kann sich zudem vorstellen, auch international zu agieren.

Nachfolgesuche immer schwieriger

Andere junge Leute scheuen sich dagegen laut IHK immer häufiger, in Chef-Positionen aufzusteigen, die mit einer 60- oder gar 80-Stunden-Woche und entsprechendem Stress verbunden sind. Die ältere Generation wiederum kenne das gar nicht anders und tue sich manchmal schwer, ganz loszulassen und sich zurückzuziehen. So schieben einige Firmeninhaber eine geregelte Übergabe immer weiter hinaus, auch um nicht in ein persönliches Loch zu fallen.

Von der Motivation eines Marcus Landschof könnten aber auch andere Unternehmen profitieren, fasst Schöning zusammen: „Sinus zeigt, wie spannend der Beruf des Unternehmers sein kann, wenn man mit Mut, Schwung und Kreativität die Herausforderungen angeht.“ Beide besuchten Betriebe seien herausragende Beispiele dafür. „Sie motivieren dazu, Dinge selbst in die Hand zu nehmen, und zeigen, dass Nachfolge kein Schreckensthema sein muss, sondern im Gegenteil neue und interessante Möglichkeiten eröffnen kann.“

InfoUm diese Chancen optimal zu nutzen, unterstützen die Industrie- und Handelskammern ihre Unternehmen unter anderem mit dem kostenlosen Angebot Stabwechsel – Nachfolgedialog in individuellen Einzelgesprächen. Weitere Informationen gibt es unter www.ihk-sh.de/stabwechsel

Von Markus Carstens