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Stormarn Vinzier: Hightech in der Kieskuhle
Lokales Stormarn Vinzier: Hightech in der Kieskuhle
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21:10 07.06.2018
Planier-Raupe und Drohne folgen einem genauen Plan, der im PC vorgegeben ist. Quelle: Fotos: B. Albrod
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Vinzier

50 Jahre lang hat die Natur in Vinzier den Baggern gehört. Gleich hinter dem Ortsausgang haben sie Kies abgebaut, und später stand dort ein Asphaltwerk. Das hat die einstigen Felder in eine gewaltige Industriebrache verwandelt. Doch jetzt kommen die Felder zurück: Das Bauunternehmen Eggers renaturiert die Fläche im Landschaftsschutzgebiet und bereitet sie vor für die Nutzung als Pferdekoppel.

In Vinzier bei Travenbrück wird eine ehemalige Kiesgrube der Natur zurückgegeben. Mit großem technischem und planerischem Aufwand wird Erdreich aufgefüllt und so eine Pferdekoppel geschaffen. Kreis und Behörden begleiten den aufwändigen Prozess zurück zur Natur.

Dafür ist es nötig, gewaltige Mengen an Erdreich aufzuschütten, um die Grube wieder zu schließen. Der Boden dafür wird von vielen verschiedenen Baustellen herangefahren. „Wir kitten umsonst“, erklärt Projektleiter Bernd Leder, der 45 Jahre Erfahrung mitbringt. „Für die Entsorgung der Böden müssten wir zahlen. Dadurch, dass wir die Böden zum Füllen in Vinzier verwenden, ist es ein Kompensationsgeschäft. Verarbeitet werden nur unbelastete Böden der Kategorie Z 0.“ Das klingt einfach, wird aber von den zuständigen Behörden begleitet und verlangt eine Menge Planung.

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Dazu gehören Artenschutzmaßnahmen für Amphibien, die nun wieder in einem Biotop planschen können. Der Kreis Stormarn begleitet die Renaturierungsmaßnahmen mit der Unteren Bodenschutzbehörde, und zuvor wurde untersucht, ob es durch das Aufschütten Beeinträchtigungen für Fledermäuse geben könnte. „Der Boden, der hier abgeliefert wird, wird vorher per Bodenanalyse untersucht, um sicherzugehen, dass er unbelastet ist“, so Leder weiter. Auch später werde stichprobenartig weiter untersucht. Das wiederum verlangt ein detailliertes Bodenmanagement.

„Die Böden, die wir hier ausbringen, werden nach einem Raster verteilt“, erläutert Henrik Holst, Leiter des Vermessungsteams. Dafür wird per Computer ein Raster festgelegt, das das Erdreich geplant nach Koordinaten verteilt. „Der Plan ist im Computer der Planierraupe eingespeist, so dass er per GPS punktgenau umgesetzt wird.“ Das erlaubt es, jederzeit nachverfolgen zu können, welches Planquadrat mit welchem Boden gefüllt ist. „Wir bekommen so einen genauen Herkunftsnachweis des Erdreichs“, erklärt Holst. Überwacht wird die Ausführung per Drohnenbefliegung und Betriebstagebuch.

Leise sirrend steigt die Drohne mit der Kamera vom Landeplatz auf. Acht Rotoren heben sie in die Luft, und eine spezielle Vorrichtung sorgt dafür, dass die Kamera ihre Stellung nicht verändert, egal, wie sehr die Drohne schwankt. Vermesser Daniel Krieger lenkt das Fluggerät über die Fläche und macht rund 100 Bilder, die eine Darstellung des Geländes in 3-D-Technik ermöglichen. „Mit einer Drohne kann man auch Höhen vermessen“, erklärt er. „Bei einem so großen Gelände bedeutet eine Drohne viel Zeitersparnis.“ Gemessen wird vor allem, ob die Verfüllungsmaße eingehalten werden. Zudem lässt sich dann genau berechnen, wie viele Lkw-Fuhren angefahren werden müssen. „Wenn man an einem Steilhang Messungen machen muss, ist eine Messdrohne viel weniger riskant, als wenn Menschen das machen müssten“, sagt Krieger.

Neben der Planierraupe kriechen schon echte Raupen – hier wurden Lupinen, Ölrettich, Sonnenblumen und eine Bienenblütenwiese ausgesät. Dann läuft ein Hase von der Brache in die frische Wiese – zurück zur Natur.

 Von Bettina Albrod

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