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Stormarn Westerauer Pumpstation wird saniert
Lokales Stormarn Westerauer Pumpstation wird saniert
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18:10 10.02.2018
Klein, aber teuer: Die Mini-Pumpstation bei Westerau wird für 286 000 Euro saniert. „Die Technik darin kostet so viel“, so die WBV-Experten. Quelle: Fotos: Matzen
Reinfeld/Westerau

Der Wasserbeschaffungsverband (WBV) Reinfeld-Land versorgt Gemeinden beziehungsweise Ortsteile aus den Ämtern Nordstormarn, Bad Oldesloe-Land und Sandesneben Land mit frischem Trinkwasser. Aus bis zu 90 Metern Tiefe wird das kostbare Nass im Wasserwerk Groß Barnitz nach oben gepumpt. „Unser Wasser ist von bester Qualität – Eins A“, sagt Verbandvorsteher Hans-Heinrich Rahn-Marx. Das werde immer wieder von Wasserwerkern bestätigt. „Wenn man sich umhört in Schleswig-Holstein – dort wird das Wasser vielfach aufbereitet, bevor es überhaupt in die Haushalte geschickt wird, weil es so Nitrat-belastet ist. Das ist bei uns nicht so“, so Rahn-Marx.

Sieben Pumpstationen zur Trinkwasserversorgung betreibt der Wasserbeschaffungsverband Reinfeld-Land. Doch diese sind in die Jahre gekommen. Die erste Pumpstation soll jetzt ausgetauscht werden. Das hat die Verbandsversammlung einstimmig beschlossen.

Top Wasser, aber eine veraltete Technik – das ist der Grund, warum der WBV jetzt kräftig investieren möchte. „Teilbereiche unserer Versorgungsleitungen sind 40 Jahre alt und noch älter, die Pumpstationen sind genauso alt. Das wollen wir jetzt Stück für Stück aufarbeiten nach Prioritätenliste“, so der Verbandsvorsteher. Als erstes sei die Pumpstation von Westerau an der Reihe, die die Ortsteile Westerau, Schürensöhlen, Ahrensfelde, Wulmenau, Groß Boden und Klein Boden mit Trinkwasser versorgt. Das habe die Verbandsversammlung bestehend aus den Bürgermeistern der Gemeinden beschlossen.

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Die Pumpstation, auch Druckerhöhungsstation genannt, die am Feldrand zwischen Groß Barnitz und Westerau steht, wurde 1974 errichtet. „Sie ist die älteste unserer sieben Pumpstationen“, sagt Roald Wramp, der als Kämmerer des Amtes Nordstormarn auch für den Wasserbeschaffungsverband zuständig ist.

Außen und innen – alles wird komplett erneuert

Die Technik der Station sei zwar immer unterhalten worden, hier und da wurde auch mal ein Teil ausgetauscht, aber jetzt werde die Pumpstation von Grund auf saniert. „Außen, innen – alles wird erneuert. Die ganze Elektronik kommt raus mitsamt der Motoren. Alles wird energieeffizienter gestaltet, denn das ist heute nicht ganz unwichtig. Auch die Wasserbehälter werden rein baulich nachgearbeitet, falls hier und da mal eine Roststelle ist“, erläutert Rahn-Marx, der von Haus aus Architekt ist.

Die hygienischen Ansprüche seien heute zudem ganz andere als 1974. „Hier reden wir von Wasser als Nahrungsmittel, das darf man nicht vergessen. Wir im Verband haben da einen sehr hohen Anspruch“, so der Vorsteher. So gebe es in der Pumpstation noch ein Notstromaggregat, das sich im selben Raum mit dem Wasserspeicher befinde. „Das Aggregat entlüftet nach außen hin, ist aber ansonsten nicht abgeschottet. Rein theoretisch könnte das Wasser die Dämpfe und Öle des Notstromaggregats aufnehmen, auch wenn sich das Wasser in geschlossenen Behältern befindet“, so Wramp. „Aggregat und Speicher in einem Raum – das macht man heute nicht mehr. Das wird getrennt, so dass auch für Fremde keine Chance besteht, an das Trinkwasser heranzukommen.“ Mit der neuen Technik soll die Pumpstation auf den aktuellsten Stand gebracht werden. „Die Pumpen können heute wesentlich sensibler gesteuert werden, dadurch arbeiten sie effizienter und verbrauchen weniger Strom“, weiß der Kämmerer. Es bestehe zudem die Möglichkeit, die Pumpen fernzusteuern. „Heute müssen wir zur Station fahren, wenn wir an der Steuerung etwas verändern wollen. Das ist künftig nicht mehr nötig. Man kann dadurch auch viel schneller eingreifen, wenn mal ein Fall x eintritt“, erläutert Wramp.

Bei einem großen Brandeinsatz der Feuerwehr sei es etwa möglich, die Laufleistung der Pumpen auf die Schnelle zu erhöhen, ohne dass jemand im Wasserwerk die Pumpe aufdrehen oder zur Station fahren müsse. „Man kann das Wassernetz elektronisch quasi von der Bettkante steuern. Auch wenn eine Pumpe ausfällt, kommt die Störungsmeldung aufs Handy oder auf den Rechner. Die Zeiten, wo an einer Druckstation eine Lampe leuchtet, die womöglich kein Mensch sieht, sind dann vorbei.“

Noch in diesem Jahr sollen die Baumaßnahmen beginnen. Ein genauer Termin stehe aber noch nicht fest. Rahn-Marx: „Das liegt nicht an uns, das hängt von der Baukonjunktur ab. Die Betriebe sind zurzeit alle gut ausgelastet. Wir müssen jetzt die Ausschreibung anschieben, und dann hoffen wir, dass wir genügend Anbieter bekommen. Den günstigsten werden wir dann beauftragen. Wir hoffen, dass wir das möglichst schnell hinkriegen.“

Während der Baumaßnahme soll die Westerauer Pumpstation, die jetzt 80 000 Kubikmeter Wasser im Jahr fördert, überbrückt werden. „Während der Bauzeit wird eine provisorische Station neben die Anlage in Westerau gestellt. Aber für die Übergangszeit fällt der Druckbehälter, also der Pufferspeicher, erst einmal weg. Es wird nur die Notstation laufen, die maximal 35 Kubikmeter pro Stunde fördert. Zu Zeiten von größeren Wasserverbräuchen kann es schon mal sein, dass es zu Einschränkungen kommt und der Wasserdruck schwankt“, teilt der Verbandsvorsteher vorsorglich mit. Ziel sei deshalb, die Bauzeit so gering wie möglich zu halten.

Die Sanierung der Station kostet 286000 Euro

Last but not least: die Kosten. 286000 Euro soll die Variante kosten, für die sich der Verband entschieden hat. „Darin ist die Gebäudesanierung enthalten, sprich die bauliche Hülle, und der Komplettneueinbau der neuen Technik. Finanziert wird das Ganze mit Eigenmitteln des Verbandes. „Wir haben sparsam gewirtschaftet in den vergangenen Jahren“, sagt Rahn-Marx.

Ziel sei, auch die übrigen sechs Pumpstationen zu erneuern. „Aber wir müssen gucken. Abgerechnet wird immer am Ende einer Baumaßnahme“, sagt Rahn-Marx. „Wir gehen aber davon aus, dass wir mit den Zahlen zurecht kommen, wie sie angesetzt sind. Und dann schauen wir weiter. Wenn wir die erste Maßnahme abgeschlossen haben, werden wir uns die nächste Pumpstation vornehmen.“

Von Britta Matzen