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Stormarn Viel Lärm um die Bahn: Keine Antworten auf Fragen aus Stormarn
Lokales Stormarn Viel Lärm um die Bahn: Keine Antworten auf Fragen aus Stormarn
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18:00 25.04.2019
In ein paar Jahren sind die Schranken noch häufiger geschlossen, hier der Bahnübergang in Rümpel. Quelle: mc
Bad Oldesloe

Lange Gesichter bei den Kreispolitikern und den vielen Besuchern der Sitzung des Kreisverkehrsausschusses am Mittwoch in Bad Oldesloe: Eigentlich sollten Vertreter der Deutschen Bahn über die Auswirkungen des Fehmarnbelttunnels und die zunehmende Belastung der Bahnstrecke LübeckHamburg berichten – so stand es laut Kreisverwaltung auch ausdrücklich auf der Einladung. Doch dazu hörte das Publikum kaum etwas, stattdessen ging es vorwiegend um Ostholstein.

„Die Bahnstrecke zwischen Lübeck und Fehmarn wird zweigleisig und elektrifiziert. 55 der 88 Kilometer Schiene werden neu gebaut, weg von den Ostseebädern. Von Hamburg nach Kopenhagen kommt man dann in zweieinhalb Stunden.“ Dieses und weitere Fakten zum Fehmarnbelttunnel berichtete Bahn-Projektleiter Bernd Homfeldt dem Gremium. Eine weitere Mitarbeiterin präsentierte Lärmschutzvarianten – ebenfalls für Ostholstein.

Güterzüge werden leiser

Am Ende ihres Vortrags blickten die Bahn-Vertreter in erschütterte Gesichter; denn Stormarn kam fast gar nicht zur Sprache, außer dass mit Fertigstellung des Tunnels rund 90 zusätzliche Güterzüge zwischen Hamburg und Fehmarn verkehren werden. Die jedoch würden nach erfolgter Umrüstung bis Ende 2020 deutlich leiser unterwegs sein.

Als erster fand Kreispräsident Hans-Werner Harmuth seine Sprache wieder. „Sie erzählen uns etwas von leisen Reifen, aber rein gar nichts über die Auswirkungen auf unseren Kreis. Wie sieht es mit Lärmschutzmaßnahmen und anderen Schutzvorkehrungen aus?“ Immerhin: Laut Bahn sind bislang keine weiteren Maßnahmen geplant, schon vor fünf Jahren seien in Reinfeld, Bad Oldesloe, Bargteheide und Ahrensburg bereits im Zuge der Tunnelplanungen mehrere Lärmschutzwände gebaut worden.

Ahrensburger Resolution unbekannt

Enttäuscht zeigte sich auch Carola Behr (CDU), stellvertretende Bürgermeisterin von Ahrensburg. „Was soll ich denn jetzt unseren Stadtverordneten aus dieser Sitzung berichten?“ Schon 2017 hätten diese eine Resolution verabschiedet und Fragen formuliert zu den immer noch im Raum stehenden sechs Meter hohen Lärmschutzwänden, die „die Stadt zerteilen würden“, so Behr. Ahrensburg ist in besonderem Maß betroffen, da dort die S 4 auf zwei neuen Gleisen im Zehn-Minuten-Takt verkehren soll.

Homfeldt dazu: Er kenne die Fragen nicht und könne sie nicht beantworten, denn er sei für die Bahnstrecke zwischen Lübeck und Fehmarn zuständig. Einen Ansprechpartner bei der Bahn für die Strecke LübeckHamburg konnte er nicht benennen.

Was wird aus den Bahnübergängen?

„Diese Scheuklappen sind kennzeichnend für die Bahn. Es wird nur abschnittsweise geplant, anstatt das gesamte Schienennetz zu sehen“, entfuhr es Friedrich-Eugen Bukow (SPD) aus Rümpel. In der Gemeinde gibt es zwei Bahnübergänge, deren Schranken ab 2028 – dann soll der Belttunnel freigegeben werden – noch häufiger geschlossen sein werden. Denn andere Planungen gibt es dafür nicht.

Anders in Reinfeld, wo am Bahnübergang Zuschlag Richtung Innenstadt regelmäßig Stau herrscht wegen heruntergelassener Schranken, allerdings in drei bis vier Jahren eine Brücke Abhilfe schaffen soll. Was jedoch aus dem Bahnübergang Kalkgraben wird, ist unklar. Auch dieser wird schon jetzt täglich zur Geduldsprobe für Autofahrer. „Von einer Stunde sind 20 Minuten die Schranken unten“, sagte Gesa Dunkelgut (CDU), Kreistagsabgeordnete aus Reinfeld.

Neuer Lärmschutz für Reinfeld?

Noch deutlicher wurde der Reinfelder Stadtverordnete Lorenz Hartwig (CDU): „Seit Jahren schreiben wir die Bahn an und bekommen immer nur schwammige Antworten. Vor Jahren sind 700 Meter Schallschutz weggefallen, weil ein halbes Dezibel fehlt. Jetzt wird neu gerechnet und wir liegen 2,5 Dezibel drüber.“ Jedes Jahr bekomme die Bahn 100 Millionen Euro vom Bund für Lärmschutzmaßnahmen, so Hartwig weiter und fragte: „Warum pflegen Sie Ihre Kunden nicht, mit denen Sie vor allem auf der Strecke LübeckHamburg sehr viel Geld verdienen?“

Mehrere Wortbeiträge von Politikern und Gästen gingen in die gleiche Richtung. „Wir erwarten Antworten zu den höheren Lärmbelastungen und Erschütterungen“, sagte etwa Reinhard Niegengerd (SPD) aus Großhansdorf. Alternativen Strecken für den Güterverkehr (über Büchen oder ein Neubau an der A 1) erteilte die Bahn eine Absage.

Kreis will Kommunen unterstützen

Für Landrat Henning Görtz war es „eine wichtige Botschaft“, dass die Bahn keinen weiteren Lärmschutz für Stormarn plane. Zusammen mit Kreispräsident Harmuth wolle er nun das Thema auf die Agenda setzen und zusammen mit den betroffenen Städten und Gemeinden mit einer Stimme sprechen. „Wir brauchen einen Ansprechpartner bei der Bahn und werden dann unsere Forderungen gemeinsam formulieren“, so Harmuth.

Mehr zum Thema:

http://www.ln-online.de/Lokales/Stormarn/Buergerinitiative-warnt-vor-Zunahme-von-Gueterzugverkehr-in-Stormarn

http://www.ln-online.de/Lokales/Stormarn/Politiker-zum-Bahnlaerm-Ist-Stormarn-im-Tiefschlaf

Markus Carstens

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