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Stormarn Viele Radwege sind ein gefährliches Pflaster
Lokales Stormarn Viele Radwege sind ein gefährliches Pflaster
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18:10 28.04.2018
Reiner Hinsch auf Testfahrt. Um zu zeigen, wo besonders viele Gefahren lauern, begab sich der ADFC-Chef gemeinsam mit den LN auf Tour. Hier in der Oldesloer Hagenstraße wird’s empfindlich eng.
Reiner Hinsch auf Testfahrt. Um zu zeigen, wo besonders viele Gefahren lauern, begab sich der ADFC-Chef gemeinsam mit den LN auf Tour. Hier in der Oldesloer Hagenstraße wird’s empfindlich eng. Quelle: Foto: Von Dahlen
Bad Oldesloe

„Eins vorausgeschickt: in den letzten Jahren wurde einiges für Radfahrer gemacht und bald soll ja die Abstellanlage am Bahnhof gebaut werden“, räumt der Chef des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) eingangs ein. Doch während der anschließenden Rundtour durch die Kreisstadt kommt er nicht umhin, den Finger in die Wunde zu legen. Viele Radwege und Straßenränder sind in desolatem Zustand und weisen Gefahren auf.

Weder Feinstaub noch CO2-Belastung – Radfahren verbessert die Luft in Innenstädten. Der ADFC Bad Oldesloe will von den Stadtverordneten in spe deshalb wissen, was sie zur Förderung tun wollen. Denn viele Radwege weisen Schäden auf und werden somit zur Gefahrenquelle.

„Als Radfahrer ist man das schwächste Glied im Straßenverkehr. Schlaglöcher treffen einen da ganz besonders. Wer sie nicht rechtzeitig sieht, riskiert schon mal einen Sturz“, sagt Hinsch. Auf der Wolkenweher Straße etwa gebe es viele solcher „Stolperfallen“. Vom Frost aufgebrochene Löcher seien über die Jahre nur notdürftig geflickt worden, so dass sie immer wieder aufbrächen und das ausgerechnet am Straßenrand, der für Radfahrer reserviert sei.

Für Autofahrer auf Anhieb nicht erkennbar stellt der Abschnitt der Hagenstraße zwischen Sparkasse und Busbahnhof eine weitere Herausforderung für den Pedalritter dar. Beim Bioladen schafft es Hinsch gerade noch, dem entgegenkommenden Linienbus auszuweichen, ohne gegen einen der dort eingepflockten Betonpoller zu prallen. Schließlich teilen sich Radler den engen Raum noch mit Fußgängern, die mitunter Kinderwagen oder Rollatoren vor sich herschieben. „Die Verkehrsführung in dem ganzen Bereich ist auch sehr unklar und sollte deutlicher markiert werden“, sagt Hinsch.

Dieses Problem habe sich mit dem Kreisverkehr am Kurpark dagegen erübrigt, da die Kreuzung nun übersichtlicher sei. Gefahrenquelle dort sei aber der Wassereintrag. „Wenn es abends sehr kalt ist, bildet sich eine dünne Eisschicht auf dem Asphalt, die kaum zu sehen ist. Ich habe mich schon selbst dort hingelegt. Zum Glück hielten rücksichtsvolle Autofahrer, die mir helfen wollten“, erzählt Hinsch. Er hofft, dass es gelingt, das Wasser von der Fahrbahn abzuleiten.

Eine ähnliche Situation bietet sich an der Bahnunterführung zwischen Sülzberg und Pölitzer Weg. Dort fließt ungehindert Regenwasser von den Bahngleisen über den Gehweg auf die Straße, wo er bei kühlem Wetter an den Rändern zu einem gefährlichen Eispanzer gefriert. „Das Problem ist nicht neu. Ich glaube seit 15 Jahren streiten sich die Deutsche Bahn und die Oldesloer Verwaltung darüber, wer zuständig ist. Die schieben den Ball hin und her“, ärgert sich der ADFC-Chef.

Der nächste Zwischenstopp führt in die Industriestraße. Während auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Schutzstreifen auf der Fahrbahn eigens für den Radler reserviert ist, soll er stadtauswärts einen begleitenden Radweg nutzen. Der befindet sich aber in denkbar schlechtem Zustand, wie Hinsch zeigt. Abschnitte mit Kopfsteinpflaster, geflickte Holperstreifen und eine für Fahrzeuge sehr unübersichtliche Tankstellenausfahrt lassen das Radeln nicht gerade zum Genuss werden. „Man muss dauernd Schlaglöchern ausweichen und riskiert an der Ausfahrt Zusammenstöße“, kritisiert der Radexperte. Dabei wäre es in seinen Augen sehr einfach, Abhilfe zu schaffen. Er schlägt vor, den Radweg zu entfernen und statt dessen die Fahrbahn ohne Bordsteinkante durchgehend nach dem Muster des „Shared Space“ zu gestalten. Das biete allen Verkehrsteilnehmern mehr Raum auf der Industriestraße und entschärfe auch die Tankstellenausfahrt.

Hinsch plädiert ohnehin eher dafür Schutzstreifen anzulegen da wo genug Platz vorhanden ist, als separate Radwege. „Das hätte den Vorteil, dass von Straßensanierungen auch die Radler profitieren.

Jetzt ist es so, dass die begleitenden Radwege gar nicht mit erneuert werden“, kritisiert er.

Schade findet der Oldesloer, dass viele gute Ideen von Studenten der FH Lübeck offenbar im Sande verlaufen. Sie hatten im Sommer 2017 Vorschläge unterbreitet, wie das innerstädtische Radnetz verbessert werden könnte.

 Von Dorothea von Dahlen