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Stormarn Weniger Beteiligung bei Fridays for Future
Lokales Stormarn Weniger Beteiligung bei Fridays for Future
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17:23 24.05.2019
Rund 100 Schüler zogen am Freitag durch Bad Oldesloe. Quelle: Bettina Albrod
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Bad Oldesloe/Bargteheide

Früher war mehr Demo: Zwei Tage vor der Europawahl gingen weltweit wieder Schüler am Freitag im Rahmen von „Fridays for Future“ auf die Straße, um für besseren Klimaschutz zu demonstrieren. Auch in Bad Oldesloe und Bargteheide hatten die Organisatoren erneut zur Demo aufgerufen. Verglichen mit dem letzten Mal liefen in Bad Oldesloe mit knapp 100 Teilnehmern jedoch deutlich weniger Demonstranten mit als vorher. Auch in Bargteheide waren statt der erwarteten 350 Demonstranten nur rund 100 erschienen.Während der Umzug durch die Stadt in der Kreisstadt diesmal mit 11.45 Uhr wieder zur Schulzeit stattfand, hatten die Bargteheider den Start auf 13 Uhr gelegt.

Das Orga-Team von der Ida-Ehre-Schule. Quelle: Bettina Albrod

„Wir bekommen einfach mehr Aufmerksamkeit, wenn wir in der Schulzeit demonstrieren“, erläuterte Jessica Trost (18) vom Orga-Team der Ida-Ehre-Schule in Bad Oldesloe die Rückkehr zum Vormittag. Allerdings laufe an der Schule gerade eine Projektwoche, in die sie die Veranstaltung integrieren könnten. Die Resonanz auf ihre Demos sei bisher überwiegend positiv. „Selbst diejenigen, die wegen ihrer Stellung nicht mit demonstrieren dürfen, freuen sich, dass wir das machen.“ Die jungen Leute hatten kreative Schilder dabei, die mit Sprüchen wie „Oma, was ist Schnee?“ oder „Klima ist wie Bier – warm ist´s Scheiße“ für ihr Anliegen eintraten.

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Auch politisch engagiert

Für einige bleibt es nicht beim Demonstrieren, sie möchten Politik auch selber mitgestalten. „Ich bin schon seit einiger Zeit bei einer Partei engagiert, die unsere Forderungen auch umsetzen will“, erklärt Lara Richard (18). „Wir diskutieren viele Ideen und machen zusätzlich Sachen, die nicht unbedingt politisch sind.“ Auch ein anderes Mitglied des Orga-Teams engagiert sich in einer Partei.

Viele Schüler hatten in Bad Oldesloe Plakate dabei. Quelle: ba

Vor der Europawahl sollte nun mit der Demo noch einmal auf das Anliegen der Schüler aufmerksam gemacht werden, aber zum Start gab es erst mal Wahlkampf für die eigene Sache. „Wir gehen vor der Demo noch einmal in die Schule, um weitere Schüler zum Mitlaufen zu motivieren“, kündigte Jessica Trost an. Dennoch waren es nicht so viele Teilnehmer wie zuvor. Geplant war, bei einem Umzug durch die Stadt an den Beruflichen Schulen des Kreises Stormarn und an der Schule am Masurenweg weitere Schüler dazu zu holen. Allerdings ging diese Rechnung nicht auf: An der Berufsschule war niemand, der mitgehen wollte, und auch am Masurenweg stießen nur einige Schüler dazu.

Viel Lob aus der Bevölkerung

Mit Musik, Sprechchor und Gesang bewegte sich der Demonstrationszug unter Polizeibegleitung, die die Straßen absperrte, langsam zurück zum Markt. „Die sollen mal lieber in die Schule gehen“, meinte ein Passant, aber der Großteil der Bürger lobte die jungen Menschen für die Aktion. „Das ist eine prima Sache“, fand Reinhard Preiss, „wenn es die Erwachsenen nicht hinkriegen, schaffen es vielleicht die Jugendlichen.“ Auch Angelika Falk lobt das Engagement. „Ich finde es gut, dass Jugendliche für eine Sache auf die Straße gehen, für die sie einstehen, aber sie sollten es in den Unterricht einbinden.“

Claudia Scheele findet die Aktion „grundsätzlich gut“, fragt sich aber, ob alle die, die mitlaufen, wirklich überzeugte Klimaschützer sind. „Vom Ansatz her total klasse, aber es sind weniger geworden“, hat Angelika Kiesewetter beobachtet. „Die Demo macht nachdenklich und führt zu der Überlegung, was man alles verändern kann.“ Sie habe früher auch für Dinge demonstriert, die ihr wichtig waren.

Nils Bollenbach in Bargteheide. Quelle: Anna Krabbe/hrf

Auch weniger Beteiligung in Bargteheide

„Die Beteiligung war überraschend schlecht“, hat auch Nils Bollenbach festgestellt, der die Demo in Bargteheide organisiert hat. „Es sind nur 100 Leute gekommen, dabei wollten wir die 350 Leute vom letzten Mal noch toppen.“ Er habe schon gehört, dass das an anderen Orten auch so gewesen sei. „Wir hoffen sehr, dass es das jetzt nicht war“, so Bollenbach, „wir müssen es schaffen, die Leute wieder zu motivieren.“ In ihrem bundesweiten Forderungspapier verlangen die Demonstrierenden die Einhaltung des 1,5º-Ziels und konkret für Deutschland den Kohleausstieg bis 2030, eine 100-prozentige Versorgung durch erneuerbare Energie und das Erreichen von Nettonull bis 2035 sowie eine CO2 -Steuer.

Schüler in Stormarn gingen für das Klima auf die Straße.

In Bargteheide traf man sich dieses Mal auf dem Markt, weil es für ein Treffen vor dem Rathaus keine Genehmigung gegeben hatte. Eine neue Demo sei noch nicht geplant, sagt Bollenbach, dafür wolle man sich nun beim Stadtradeln einbringen, um den Klimaschutz voran zu bringen. „Es waren heute auffallend viele ältere Leute am Markt, und die haben uns gelobt, da war die Resonanz positiv.“

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