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Stormarn Wenn die Müllabfuhr nicht kommt
Lokales Stormarn Wenn die Müllabfuhr nicht kommt
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18:10 18.05.2018
In Bargteheide säumen ungeleerte Mülltonnen den Straßenrand in der Vogelsiedlung. Quelle: Fotos: B. Albrod
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Bargteheide

In der Vogelsiedlung in Bargteheide wächst der Unmut über Unregelmäßigkeiten bei der Müllentsorgung. Volle Mülltonnen säumen an manchen Tagen den Straßenrand am Meisenweg und am Starenweg oder stehen auf der Fahrbahn. Die Anlieger wissen nicht, wie sie ihren Abfall entsorgen sollen.

Die Mülltonnen in der Bargteheider Vogelsiedlung werden nicht regelmäßig geleert. Auch woanders bleiben die Tonnen stehen. Die AWSH gibt Personalmangel als Grund für den Engpass an. Der führt in Stormarn und dem Kreis Herzogtum Lauenburg zu Verzögerungen.

„Wir sind keine streitsüchtigen Menschen, aber genug ist genug“, erklärt Manfred Kindler, der wie weitere 80 bis 100 Anlieger betroffen ist. „Die Situation ist kein Einzelfall. Im letzter Zeit hat es zehn bis zwölf Pannen bei der Abfuhr gegeben.“

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54 Jahre sei die Siedlung alt, und bis vor zwei Jahren habe die Müllabfuhr einwandfrei funktioniert. „Damals fuhr der Müllwagen durch den Starenweg und den Meisenweg und leerte die Tonnen“, so Kindler. „Seit Oktober 2016 funktioniert das nicht mehr.“ Denn die Berufsgenossenschaft verbietet es, dass Müllfahrzeuge rückwärts fahren. Da es in den beiden Straßen keine Wendemöglichkeit gibt, können Müllfahrzeuge seitdem nicht mehr rückwärts in Meisen- und Starenweg fahren. Ein weiteres Problem sind parkende Autos am Straßenrand, die die Fahrbahn weiter verschmälern, so dass es für Müllfahrzeuge noch schwerer wird, die Häuser anzufahren.

Abhilfe sollte hier ein Parkverbot schaffen, das seit August 2016 für die Zeit der Müllabfuhr die Straßenränder frei hält. „Viele haben ihre Fahrzeuge trotzdem dort abgestellt“, berichten Kindler und Sieglinde Malo. „Wenn dort Autos parkten, ist der Müllwagen wieder weggefahren.“ Wenn die Müllabfuhr sich verzögerte und der Müllwagen außerhalb der Parkverbots-Zeit kam, standen wiederum parkende Autos im Weg.

Die Anlieger seien deshalb dazu übergegangen, in der Mündung von Meisen- und Amselweg einen Tonnensammelplatz einzurichten, zu dem viele ihre Mülltonnen am Tag der Leerung brächten. „Insbesondere für ältere und kranke Menschen ist das eine Belastung“, erklärt Thomas Bachmann. „Manche sagen auch aus Prinzip, dass sie für die Leerung der Tonnen zahlen und deshalb erwarten könnten, dass die Tonne vor dem Haus geleert wird.“

Pech hat auch der Anwohner an der Ecke, vor dessen Haus nun regelmäßig bis zu 20 volle Mülltonnen stehen. „Besonders schlimm war es, als jetzt bei der Wärme der Biomüll nicht abgeholt wurde“, so Kindler, „als der Müll statt Mittwoch erst am Freitag abgeholt wurde, lebten die Tonnen schon.“ Bei Papier und gelbem Sack funktioniere die Abfuhr, allerdings gebe es da wohl kleinere Fahrzeuge.

Mehrmaliges Nachfragen bei der zuständigen Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) habe keine befriedigenden Antworten gebracht. „Entweder läuft nur ein Band, oder wir bekommen Müllsäcke angeboten. Wir wollen aber, dass die Tonnen geleert werden.“ Anfangs sei sie noch hinter den Müllwagen hergelaufen, damit sie ihre Tonne leeren, so Sieglinde Malo. Das sei kein Zustand.

Bei der AWSH ist das Problem bekannt. „Ich kann die Unzufriedenheit verstehen, das ist ein Problem“, erklärt Olaf Stötefalke, Sprecher der AWSH. „Wir schicken den Kunden Müllsäcke zu, um schon mal das Volumenproblem zu lösen.“ Allerdings gebe es die Regel, die es Fahrern verbiete, rückwärts zu fahren. „Es hat immer wieder tödliche Unfälle deswegen gegeben“, so Stötefalke, „das ist zu gefährlich. Wenn ein Fahrer das macht, verliert er sofort seinen Job.“

Auch die Nichteinhaltung des Parkverbots führe dazu, dass die Müllleute ihre Arbeit nicht machen könnten. „Wenn trotz der Schilder Autos dort parken, ist das ein Problem.“ Aktuell komme es zu Verzögerungen bei der Müllentsorgung, die nicht nur Bargteheide, sondern viele Kommunen beträfen. „Grund ist die Personalsituation bei dem Unternehmen, das mit der Müllabfuhr beauftragt ist.“ Dadurch könnten Abfuhrtermine nicht eingehalten werden, dazu komme, dass an den Ausweichterminen das Parkverbot nicht mehr gelte.

„Wir sind im Moment einen Tag im Verzug.“ Grund sei auch, dass es im Mai drei Feiertage gebe, so dass kaum Tage für Sonderschichten frei blieben. „Wir werden aber ausnahmsweise auch am Sonnabend vor Pfingsten den Müll abfahren.“ In der Vogelsiedlung sei gerade der Biomüll über eine Sondertour abgefahren worden, mit einem Tag Verzögerung auch der Restabfall. „Das kann auch die nächsten Wochen noch vorkommen“, warnt Stötefalke. Der Personalmangel sei nicht ohne weiteres zu beheben. „Das Unternehmen versucht alles. Aber der Markt ist eng.“

 Von Bettina Albrod