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Stormarn Vergessene Kunst in der Trittauer Kirche
Lokales Stormarn Vergessene Kunst in der Trittauer Kirche
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12:41 23.10.2018
Katrin Balters und Jochen Pause wollen die Arbeiten Hötterges sichtbar machen.
Katrin Balters und Jochen Pause wollen die Arbeiten Hötterges sichtbar machen. Quelle: Bettina Albrod
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Trittau

In den Jahren 1946 bis 49 schuf der Bildhauer Franz Hötterges (1912 bis 1993) zwölf expressionistische Eichenholztafeln als eine Art Kreuzweg für den Chor der Trittauer Kirche. Die Holzreliefs sind seit Jahrzehnten nicht mehr öffentlich zugänglich, wurden aber jüngst restauriert, gesichert und publiziert. Jetzt stehen sie im Mittelpunkt einer Ausstellung, die am 27. Oktober eröffnet wird. Die Fotografin Katrin Balters näherte sich den Motiven fotografisch an und konzentrierte sich auf das Thema „Liebe, Schmerz, Hoffnung in den Holzreliefs der Martin-Luther-Kirche“. Dazu wird Jochen Pause vier der hölzernen Bildtafeln beispielhaft erläutern.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg entsprach die pathetische und bunte Ausstattung der Trittauer Kirche nicht mehr dem Zeitgeschmack“, erläutert Pause, der den Ausschuss für Geschichte und Kunst des Kirchengemeinderats leitet und die Arbeiten des Künstlers 2016 im Jahrbuch für Denkmalpflege beschrieben hat. Religiöse Innigkeit trat in den Vordergrund, und so beauftragten zwei Kaufleute den Bildhauer Hötterges, der bei Professor Johann Bossard gelernt hatte, eine Neugestaltung des Altarraums vorzunehmen. Zu dem gehörten die zwölf ausdrucksstarken Bildtafeln im Stil des Spät-Expressionismus, die übliche Sehgewohnheiten buchstäblich auf den Kopf stellen. So muss man mehrmals hinsehen, um die volle Ausdruckskraft der Schnitzarbeiten zu erkennen.

Sehgewohnheiten auf den Kopf gestellt

„Bei der Tafel zur Fußwaschung scheint die Szene auf den Kopf gestellt; der Fuß befindet sich über dem Kopf Jesu“, erläutert Pause die ungewöhnliche Bildsprache des Künstlers, „darüber wiederum kniet Maria Magdalena bei der Fußwaschung.“ Die originelle Bildersprache setzt sich in den anderen Bildtafeln fort, die von einer diagonalen Aufteilung geprägt sind, die sich regelmäßig wiederholt. Wiederkehrendes Motiv, so Pause, ist der Kopf Jesu. Sein Antlitz ist bildbestimmend, daneben entwickeln sich bei genauem Hinsehen Stationen des Kreuzweges wie die schlafenden Jünger, als Jesus betet, im Hintergrund bereits der Zug der Häscher im Anmarsch. Bei der Geißelungsszene sind es das plastisch herausgearbeitete Seil und die Spitzen der Dornenkrone, die mit Jesu Gesicht kontrastiert sind. „Die diagonale Zweiteilung gehörte zum Raumkonzept und ist auch als Kreuzsymbolik zu verstehen“, erklärt Pause.

Holztafeln des Künstlers Franz Hötterges sind ab 27. Oktober in Trittau zu sehen. Ergänzt werden sie durch Fotos von Katrin Balters.

Als er die Künstlerin Katrin Balters mit der Fotodokumentation der Bildtafeln beauftragte, war die Trittauerin von der Tiefe der Darstellungen fasziniert. „Auf den Bildern ist viel los, sie haben einen starken Gestus“, sagt sie. Ob als große Formate an den Kirchenwänden oder montiert als Serien einzelner quadratischer Bilder, immer neu gelingt es Katrin Balters, den starken Gefühlsausdruck in Gesichtern und Händen der Kunstwerke mit eigenen graphischen Mitteln erlebbar zu machen. So arbeitet der Blick der Künstlerin zusätzlich zu dem des Kunsthistorikers neue Aspekte heraus. „Diese Bildtafeln könnte man sehr gut zu gemeindepädagogischer Arbeit nutzen“, ist Katrin Balters überzeugt.

Kunst aus dem Vergessen holen

Pause und Balters ist es ein Anliegen, die vergessenen Bildtafeln wieder in den Blick des Betrachters zu rücken. „Die Ausstellung soll das Interesse für die Kunstwerke wecken“, so Pause, der sie gerne dauerhaft sichtbar machen würde. „Die Holztafeln entfalten eine große Wirkung, wenn man sich die Zeit nimmt, sie in Ruhe zu betrachten.“ Er würde die Tafeln des katholischen Künstlers, der sein Atelier in Sprenge hatte, gerne in einem Turmnebenraum präsentieren, den man zu einer Ausstellungsfläche umgestalten könnte. Denn die Holztafeln sind nicht die einzigen Kunstwerke, die die Trittauer Kirche zu bieten hat. „Es gibt beispielsweise alte Glasmalerei, mit der ich mich gerade beschäftige. Ein Glasfenster von 1888 soll im Weihnachtsgottesdienst gezeigt werden“, kündigt Pause an. Ergänzt wird die aktuelle Ausstellung durch eine farbige Entwurfsskizze des Künstlers, die aus seinem Nachlass nach Trittau geholt werden konnte.

Die Ausstellung

Am Sonnabend, 27. Oktober, wird im Anschluss an das um 17 Uhr beginnende Konzert für Orgel und Orchester gegen 18.30 Uhr in der Trittauer Martin-Luther-Kirche eine Fotoausstellung von Katrin Balters zu den zwölf Holztafeln eröffnet. Vier ausgewählte Tafeln werden bei der Eröffnung gezeigt und von Jochen Pause erläutert. Zur Begrüßung spricht Pastorin Anke Schäfer. Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Kirche bis Ende November zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Bettina Albrod

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