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Stormarn Widerstand gegen Klärschlammverbrennung in MVA Stapelfeld
Lokales Stormarn Widerstand gegen Klärschlammverbrennung in MVA Stapelfeld
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15:22 07.03.2019
So soll die neue Müllverbrennungsanlage (MVA) der EEW in Stapelfeld in einer Visualisierung aussehen. Baubeginn soll Ende 2019 oder Anfang 2020 sein. Quelle: EEW Stapelfeld
Ahrensburg

Die Pläne des Unternehmens eew – Energy from Waste, die Müllverbrennungsanlage (MVA) in Stapelfeld um eine Anlage zur Klärschlammverbrennung zu erweitern, stoßen in den umliegenden Gemeinden auf Widerstand: Am Mittwoch hatten die Stormarner Grünen zu einer Podiumsdiskussion unter Moderation des ehemaligen Umweltministers Rainder Steenblock nach Ahrensburg geladen. Während sich das Unternehmen um Transparenz bemüht, saßen im Publikum vor allem Gegner der Anlage. Sie fürchten erhöhte Dioxin-Werte, mehr Emissionen und einen Mülltourismus. Klaus Koch vom Verein „Das bessere Müllkonzept" wirft dem Kreis vor, in nicht öffentlicher Sitzung der Anlage zugestimmt zu haben, obwohl der Kreis den Ausbau hätte verhindern können.

Sabine Rautenberg (v.l.), Morten Holpert, Rainder Steenblock, Dr. Henning Görtz und Klaus Koch saßen auf dem Podium. Quelle: Bettina Albrod

Geplant: MVA Stapelfeld will Klärschlamm verbrennen

Die MVA Stapelfeld verbrenne pro Jahr 320 000 bis 350 000 Tonnen Abfall, erläuterte Geschäftsführer Morten Holpert. Daraus würden umweltfreundlicher Strom und Fernwärme für Rahlstedt und Stapelfeld erzeugt. Unter anderem werde damit das Schwimmbad in Stapelfeld geheizt, das erhalten bleiben solle. Die Emissionen der MVA lägen am unteren Rand der erlaubten Grenzwerte.

Morten Holpert Quelle: ba

Neu ist die Klärschlammverbrennung: Seit es nicht mehr erlaubt ist, den giftigen Klärschlamm zum Düngen auf die Felder zu kippen, muss er anders entsorgt werden. Dazu plant eew eine Klärschlamm-Verbrennungsanlage in Stapelfeld, die die Kapazität hat, mit 35 000 Tonnen Trockenmasse pro Jahr die Hälfte des anfallenden Klärschlamms von Schleswig-Holstein zu verbrennen. Gleichzeitig soll durch einen Partner das extrem selten gewordene Phosphor zu 80 Prozent aus dem Klärschlamm zurückgewonnen werden. „Den Antrag auf Genehmigung haben wir eingereicht“, erklärte Holpert, „alle Rahmenbedingungen für den Betrieb werden geprüft.“

Kritik am Kreis

Klaus Koch vom Verein „Das bessere Müllkonzept" sieht die Pläne kritisch. „Der Kreis hätte über sein Veto-Recht die Klärschlammverbrennung ablehnen können“, kritisierte er. Die Beratung der Kreispolitiker dazu habe nicht öffentlich stattgefunden, zudem erhalte der Kreis für seine Zustimmung 400 000 Euro. 1993 hätten 18 umliegende Gemeinden die damals geplante Erweiterung der MVA verhindert. „Die 18 betroffenen Gemeinden wurden diesmal nicht einbezogen“, moniert Koch. Es seien erhöhte Dioxin-Werte zu befürchten, zumal der Schornstein mit 63 Höhe niedriger werde als der bisherige mit 110 Meter Höhe. „Direkt daneben ist der Bau einer Schule geplant.“ Da die Kapazität der Anlage deutlich höher sei als die Auslastung, drohe ein Mülltourismus aus anderen Bundesländern.

Landrat Henning Görtz: Kreis hat Zustimmungsrecht

„Der Kreis hat ein Zustimmungsrecht, kein Vetorecht, da der Kreis bis in die 90er Jahre Mitgesellschafter war“, korrigierte Stormarns Landrat Dr. Henning Görtz. Die Verhandlung dazu habe nicht öffentlich stattgefunden, da es sich um ein privatrechtliches Verfahren handele. Der Kreistag habe sich einstimmig dafür entschieden, die Zustimmung zu erteilen, und die Entscheidung öffentlich kommuniziert. „Was lokal an Müll anfällt, soll auch lokal entsorgt werden“, begründete Görtz. „Die MVA ist ein Beitrag zum Bodenschutz, weil Klärschlamm nicht mehr als Dünger verwertet wird, die Rückgewinnung des Phosphors ist wichtig, wir erreichen eine Standortsicherung und den Erhalt des Hallenbads in Stapelfeld.“ Der Bau der Anlage sei zudem an zwei Bedingungen geknüpft: an die Zusage an die Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg, dass ihr Klärschlamm bevorzugt verbrannt werde, und daran, dass die Emissionswerte weiter unterhalb der Grenzwerte blieben. Das Geld sei in den allgemeinen Kreishaushalt geflossen, unter anderem, um die Zufahrt in Stapelfeld zu ertüchtigen.

Angst vor Dioxin

Sabine Rautenberg von der Kreistagsfraktion der Grünen sprach sich dafür aus, die bisherigen Emissions-Grenzwerte zu halten. Bisher geht Morten Holpert davon aus, dass die neue Anlage zusätzliche Emissionen ausstoßen wird – 15 Prozent Erhöhung stehen im Raum. „Klärschlamm ist giftig und darf nicht aufs Feld, da wächst unser Essen“, begründete Sabine Rautenberg die Zustimmung zum Bau. Aus Abfall Phosphor zu recyceln, sei sinnvoll, allerdings bleibe die Frage, ob die Anlage so groß sein müsse.

Aus dem Publikum kam immer wieder die Frage nach Emissionen und Bodenuntersuchungen. „In den 70er Jahren kam es zu Dioxin-Ablagerungen durch die MVA, damals sollten Mütter abstillen und das Obst aus dem Garten sollte weggeworfen werden“, erklärte eine Zuhörerin. Ein Teilnehmer aus Lütjensee erinnerte daran, dass die Gemeinde aufgrund der MVA-Emissionen ihren Status als Luftkurort verloren habe. Auch das nahe FFH-Schutzgebiet Höltigbaum sei gefährdet.

Viele Besucher waren mit ihren Bedenken gekommen. Quelle: ba

„Die Verbrennungstemperatur von mindestens 850 Grad vernichtet Dioxine weitgehend“, versuchte Holpert zu beruhigen, „wir wollen nur das Minimum an Emissionen.“ Die Werte würden aus Gründen der Transparenz künftig im Internet veröffentlicht. Der Schornstein entspreche den rechtlichen Vorgaben, da höhere Kamine die Emissionen nur verdünnen würden. Es gehe aber darum, die absoluten Emissionswerte einzuhalten. Das FFH-Gebiet werde in den Gutachten natürlich berücksichtigt.

Neue Infos

Am Freitag, 15. März, gibt es um 16 Uhr in Stapelfeld eine Einwohnerversammlung im Saal der Freiwilligen Feuerwehr, Hauptstraße 69. Dann soll es neue Informationen des Betreibers zu den Ausbauplänen geben, unter anderem zu den zu erwartenden Emissionswerten.

„Wir stehen erst am Anfang der Bürgerbeteiligung“, zog Görtz ein Fazit. „Sobald der Genehmigungsantrag bewilligt ist, folgt die öffentliche Auslegung, so dass jeder dazu Stellung nehmen kann.“

Bettina Albrod

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