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Stormarn Schmuckstück im Herrenhaus Altfresenburg
Lokales Stormarn Schmuckstück im Herrenhaus Altfresenburg
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17:57 11.08.2019
Die beiden Restauratoren Inke Hansen und Frank Abraham mit der Rosette in der Eingangshalle des Hansen-Baus. Quelle: SUSANNA FOFANA
Bad Oldesloe

Hinter alten Bäumen taucht majestätisch das denkmalgeschützte Herrenhaus Altfresenburg auf. Die Dreharbeiten mit Til Schweiger für Honig im Kopf plus Remake machten das Bauwerk des dänischen Architekten Christian Frederik Hansen weltweit als besondere Kulisse bekannt. An den Dreh erinnern jetzt nur noch ein Gartentor und vier steinerne Bänke. In dem von den Nachbarn als „Schloss“ bezeichneten Haus geht es jetzt um Spurensuche. Darum, den Ursprungszustand von 1791 mitsamt Ornamenten, Farben und Stuck-Verzierungen so weit wie möglich wieder erlebbar zu machen.

Ein Restauratorenteam machte die Eingangshalle des Herrenhauses Altfresenburg wieder zum Schmuckstück.

Die Original-Farben des vor 228 von Hugo von Buchwald in Auftrag gegebenen Herrenhauses deckte eine Namensvetterin des berühmten dänischen Baumeisters Hansen auf. Die Hamburger Restauratorin Inke Hansen, Fachbereich Wandmalerei, hat vor acht Jahren auch die farbenfrohen Decken- und Wandmalereien des Künstlers Wenzel Hablik in der Oldesloer Theodor-Storm-Schule mit freigelegt. Im Team von Hansen & Muhsil Restaurierung waren jetzt in Altfresenburg zudem die Restauratoren Frank Abraham und Barbara Neulinger dabei.

Eingangshalle erhielt die Original-Farbtöne

Vor drei Jahren fing alles an. „Wir haben eine Farbbefunderhebung gemacht“, erklärt Hansen. Schnell war klar, dass das Herrenhaus einen historischen Schatz birgt. Auf der Suche nach den Farben aus der Bauzeit wurden „bis zu fünf Farbschichten abgetragen.“ Auf die dritte Fassung wurden dann in der Eingangshalle die Original-Farbtöne in selbst gemischter reversibler Emulsionsfarbe mit Quast und Pinsel aufgetragen.

Von wegen kühler Norden: Der dänische Landesbaumeister Hansen (1756–1845) hat für sein erstes Holsteiner Herrenhaus warme Umbra- und Ockerfarben gewählt – Erdfarbtöne. Etwa drei Monate, die Drehzeiten für den Schweiger-Film und einen Fernsehkrimi wurden herausgerechnet, war das Restauratoren-Team damit beschäftigt, die Eingangshalle denkmalgerecht wieder herzurichten.

Ursprüngliche Pracht sollte wiederhergestellt werden

Mit Farbe allein war es nicht getan. Hansen: „Die Halle war ein schöner Raum – aber es fehlte etwas.“ Als sie Spuren von fehlendem Stuck fand, wurde im Gespräch mit den Denkmalpflegern schnell klar, dass die gefüllt werden müssen, um die ursprüngliche Pracht wiederherzustellen. Das Landesamt für Denkmalpflege aus Kiel stellte einen Großteil der Mittel dafür zur Verfügung. Miteigentümerin Astrid Kühl (Gut Altfresenburg GmbH & Co KG) sagt dankbar: „Ohne diese Mittel wäre der Stuck nicht möglich gewesen.“

Hansen: „Die Besonderheit in der Halle war, dass es dort Abdrücke von Stuck gab, der nicht mehr vorhanden war.“ Sie entdeckte die kleinen Ritzungen oberhalb der Türen. Insgesamt gab es vier Supraporten. Auch von den Rosetten an der rissigen Konche (halbrunde Nische) gab es nur noch Abdrücke. Ähnliche Verzierungen fanden sich jedoch im Gebäude wieder. Hansen: „Die Rosette stammt aus dem historischen Saal.“

„Wir haben die kleinen Blättchen einzeln abgegossen“

Zu Beginn ihrer Arbeit hatten die Restauratoren alte Schwarz-Weißfotos der Wand- und Deckenmalereien erhalten. Hansen: „2016 war von all dem nichts mehr zu sehen.“ Die Restauratoren weiter: „Wir haben die kleinen Blättchen einzeln abgegossen.“ Insgesamt 248 Lorbeerblätter. Die Rosette wurde für die Rekonstruktion ebenfalls aus Stuckgips nachgegossen. Alles in reiner Handarbeit. Jetzt, wo die Halle bis auf den Anstrich der Türen und Zargen fertig ist, sei alles stimmig, sind sich die Beteiligten einig. Die Farbe für die Tür in einem hellen Umbraton mischten die Restauratoren noch für die Handwerker an.

Im historischen Saal fanden die Restauratoren die kompletten Muster für die Stuckverzierungen. Quelle: SUSANNA FOFANA

„Ein unfassbares Potenzial“ schlummert nach Ansicht von Astrid Kühl im Herrenhaus mit 43 Räumen inklusive Untergeschoss. So zum Beispiel Malerei in schönen Farben im Saal zum See, von denen die Restauratoren bereits einen Mini-Ausschnitt freilegten. Diese Wandmalerei von damals wieder sichtbar zu machen, wäre für Kühl „eine Herzensangelegenheit.“ Restauratorin Hansen kann sich bereits ungefähr vorstellen, wie der See-Saal einmal aussehen könnte.

Die Rekonstruktion des Vestibüls ist vollendet. Quelle: INKE HANSEN/HFR

Restaurierung nur durch Unterstützer möglich

Doch die Restaurierung bleibt Kür, nicht Pflicht. Sie könne nur über Unterstützer ermöglicht werden, sagt Kühl. Für die historische Restaurierung des Festsaals liege bereits die Kostenschätzung von 92500 Euro vor. Kühl: „Dafür könnte man den historischen Saal so restaurieren, wie die Eingangshalle.“ Da der Saal jedoch so nutzbar sei, werde er erst einmal nicht angefasst. Das passiere erst, wenn dafür Mittel zur Verfügung stehen.

Einige der künftigen Büroräume im ersten Stock könnten weitere historische Geheimnisse bergen. Als Erster bezieht der Mann von Astrid Kühl, Martin Reitzig, mit Mitarbeitern seines Solarunternehmens Büroräume im Herrenhaus. Ende des Jahres folgt ein weiterer Mieter.

Das Raumklima mit ursprünglichen Baustoffen ist angenehmer

In puncto Zeitfenster ist Kühl vorsichtig geworden. Als sie das Haus mit ihrem Mann übernahm, habe es auf den ersten Blick so ausgesehen, als könne es flink genutzt werden. Doch allein der Rückbau des Herrenhauses dauerte etwa ein Jahr. Container für Container Bauschutt aus den 60er Jahren wurde abgefahren. „Wir versuchen, es so gut wie möglich zu machen. Bei uns kommen nur historische Materialien ins Haus: Kalk, Stein, Holz, Leimfarbe, Leinölfarbe.“ Kühl weiß: „Das Raumklima ist angenehmer, wenn man ursprüngliche Baustoffe nutzt.“

KulturGut-Verein im Aufbau

Vor einem Jahr wurde der Verein KulturGut Altfresenburg gegründet. „Momentan sind wir eine kleine Arbeitsgruppe. Wir sind dabei, den Verein mit Leben zu füllen“, sagt Astrid Kühl. Regelmäßig werden kulturelle Veranstaltungen und themenbezogene Veranstaltungen zur Architektur für die Mitglieder geplant. Es geht um Restaurierungen, den Aufbau des KulturGutes, Denkmalschutz, Kunst und Kultur. Im September steht die Einweihung der Eingangshalle, des Vestibüls, an. Weitere aktive Vereins- und Fördermitglieder sind willkommen. Interessenten können sich per E-Mail an Kulturgut@Altfresenburg.de wenden. Zum Gut Altfresenburg gehören mit dem Herrenhaus insgesamt sechs Häuser und die denkmalgeschützte Außenanlage. Infos über das Gut: www.altfresenburg.de

Parallel zum Herrenhaus könnte etwa 2021 die erste Scheune als Wohnraum fertiggestellt sein im Projekt Wohnen und Arbeiten auf dem Gut. Für das Projekt, so Kühl, gebe es bereits „eine gute Gruppe von zwölf Singles, Paaren und Familien“. Auch die Arbeiten am historischen Stallgebäude sollen nächstes Jahr beginnen. Gesucht werden noch Leute, die das Gesamtprojekt finanziell unterstützen oder sich im KulturGut-Verein einbringen möchten. Wenn viele mitmachen, kann vielleicht noch mehr historisches Kulturgut erhalten werden. Unter Denkmalschutz stehen auf dem Gut außer dem Herrenhaus auch noch das Torhaus, die Nordscheune und die Außenanlagen.

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