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Stormarn Viel Kritik an Amazon-Plänen in Bad Oldesloe
Lokales Stormarn Viel Kritik an Amazon-Plänen in Bad Oldesloe
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08:31 29.08.2019
Das Gewerbegebiet Teichkoppel in Bad Oldesloe, wo der Internet-Händler Amazon ein Verteilzentrum bauen will.   Quelle: Manfred Giese
Bad Oldesloe

Der Internet-Händler Amazon will in Bad Oldesloe ein Verteilzentrum bauen. Die Pläne stoßen in der Stadt auf ein geteiltes Echo. Bürgermeister Jörg Lembke sieht das Bauprojekt als „kein gutes Geschäft für Bad Oldesloe“. Durch die „meist prekären Beschäftigungsverhältnisse und die niedrigen Gewerbesteuereinnahmen bei gleichzeitiger Verkehrsbelastung“ sei das Ganze kritisch zu sehen. Auch im Bereich des bezahlbaren Wohnens könnte eine zusätzliche Belastung auf die Stadt zukommen. Die hat bei dem Bauprojekt allerdings kein Mitspracherecht.

Bürgermeister Jörg Lembke. Quelle: ST

„Es handelt sich um ein privates Projekt, das nicht von der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn vermarktet wird“, erklärt Landrat Dr. Henning Görtz. „Von daher fehlt die Abwägung von Arbeitsplätzen, Flächenverbrauch oder Verkehrsbelastung, die sonst üblich ist.“ Hier sei sorgfältig zu prüfen, welche verkehrlichen Konsequenzen die Ansiedlung für Bad Oldesloe haben wird. Die Stadt habe aber kein Veto-Recht.„Ich habe Verständnis für die Sorge wegen der prekären Beschäftigungsverhältnisse“, sagt Görtz weiter. Hier sei soziale Verantwortung bei Amazon nötig, immerhin arbeite das Unternehmen in einer Boom-Branche.

Infrastruktur wird belastet

Andreas Lehmann Quelle: E-Mail-LN-Stormarn

„Einerseits bin ich froh, dass sich in Bad Oldesloe wirtschaftlich etwas ansiedelt, andererseits sind die Umstände kritisch zu sehen“, meint Andreas Lehmann (CDU). „Die Stadt nimmt nur geringe Gewerbesteuern ein, die Infrastruktur wird aber belastet.“ Andererseits könne man damit rechnen, dass die Ansiedlung weitere Unternehmen nach sich ziehe. „Amazon ist ein großer Name, der Bad Oldesloe als Wirtschaftsstandort bekannt machen kann.“ Die Mitarbeiter würden zwar unter die prekäre Beschäftigung fallen, aber man müsse auch an die Menschen denken, die nicht qualifiziert seien. „Auch diese Arbeitskräfte brauchen Arbeitsplätze. Von Verhinderung zu sprechen, wäre in meinen Augen das falsche Signal.“

Björn Wahnfried Quelle: E-Mail-LN-Stormarn

Björn Wahnfried (SPD) bedauert, dass kein anderes Unternehmen auf der Fläche angesiedelt wird. „Ich glaube, von Amazon ist keiner so richtig begeistert, zumal der Logistiker dafür bekannt ist, schlecht zu bezahlen. Das übt Druck auf die Stadt aus, was den bezahlbaren Wohnraum angeht.“ Der ohnehin angespannte Wohnungsmarkt beim bezahlbaren Wohnen werde dadurch noch stärker belastet. Denn Stormarn gehöre zu den Boom-Regionen, was das Wohnen im Kreis teuer mache. „Soviel bezahlbaren Wohnraum kann die Stadt nicht vorhalten.“

Prekäre Beschäftigung in Oldesloe

Hendrik Holtz (Die Linke) sagt: „Wir sind entsetzt, das ist nicht die Form der Gewerbeansiedlung, die wir uns gewünscht haben.“ Amazon sei dafür bekannt, Niedriglöhne zu zahlen und die Verantwortung für schlechte Arbeitsbedingungen an Subunternehmen auszulagern. „Statt mehr guter Arbeit wird es einen weiteren Ort prekärer Beschäftigung in dieser Stadt geben. Davon gibt es aber schon mehr als genug, und unser Bundesland ist bereits auf den Spitzenplätzen beim Anteil prekärer Beschäftigung“, sagt Hendrik Holtz.

Anna Kromm und Hendrik Holtz Quelle: ST

Die Stadt werde größtenteils Kosten durch die Ansiedlung haben, unter anderem durch eine massive Mehrbelastung der Straßen durch den Verkehr. „Wenn die Straßen kaputt gehen, muss die Stadt zahlen.“ Annelie Strehl (FBO) steht dem Projekt zwiegespalten gegenüber. „Es ist schön, dass sich an dieser schwer zu bebauenden Stelle etwas ansiedelt“, sagt sie – wegen einer Hochspannungsleitung darf dort nur bis in geringe Höhe gebaut werden. Der Liefer-Verkehr werde wahrscheinlich über die Autobahnen abfließen. So gesehen sei es aus Sicht der Vermarkters gut, man müsse auch seine Seite bedenken. Allerdings stelle der zunehmende Online-Handel, der Lieferverkehre nach sich zieht, grundsätzlich ein Problem dar.

Es liegt noch kein Verkehrsgutachten vor

Zu der zu erwartenden Verkehrsbelastung existiert bislang noch kein offizielles Gutachten. „Wir verfügen über ein Konzept, das Herr Frost vorgestellt hat, ein offizielles Gutachten müssen wir noch anfertigen lassen“, heißt es bei Amazon. Karsten Frost hatte am Montag über die Pläne von Amazon im Wirtschaftsausschuss der Stadt informiert.

Heiko Winckel-Rienhoff Quelle: Adamek

Heiko Winckel-Rienhoff, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Stormarn, denkt an die Mitarbeiter: „Grundsätzlich ist es schön, wenn neue Arbeitsplätze entstehen, besonders für Bad Oldesloe.“ Allerdings sei der Arbeitgeber zweifelhaft, weil es in der Vergangenheit kritische Berichte über Billiglöhne und die Arbeitsbedingungen bei Amazon gegeben habe. Für die Innenstadt sehe er durch den Online-Händler nicht mehr Probleme als ohnehin bestehen. „Der Trend geht zum Bestellen, da ist es egal, wo der Online-Händler sitzt.“

Holger Mahlke Quelle: HRF

An die Innenstadt denkt auch Holger Mahlke, zweiter Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung Bad Oldesloe: „Die Wirtschaftsvereinigung Bad Oldesloe begrüßt es grundsätzlich, wenn es zu Neuansiedlungen namhafter Unternehmen in Bad Oldesloe kommt, weil damit auch ein sichtbares Signal gegeben wird, dass Bad Oldesloe eine hohe Standortqualität bietet.“ Gerade die regionalen Wirtschaftsnachrichten der letzten Tage zu Neuansiedlungen in Ahrensburg und Reinfeld zeigten aber den nach wie vor großen Nachholbedarf an professioneller Wirtschaftsförderung für Bad Oldesloe. „Für den örtlichen Einzelhandel ist die Ansiedlung eines regionalen Verteilzentrums von Amazon emotional sicher schwer zu ertragen, steht Amazon doch sinnbildlich für den höchst ungleichen Wettbewerb zwischen Onlinehandel und klassischem Einzelhandel."

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