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Stormarn Vom Überleben der Trittauer Glasbilder
Lokales Stormarn Vom Überleben der Trittauer Glasbilder
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20:23 20.12.2013
Die bunten Fenster im Gemeindesaal der Trittauer Kirche erinnern an den Vaterländischen Frauenverein. Quelle: Fotos: Bergemann/Albrod
Trittau

Das Zeichen des Deutschen Roten Kreuzes steht für den Einsatz von zivilen Helfern, die sich seit der Schlacht von Solferino 1859 um verletzte Soldaten und andere Hilfsbedürftige kümmern. Im „Vaterländischen Frauenverein“ fanden sich 1866 zusätzlich viele örtliche Frauengruppen unter dem Dach des DRK zusammen, um auch in Friedenszeiten Bedürftigen zu helfen.

Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, schalteten sie das DRK gleich und lösten alle Wohlfahrtseinrichtungen auf.

Auch in Trittau gab es damals einen „Vaterländischen Frauenverein“, der von der Frau des Sanitätsrats, Marie Herkt, geleitet wurde. An sie erinnert bis heute ein buntes Glasfenster im Gemeindesaal der Trittauer Kirche, das Pfarrer Gustav Böhmke 1935 ihr zu Ehren hat einbauen lassen. „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“, steht da unter dem Roten Kreuz.

„Dürftige kleiden“, „Hungernde speisen“, „Kinder hegen“ und „Kranke pflegen“ sind vier weitere Buntglasfenster beschriftet.

„Gustav Böhmke war von 1930 bis 1939 Pfarrer in Trittau“, erklärt Asmus Bergemann. Der Hobbyhistoriker hat sich mit der Geschichte der Glasfenster befasst und kennt die Geschichte Böhmkes, der einen Teil seiner Erinnerungen für die Trittauer Chronik aufgeschrieben hat. „Böhmke kam 1930 nach Trittau und war ein Gegner der Nazis“, hat Bergemann in Erfahrung gebracht. „Damit hatte er es in Trittau schwer, denn hier hatten die Nationalsozialisten viele Anhänger.“ Das DRK-Glasfenster im Trittauer Gemeindesaal wurde zum Zankapfel zwischen braunen Überzeugten und Gemeindepfarrer Böhmke.

„Die Nationalsozialisten wollten das DRK-Fenster weg haben“, so Bergemann weiter. Ob ihnen der christliche Spruch oder das Zeichen an sich ein Dorn im Auge war, ist nicht überliefert. Der Gemeindesaal war 1933 gebaut worden, nachdem das bisherige Pastorat an die politische Gemeinde verkauft worden war. Die zog dort mit dem Rathaus ein und machte aus der alten Scheune das Horst-Wessel-Haus für die Partei und die Jugend. „In dem Garten fanden u.a. eine Segelfliegerhalle und ein Uebungsplatz Raum“, schreibt Böhmke. Aus dem Verkaufserlös wurde neben der Kirche der Gemeindesaal gebaut, für den Böhmke die bunten Fenster bei Christel Kuball in Hamburg in Auftrag gab. „Von den Trittauer Stellen aus nur gegen Widerstände und Gehässigkeiten“, heißt es bei Böhmke.

Trotzdem setzte er sein gläsernes Bilderbuch durch.

Denn Böhmke ließ sich von der Gefahr nicht beirren. Die gewählten Kirchenvertreter waren nicht mehr gewählt, sondern laut Böhmke eine Kirchenvertretung, „die ein ganz anderes Gesicht zeigte, als die bisherige, und war ganz ohne meinen Einfluss zusammenbefohlen worden.“ Die Deutschen Christen waren am Ruder und waren deutsch, aber keine Christen. Als ein überzeugter Nazi aus Trittau starb, ließ

ihn der neue Kirchenvorstand mit einer führertreuen Grabrede auf dem Trittauer Friedhof beisetzen. Auch sollte dort eine Fläche für 60 deutsche Heldengräber abgetrennt werden. „Böhmke hat eine Gegenpredigt gehalten, dass man nicht Menschen nachlaufen, sondern der ewigen Wahrheit dienen solle“, erzählt Bergemann.

Als der Kirchenvorstand forderte, dass das Rot-Kreuz-Fenster entfernt werden müsse, wandte Böhmke sich an den Probst, der die Frage an die Kirchenleitung nach Kiel verwies. „Die Verzögerungstaktik ging auf“, sagt Bergemann. „Als 1939 der Krieg ausbrach, hat der Vorstand das Fenster vergessen.“ Deshalb hat es überlebt. Böhmke hat Trittau 1939 verlassen und wurde Pfarrer in Klein Wesenberg. Für 2015 hat Bergemann eine Veröffentlichung zu den Glasfenstern geplant: Dann wird der Gemeindesaal 80 Jahre alt.

Vier Generationen
Neben dem DRK-Fenster gibt es im Gemeindesaal auch bunte Glasbilder zu Pastor Böhmke und seiner Frau, zu den vier Generationen von Kirchendienern, die alle aus der Familie Harten stammten, zum Altarbauer Pastor Jessen, zu Architekt Schnittger sowie Bilder, die das Handwerk in Trittau oder die Konfirmandenarbeit würdigen.

Bettina Albrod

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