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Stormarn Waldfriedhof für Klein Wesenberg?
Lokales Stormarn Waldfriedhof für Klein Wesenberg?
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10:00 17.03.2019
Pastor Erhard Graf im Wald der Herzogin von Oldenburg: Hier zeigt er auf das Areal, wo der Waldfriedhof Klein Wesenberg/Trenthorst entstehen soll. Quelle: Britta Matzen
Klein Wesenberg

Zurück zur Natur. So lautet der Trend bei Bestattungen. Deutschlandweit entstehen immer mehr Waldfriedhöfe. Auch in Klein Wesenberg könnte demnächst ein Beerdigungsplatz mitten im Wald entstehen.

Caroline Herzogin von Oldenburg mit Klein Wesenbergs Bürgermeister Herbert David. Die Herzogin stellte dem Bauausschuss das Projekt Waldfriedhof vor. Quelle: Britta Matzen

Die Herzoglich Oldenburgische Verwaltung, vertreten durch Caroline Herzogin von Oldenburg, ist mit dem Projekt „Errichtung eines Waldfriedhofes“ an die Gemeinde herangetreten. Dem Bauausschuss stellte die Herzogin jetzt ihr Projekt vor. „Waldfriedhof Klein Wesenberg/Trenthorst“ soll der Begräbniswald heißen, der vor den Toren Klein Wesenbergs in Heidberg gelegen ist.

Alternative zur regulären Beisetzung

Waldfriedhof, warum macht man das überhaupt? Immer mehr Menschen suchen nach einer Alternative zur regulären Bestattung auf einem Friedhof“, erläuterte Herzogin von Oldenburg. Dafür gebe es viele Gründe. „Einer der Gründe ist leider, dass die Menschen weniger christlich eingestellt sind und daher nicht auf einen kirchlichen Friedhof möchten. Der andere Grund, und das ist ein wunderschöner, ist, dass die Leute heute immer mehr naturverbunden sind und deshalb in natürlicher Umgebung begraben werden möchten.“ Ein Grab auf dem Friedhof sei vielen zudem zu aufwendig und zu teuer. „Oft sind Angehörige auch so weit weg, dass sie gar nicht mehr die Möglichkeit haben, die Grabstelle zu pflegen.“

Waldfriedhof als Wirtschaftsmodell

Neben der Seebestattung sei der Waldfriedhof inzwischen eine beliebte Möglichkeit für die letzte Ruhe. „Ich glaube, dass man sich nicht dagegen sperren kann, Menschen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit entgegenzukommen und sie ihren Wünschen entsprechend zu beerdigen. Wir können dazu einen Wald liefern, auf den wir sehr stolz sind“, so die Herzogin.

Die Herzoglich Oldenburgische Verwaltung hatte den Wald vor Jahren von der Familie Reemtsma gekauft. Den Waldfriedhof sieht die Herzogin als ergänzendes Wirtschaftsmodell. Angesichts des Klimawandels werde es für Waldbauern immer schwieriger, Geld zu verdienen. „Wir haben in den letzten Jahren das Eschensterben gehabt, die Ulme ist eingegangen, im Süden Deutschlands ist die Eiche schon von Krankheit befallen. Deshalb haben wir uns nach einer Alternative umgesehen, um mit dem Verdienst weiter unseren Wald pflegen zu können.“

Vielfältige Auswahl an Urnenplätzen

Wie muss man sich den Waldfriedhof vorstellen? „Wir wollen zweimal im Monat einen Waldspaziergang für Interessierte anbieten. Für dringende Fälle werden individuelle Führungen angeboten.“ An Bäumen soll es eine vielfältige Auswahl geben: Zum einen sind Gemeinschaftsbäume geplant. „Um einen Gemeinschaftsbaum würde es zwölf Urnen geben, derjenige kauft einen einzelnen Urnenplatz.“ Daneben soll es einen sogenannten Freundschafts- oder Familienbaum geben. „Da kauft man den gesamten Baum.“ Außerdem sind Partnerbäume mit zwei Grabstellen geplant und Försterbäume, wo die Interessenten nur anriefen und die Eigentümer die Bäume aussuchten.

Andachtsplatz mit Pavillon

Vorausgesetzt, dass das Vorhaben Waldfriedhof Klein Wesenberg/Trenthorst verwirklicht werden darf, wollen die Besitzer zunächst 3,5 Hektar für den Bestattungswald zur Verfügung stellen. „Wenn 80 Prozent belegt sind, gehen wir in den nächsten Bereich.“ Insgesamt umfasst das vorgesehene Areal 64 Hektar. Bevor die erste Bestattung stattfinden kann, müssen die von Oldenburgs investieren. So muss ein Parkplatz mit rund 15 Stellplätzen errichtet werden. Daneben ist ein Andachtsplatz vorgesehen, der für Behinderte erreichbar sein muss. Bänke aus Holz, eventuell ein Pavillon mit Überdachung und ein Holzkreuz sollen dort aufgestellt werden.

Impulse für die Gemeinde

Wie die Herzogin betonte, bringe der Waldfriedhof auch für die Gemeinde positive Impulse. „Es werden sich dort nicht nur Gemeindemitglieder beerdigen lassen, sondern die Menschen kommen von weit über die Grenzen hinaus. Aus Hamburg, aus ganz Schleswig-Holstein. Die Umgebung profitiert davon. Das muss man ganz klar sagen. Beerdigungen finden statt, indem man ein Restaurant oder eine Gaststätte mietet. Das bringt Leben in die Gemeinde. Wir möchten auch mit Beerdigungsinstituten aus der Umgebung zusammenarbeiten.“ Wenn es gut laufe, würden auch Arbeitsplätze in der Region durch das Projekt entstehen. Auch sonst sei es Reklame für die Gemeinde. „Klein Wesenberg kann damit werben, dass sie fortschrittlich denkt und allen Menschen die Möglichkeit gibt, sich auf diese Art beerdigen zu lassen. Das darf man nicht unterschätzen, das ist ein absoluter Pluspunkt, wenn eine Gemeinde das anbieten kann.“

Prüfung des Vorhabens

Die Mitglieder des Bauausschusses waren von der Idee des Begräbniswaldes angetan. Auch wenn die Herzoglich Oldenburgische Verwaltung Eigentümer des Waldes ist, für einen Waldfriedhof wird eine öffentliche Trägerschaft benötigt. Das ist in diesem Fall Klein Wesenberg.

Auf dem Friedhof in Klein Wesenberg ist noch viel Platz. 1400 Gräber können hier noch untergebracht werden. Quelle: Britta Matzen

„Doch da ist noch eine ganze Menge zu tun“, sagte Bauausschussvorsitzender Ernst Weise-Pnischak (FW Klein Wesenberg) und führte die Planungsschritte auf: Prüfung der Vereinbarkeit des Vorhabens mit dem Landschaftsrahmenplan, der hier eine Waldfläche ausweist, Entlastung aus dem Landschaftsschutzgebiet, Prüfung der Verträglichkeit mit dem FFH-Gebiet Travetal, planerische Umwandlung der Fläche von Wald in Friedhof. „Das wird noch Zeit und Raum in Anspruch nehmen“, so Weise-Pnischak. Er stelle sich die Frage, ob man nicht im Vorfeld eine Art Machbarkeitsprüfung anstelle, inwieweit die Umsetzung des Projekts überhaupt realistisch sei.

Herzoglich Oldenburgische Verwaltung trägt Kosten

Roald Wramp, Abteilungsleiter der Kämmerei im Amt Nordstormarn und Berater der Gemeinde, empfahl, bei der Landesplanung anzufragen, um rechtliche Fragen zu klären und für beide Seiten Sicherheiten zu schaffen. „Macht es Sinn, seitens der Gemeinde ein Planverfahren zu starten. Und macht es für die Herzogin Sinn, das Projekt weiterzuverfolgen. Das erfahren wir dann schon mal.“ Aus Verwaltungssicht wäre das der nächste Schritt. „Auf jeden Fall ist es so: Alle Kosten, die entstehen, werden von uns getragen“, so Caroline Herzogin von Oldenburg.

Gemeinde unterstützt den Waldfriedhof

Der Beschluss lautete: „Der Finanz-, Bau- und Umweltausschuss empfiehlt dem Gemeinderat folgendes zu beschließen: 1. Klein Wesenberg unterstützt das Projekt Waldfriedhof. 2. Das Amt Nordstormarn wird gebeten, einen planerischen Vorantrag zu stellen, um mehr Information über die Machbarkeit des Projektes zu bekommen.

Britta Matzen

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