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Stormarn Vormundschaftsverein will Ehrenamtler ausbilden
Lokales Stormarn Vormundschaftsverein will Ehrenamtler ausbilden
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11:34 08.11.2015
Arno Hinrichs, Berufsvormund und Anke Gesa Perthes, Vorstandsfrau vom Vormundschaftsverein Lebenslinien. Quelle: K. Kuhlmann-Schultz
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Todendorf

Der Verein Lebenslinien in Todendorf ist in Not: Wurden vom Vormundschaftsverein bisher in erster Linie Kinder und Jugendliche aus Deutschland betreut, so kommen jetzt immer mehr unbegleitete junge Flüchtlinge dazu. Das Problem ist, es stehen nicht ausreichend Vormünder zur Verfügung, die sich um die Mädchen und Jungen kümmern können. Gesucht werden jetzt Ehrenamtler, die bereit sind, sich einzubringen und den Berufsvormündern unter die Arme zu greifen. Um diese zu gewinnen und zu begleiten hat Anke Perthes, Vorsitzende des Vormundschaftsvereins, einen Antrag auf Finanzierung einer Viertelstelle beim Kreis Stormarn gestellt. 18300 Euro pro anno sollen dazu beitragen, die Ehrenamtler auszubilden.

Der Antrag wird morgen im Jugendhilfeausschuss diskutiert. Perthes hofft auf Zustimmung. „Vor fünf Jahren habe ich einen unbegleiteten Flüchtling als Vormund betreut“, erklärt die Juristin. Heute sieht das ganz anders aus. „Die Zahlen sind explodiert.“ Allein im August hätte es 117 junge Flüchtlinge im Kreis Stormarn gegeben, die einen Vormund brauchten. Diese Menschen vertreten die Interessen der Kinder und Jugendlichen, ihrer Mündel. Entweder als Berufsvormund, wie der ehemalige Schulleiter Arno Hinrichs oder als ehrenamtlicher Vormund. „Die Ehrenamtler sind ein Baustein, ein besonders wertvoller“, so Perthes.

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 Sie sollen den minderjährigen Jugendlichen helfen, in Deutschland Fuß zu fassen. Das ist nicht nur damit getan, ihnen zu erklären, wie ein Bankautomat funktioniert oder die Mülltrennung. Vielmehr übernimmt ein Vormund die persönliche und rechtliche Vertretung seines Mündels. Aufgaben, die normalerweise Mutter und Vater wahrnehmen. Das reicht von der Aufenthaltsbestimmung über die Gesundheitsfürsorge, die Verantwortung für schulische Belange bis hin zur Unterstützung und Vertretung in rechtlichen Belangen. „Es ist besonders anfangs ein hoher Zeitaufwand. Ein Vormund darf sich auch nicht scheuen, sich mit Behörden auseinanderzusetzen“, erklärt die Vereinsvorsitzende. Und er muss in der Lage sein auch Distanz zu wahren — bei aller Problematik, die die Jugendlichen mitbringen. Wichtig sei auch, „die Minderjährigen sind nicht ihre Söhne oder Töchter. Das sind Menschen mit einem eigenen Werdegang, einer eigenen Biografie. Ein Vormund muss in der Lage sein, sich auf andere Kulturen einzulassen.“ Psychische Stärke ist gefragt, Einfühlungsvermögen sowie „eine Menge Herzblut. Man muss sich vor die Kinder stellen“, sagt Perthes.

Das macht auch Berufsvormund Arno Hinrichs so. Aber „eine Distanz muss sein, sonst wird man mit den Einzelschicksalen gar nicht fertig“. Er betreut unter anderem ein Mädchen aus Afrika. Mit 15 Jahren kam sein Mündel „auf abenteuerlichen Wegen über Lampedusa hierher. Sie hat viel durchgemacht, war hochschwanger, völlig verzweifelt“.

Es hat lange gedauert, bis die junge Mutter Vertrauen zu Hinrichs fassen konnte. „Man darf da nicht naiv rangehen. Es war und ist nach wie vor eine sehr intensive Zeit.“ Auch weil der bürokratische Aufwand groß ist. Es ist der Idealismus der ihn trägt und die Tatsache, dass „ich immer wieder neue Erfahrungen sammeln kann.

Für mich passt es“. Für andere ja vielleicht auch, die sich als ehrenamtlicher Vormund engagieren möchten.

Die Vormundschaft
Ein Vormund ist eine Person, die als gesetzlicher Vertreter für eine minderjährige Person agiert. Wie beispielsweise bei unbegleiteten Flüchtlingen. Das Amtsgericht bestimmt die Vormundschaft. Für den Todendorfer Verein Lebenslinien sind vier Berufsvormünder aktiv. Ehrenamtliche sollen hinzukommen, wenn es Zuschüsse vom Kreis gibt.
• Infos unter www. lebenslinien-sh.de

K. Kuhlmann—schultz