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Stormarn Wer hat Kater „Rocky“ in den Kopf geschossen?
Lokales Stormarn Wer hat Kater „Rocky“ in den Kopf geschossen?
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09:33 16.06.2019
Frauchen Dunja Kneese leidet mit: Ihr Kater „Rocky“ wurde mit dem Luftgewehr angeschossen und verlor sein Auge. Quelle: Dorothea von Dahlen
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Bad Oldesloe

 Der Schreck sitzt tief. Dunja Kneese kann immer noch nicht richtig fassen, was sich da am Pfingstmontag ereignet hat. Wie jeden Morgen hatte sie die Waschküchentür zum Garten geöffnet, um ihren geliebten „Rocky“ an die frische Luft zu lassen. Der dreijährige Kater zählt nicht gerade zu den Draufgängern. Vorsichtig tastete er sich auch jetzt durchs Gras. Doch weit kam er nicht.

Im Garten von der Kugel getroffen

„Beim Grill stoppte er plötzlich und drehte sich so komisch im Kreis. Ich dachte erst, er hätte eine Fliege fangen wollen. Dann sah ich, dass er etwas Rotes am Auge hatte“, erzählt „Rockys“ Frauchen. Sie vermutete zunächst, dass der kleine Kerl irgendwo hängen geblieben war und sich so verletzt hatte. Aber dann begann der Kater herzzerreißend laut zu maunzen. „Er muss schreckliche Schmerzen gehabt haben. Und dann kam der Schock. Als ich mich ihm näherte, hing das Auge fast richtig heraus und blutete sehr stark“, erzählt Dunja Kneese.

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Verletzung zu schwer für den Tierarzt

Geistesgegenwärtig brachte sie „Rocky“ in Sicherheit und holte die Transportbox, um ihn zum Tierarzt nach Reinfeld zu bringen. Aber dort konnte man für den Kater nichts tun. Seine Verletzung war zu schwer, als dass man ihm dort hätte helfen können. Also fuhr die Oldesloerin weiter nach Lübeck in die Kleintierklinik Am Tierheim. „Er wurde da zum Glück schnell versorgt. Aber dann kam auch gleich die Schreckensbotschaft, dass in ’Rockys’ Kopf ein Projektil aus einem Luftgewehr steckt“, erzählt Dunja Kneese.

Fremdkörper ließ sich nicht entfernen

Der Oldesloer Kater „Rocky“ bevor er angeschossen wurde. Quelle: Privat/hfr

Das Fatale war, dass sich der Fremdkörper offenbar nicht so entfernen ließ. Nachdem das Köpfchen des Tiers geröntgt worden war, stellte sich heraus, dass die Patrone so weit hinter dem Auge in den Kopf eingedrungen war, dass jeder Eingriff unweigerlich zu einer Verletzung des Hirns geführt hätte. Letztlich blieb keine andere Wahl, als das ohnehin schon stark geschädigte Auge komplett zu entfernen. Geschlagene vier Stunden dauerte die Operation und setzte dem kleinen Kerl mächtig zu. Er wird noch eine ganze Weile Antibiotika und Schmerzmittel nehmen müssen, um die Folgen der Verletzung zu überstehen. Denn in der Augenhöhle haben sich Hämatome gebildet, die sich erst zurückbilden müssen. In der kommenden Woche sollen die Fäden gezogen werden.

Anzeige wurde erstattet

„Man kann von Glück sagen, dass ’Rocky’ überhaupt noch lebt“, sagt Oliver Hagen, ein Freund der Familie. Auch er ist erschüttert und fragt sich, wer so grausam sein könnte, ein so harmloses niedliches Tier zu verletzen. „Der Schuss muss von oben aus einem der Nachbarhäuser gekommen sein. Das haben die Ärzte anhand des Einschusskanals auf dem Röntgenbild feststellen können“, sagt er. „Die Leute haben überhaupt kein Gewissen mehr. Nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn ein kleines Kind in dem Moment in den Garten gelaufen wäre.“ Dieser Gedanke hat auch Dunja Kneese schon schlaflose Nächte bereitet. „Wir sind vor drei Monaten hier eingezogen und jetzt werden wir beschossen“, sagt die dreifache Mutter.

Röntgenbild gibt Aufschluss über Kaliber

Da sie den Anschlag auf ihren Kater „Rocky“ nicht einfach so auf sich sitzen lassen wollte, und ihr allein die Vorstellung, dass da jemand in der Nachbarschaft unerlaubt von Schusswaffen Gebrauch macht, Angst eingejagt hat, veranlasste Dunja Kneese gestern, die Tat anzuzeigen. „Die Polizei hat die Anzeige aufgenommen und erklärt, dass es sich um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz handelt. Und falls es für das Luftgewehr keine Genehmigung gibt, käme ein Verstoß gegen das Waffengesetz dazu“, berichtet Oliver Hagen. Ihm zufolge böte der letztgenannte Aspekt schon einen Ansatz, um auf die Spur des Täters zu kommen. Mithilfe des Röntgenbildes, das die Tierärzte zur Verfügung stellen wollten, lasse sich auch das Kaliber der verwendeten Munition genauer bestimmen.

Dorothea von Dahlen