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Stormarn Reinfeld hat ein Trinkwasserproblem
Lokales Stormarn Reinfeld hat ein Trinkwasserproblem
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06:00 30.09.2019
Jörg Albrecht mit dem elektrischen Sorgenkind: Ersatzteile für den Schalterschrank sind nicht mehr zu bekommen. Wenn eine der Sicherungen durchknallt, bleibt die Pumpe stehen und springt nicht mehr an. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

Stellen Sie sich vor: Sie stehen unter der Dusche, drehen den Hahn auf, aber das Nass sprudelt nicht, sondern tröpfelt nur noch. Dieses Szenario könnte in Reinfeld und Umgebung Wirklichkeit werden. Das Trinkwasser reicht nicht aus, um alle 16 000 Kunden des Versorgungsgebietes der Stadtwerke Reinfeld einschließlich des Wasserbeschaffungsverbandes Reinfeld-Land in heißen Monaten optimal zu versorgen. Das Problem ist nicht das fehlende Grundwasser, sondern technischer Natur.

Wasserwerk Barnitz ist an Leistungsgrenze

Das Wasserwerk Barnitz, das die Stadt Reinfeld und Dörfer zwischen Zarpen und Westerau mit Trinkwasser versorgt, ist an seine Leistungsgrenze gekommen. Wasseraufbereitung, Wasserspeicherung, Wasserverteilung und Steuerungselemente sind nur noch kaum oder auch gar nicht mehr ausreichend. „Der Bezug nimmt zu, vor allem in trockenen Jahren“, sagt Bürgermeister Heiko Gerstmann, der auch technischer Werkleiter der Stadtwerke ist. „2018 haben wir 880 000 Kubikmeter Wasser aus den Brunnen gefördert“, ergänzt Jörg Albrecht, Fachbereichsleiter Wasserwerk. Vor sechs Jahren seien es noch 730 000 Kubikmeter gewesen. Der Wasserverbrauch steige kontinuierlich. „In Zarpen entsteht ein Neubaugebiet, da kommen noch mal 140 Einwohner dazu. In Heidekamp und anderen Dörfern wird auch gebaut. Das bedeutet: Wir brauchen immer mehr Wasser, obwohl der Verbrauch in den einzelnen Haushalten durch sparsamere Duschköpfe und WC-Spülungen in den vergangenen Jahren abgenommen hat. Auch die Waschanlagen in den Gewerbegebieten treiben den Verbrauch nach oben“, so Albrecht. Daneben spiele der Klimawandel eine Rolle.

1961 floss das erste Mal Wasser durch die Leitungen von Barnitz nach Reinfeld. Heute ist das Wasserwerk in Barnitz in die Jahre gekommen und muss modernisiert werden.

Das Wasserwerk Barnitz verfügt über drei sogenannte Schnellfilter, in denen das Wasser aufbereitet wird, nachdem es aus den Brunnen kommt. Albrecht: „Das Problem ist: Ein Filter kann in der Stunde maximal 75 Kubikmeter reinigen. Mit den drei Filtern kriegen wir vielleicht 230 Kubikmeter Wasser in der Stunde hin. Aber wenn das im Sommer aber sehr heiß ist, ist die Wasserabnahme nicht auf 24 Stunden verteilt, sondern vielleicht auf zehn. Dann müssen wir 300 oder 350 Kubikmeter Wasser in der Stunde aufbereiten, das schaffen die Filter gar nicht.“ Für das Wasserwerk Barnitz müsse deshalb dringend ein neuer Filter her. „Wenn wir mehr aufbereiten, brauchen wir auch zusätzlichen Speicher.“ Laut Regelwerk der deutschen Wasserversorgung (DVGW) muss der maximale Durchfluss (Qmax) eines Tages im Speicher vorgehalten werden. „Das können wir nicht ansatzweise“, informiert Heiko Gerstmann. Gerade einmal 600 Kubikmeter könnten sie mit dem vorhandenen Reinwasserbehälter speichern. Die Spitzentagesabgabe liege aber bei 4000 Kubikmeter Trinkwasser.

An heißen Tagen ist das Wasser knapp

An heißen Tagen bangt die Belegschaft des Wasserwerks jedes Mal. „Jeder, der hier Bereitschaft macht, sitzt auf heißen Kohlen. Es gibt Tage, da ist das Wasser richtig knapp.“ Wie äußert sich das? „Der Druck geht runter, und es kommt nur noch ein Rinnsal aus dem Wasserhahn. Wenn zum Beispiel alle gleichzeitig den Garten sprengen oder in der Fußballpause alle auf einmal auf die Toilette gehen“, weiß Werkleiter Gerstmann. Somit sei der Bau eines zusätzlichen Reinwasserbehälters unumgänglich.

Auch die Elektrotechnik macht den Wasserwerk-Verantwortlichen Sorgen. Zum einen entspricht die Leistung des Notstromerzeugers von 300 KW nicht den heutigen Anforderungen. Der Notstromerzeuger muss das Dreifache der tatsächlichen Belastungsgrenze schaffen. Der aktuelle Spitzenabgriff liegt bei 240 KW/h. Also muss in naher Zukunft ein externer Notstromerzeuger her, der mindestens 720 KW pro Stunde schafft.

Was Jörg Albrecht noch mehr beunruhigt: Für die Lastteile der Förderbrunnen gibt es keine Austauschteile mehr. Aus den 1960er Jahren stammt der große, alte AEG-Schaltschrank, der die Steuerung der Pumpe ist. Wenn bei den Förderbrunnen früher eine der Sicherungen durchknallte, wurde einfach eine der Schalterschubladen ausgetauscht. „Wenn jetzt was kaputt geht, kann ich den ganzen Brunnen nicht mehr fahren. Die Pumpe kriegt man auch nie wieder gestartet. Wollen wir mal hoffen, dass alles heil bleibt“, sagt Albrecht. Sonst sieht es wohl schlecht aus mit der Versorgungssicherheit der Reinfelder und Nordstormarner. Zumindest, bis eine neue Einspeisung kommt.

Bereits im September 2018 wurde im Finanzausschuss die Überlastung des Wasserwerks vorgetragen. Ein Neubau der Barnitzer Anlage war angedacht. Grober Kostenpunkt: mehr als fünf Millionen Euro. Eine Bauvoranfrage beim Kreis ergab: Das Vorhaben wurde als nicht planungsrechtlich abgelehnt. Begründung: Es sei nicht möglich, einen Neubau am jetzigen Standort zu planen, da dafür ein Waldstück gerodet werden müsse.

Eine Alternative war gefragt, die Gerstmann und Albrecht jetzt im Finanzausschuss präsentierten. Ihr Konzept: ein Mix aus Instandhaltung, Instandsetzung und teilweisem Neubau. Die Sanierung soll in mehreren Stufen erfolgen. „Erst mal brauchen wir einen neuen Filter. Das dauert mit Planung und Aufbau ein Jahr. Die nächsten Schritte wären Elektrik und ein neuer Reinwasserbehälter.

Trinkwasser wird teurer

Das Sanierungsprogramm wird kostenmäßig nicht günstiger als ein Neubau. „Aber man kann es über mehrere Jahre strecken. Außerdem sind Förderzuschüsse bei einer Modernisierung denkbar. Vor allem wenn wir energieeffizienter werden“, so Gerstmann. Noch sei man ganz am Anfang der Planung. „Der nächste Schritt: Wir müssen mit einem Ingenieurbüro die Planung und ein Gesamtkonzept entwickeln und dieses mit dem Kreis und allen Beteiligten abstimmen. Dann müssen wir das stufenweise realisieren. Und natürlich müssen wir gucken, wie sich das auf die Gebühren auswirkt, damit die nicht ins Unendliche steigen“, so der Bürgermeister und Werkleiter. Nichtsdestotrotz: Das kostbare Nass werde künftig teurer.

Von Britta Matzen

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