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Stormarn Weihnachten auf hoher See
Lokales Stormarn Weihnachten auf hoher See
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08:25 25.12.2018
Die angehende Schiffsmechanikerin Helena Dietrich in der Werkstatt. Quelle: PRIVAT
Bad Oldesloe

Weihnachten fällt selbst auf hoher See nicht ins Wasser. Plastiktannen mit Lichterketten, Kekse backen und ein Krippenspiel stehen an Bord der Chicago Express auf dem Programm. Mit dem Containerschiff ist die angehende Schiffsmechanikerin Helena Dietrich aus Bad Oldesloe ausgerechnet um die Weihnachtszeit herum fernab der Heimat unterwegs. Ihr Containerschiff nimmt gerade Kurs auf Asien.

So richtige Weihnachtsstimmung sei zwar bisher an Bord noch nicht aufgekommen, berichtet sie. Aber es könnte bald noch dazu kommen. „Wir haben sechs Plastikweihnachtsbäume aufgestellt und geschmückt, vor allem der philippinische Teil der Besatzung, also die Hälfte, steht auf bunt glitzernd leuchtende Lichterketten“, schreibt die 21-Jährige. Auch Weihnachtssterne wurden schon an Bord gebastelt. Zudem gab es am Wochenende eine Back-Aktion, bei der Zimtschnecken und Kekse entstanden seien. Den „Neuen“ an Bord steht noch eine besondere Weihnachtsaufgabe bevor. Helena: „Wir als Azubis müssen für die restliche Besatzung ein Krippenspiel aufführen, das ist Tradition bei Hapag Lloyd.“

Für die Oldesloerin ist es die erste große Schifffahrt. Helena: „Eigentlich war ja geplant, dass wir über Singapur die chinesische Küste hochfahren und dann wieder zurück. Jetzt gab es aber DIE neue Nachricht: Die Chicago Express wechselt den Dienst! Wir fahren jetzt nicht mehr zurück, sondern über Kaohsiung (Taiwan) noch einmal die chinesische Küste hoch, um dann über den Pazifik Richtung Amerika abzubiegen.“

Helena Dietrich aus Bad Oldesloe feiert Weihnachten auf einem Containerschiff.

Bereits nach ihrer ersten Woche auf See hatte die junge Oldesloerin das Gefühl, dass sie sich jetzt so langsam dort zurechtfindet. „Eine Woche erst ... irgendwie hab ich das Gefühl, gestern erst angekommen zu sein, aber schon ewig hier auf dem Schiff zu leben ... echt merkwürdig!“, schreibt sie vom Bordcomputer. Schon am ersten Tag hätten die Azubis auf dem Ausbildungsschiff mit anpacken müssen: Equipment fürs Schiff, wie Matratzen zum Beispiel, musste verstaut werden.

Im Hafen von Genua seien zwei Paletten mit Wasser angekommen. Die Oldesloerin hat festgestellt: „Diese neun Kilo pro Pack, und dann auch noch doppelt, weil in jede Hand eins genommen wird, sind echt schwer. Aber es macht Spaß, denn wir arbeiten alle zusammen daran, bilden Ketten. Und wenn man dann weiß: Man hält gerade zehn Kilo Schokolade in den Armen, geht das Ganze auch noch mal besser.“ Nach einigen Häfen wie Tanger und Damietta habe die gesamte Besatzung das komplette Schiff auf Drogen, Bomben oder Flüchtlinge durchsuchen müssen – auch die Azubis.

In der Werkstatt wird gefeilt und gesägt

Helena weiter: „Ich bin jetzt für die nächsten zwei Wochen in der Werkstattgruppe. Da wir sehr viele sind, zwölf Azubis, wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt.“ Der Metalllehrgang dauere insgesamt sieben Wochen. Vier Wochen davon werde bereits an Bord gelernt, richtig Metall zu feilen, sägen, meißeln oder bohren. „Dann werde ich mit auf Wache gehen oder in der Maschine arbeiten. Nach zwei Wochen geht’s wieder zurück in die Werkstatt, und dann wieder auf Wache. Es ist also alles genau durchgeplant hier, schreibt die 21-Jährige.“ Dennoch bleibe Zeit für die Fitnessräume an Bord.

Die Oldesloerin: „Einmal war ich auch schon auf der Brücke, da wurde uns alles gezeigt, und wir durften das Schiff steuern. Das Schiff bewegt sich ganz anders, als ein Auto es tun würde, na klar, hat ja auch deutlich mehr Gewicht und Länge.“ Helena: „Aber die drei Minuten, die ich da am Steuer stand, haben schon soo viel Spaß gemacht! Es war ein ziemlich beeindruckendes Gefühl, mit nur einer kleinen Handbewegung so viele Tonnen Stahl zu bewegen!“

Zwei Delfine spielten am Bug

Die Passage der Straße von Messina konnte die Oldesloerin ganz genau beobachten: „Wir sind also als Gruppe raus auf die vordere Manöverstation. Das war schon ziemlich interessant, vor allem die Lotsenübernahme. Normalerweise bremst ein Schiff für die Übernahme immer so auf sieben, acht Knoten ab, aber die Lotsen da sind bei vollen 15 Knoten an Bord gekommen. Dazu ist das Lotsenboot ganz dicht herangefahren, dann hat der Lotse einen großen Schritt gemacht und sich an der Lotsenleiter festgehalten, und schon war er drüben. Und wir waren echt schnell. Als wir dann wieder vorne waren, rief plötzlich einer: „Delfine!!!“ Und Tatsache: Da waren zwei Delfine, die vorne an unserem Bug spielten. Die haben sich mittragen lassen, haben sich um den Bugwulst vorne gedreht, sind aus dem Wasser gesprungen… wunderschön. Später kam noch eine richtige Schule, mit sieben Tieren, die dann vor dem Schiff herumspielten.“

Nach dem Ursprungs-Plan sollte die Chicago Express zu Weihnachten im Hafen von Singapur anlegen. Doch daraus wird nichts. Helena Dietrich: „Heiligabend werden wir mitten auf See sein.“ Bei 28 Grad käme allerdings die gewohnte Weihnachtsstimmung nicht so richtig auf. Doch die Planungen für das maritime Weihnachtsspiel laufen. „Unseren nächsten Hafen, Singapur, werden wir am 27. Dezember erreichen“, weiß die Oldesloerin, die somit zumindest Silvester wieder an Land verbringt.

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