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Stormarn Wie Dr. Dolittle? Biologin versteht die Vogelsprache
Lokales Stormarn Wie Dr. Dolittle? Biologin versteht die Vogelsprache
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20:10 23.03.2018
Dr. Regina Paul kennt sich mit der Vogelsprache aus.
Dr. Regina Paul kennt sich mit der Vogelsprache aus. Quelle: Fotos: Bettina Albrod
Ahrensburg

Kuckuck und Uhu stellen sich selber vor. Aber was bedeuten Krächz, Pieps und Tirili aller anderen gefiederten Freunde? „Der Mensch versteht schon etwas Vogelsprache“, betont Regina Paul, „wir kommunizieren ständig unbewusst mit den Vögeln.“

Den Traum, mit Tieren sprechen zu können, hat sich bislang nur Dr. Dolittle erfüllt. Die Romanfigur von 1920 kommuniziert mit Tieren und hat kein Problem, sie zu verstehen. Aber auch andere Menschen können das laut der Ahrensburger Biologin Dr. Regina Paul.

Vogel-Abc

Kleine Vokabelkunde Ping-ping-ping –

Achtung, Gefahr!

Tirilii –

Mir geht es gut Tschilp-tschilp –

Zu dir oder zu mir?

Pieeps? –

Wo bist du?

PIIIEEEEP –

Die Sonne geht auf Triller –

Das ist mein Revier!

Krächz –

Verschwinde!

Pieppieppiep –

Hunger

Jeder hat schon mal erlebt, dass er dynamisch vor die Tür tritt und damit eine zeternde Amsel verscheucht, die gerade Regenwürmer suchen wollte. Hier führt der Vogelschreck zum Alarm, den alle Tiere rundum hören. „Achtung Feind“, bedeutet das laute Schimpfen, das auch dann ertönt, wenn sich eine Katze anschleicht.

Regina Paul lädt Menschen ein, mit ihr auf Vogelsprachenwanderung zu gehen. „Vögel sitzen in den Bäumen und sehen das Revier von oben“, erläutert die Biologin, die als Schwerpunkt Verhaltensökologie hat, im Park vom Haus der Natur in Wulfsdorf. „Was Amsel oder Eichelhäher als Wächter des Waldes sagen, verstehen auch die anderen Tiere.“

Dabei unterscheiden die Vögel beim Alarm zwischen dem Beutegreifer am Boden und dem aus der Luft. Auch anderen Tieren signalisiert ihr Alarm Gefahr. „Bei einer Katze bilden verschiedene Vogelarten im Revier eine Art Schirm über dem Feind und zeigen so an, wo sich das Tier befindet.“ Ist ein Raubvogel im Anflug, wird es auf den Warnruf hin still und unbewegt. „Man kann auch beobachten, dass Rabenvögel immer wieder laut krächzend einen Baum anfliegen, in dem ein Sperber, Habicht oder eine Eule sitzen.“ Das „Hau ab“ der Rufe ist unschwer zu verstehen.

Alarm- und Bettelrufe

Im Park trillert es. Neben den Alarmrufen gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Piep-Töne mit unterschiedlichen Bedeutungen, die Biologin Regina Paul erkennt. „Hungaaa!“, zirpt es bald aus dem Nest, wenn die Jungen gefüttert werden wollen, Bettelrufe bei Jungtieren, heißt das in der Fachsprache.

Entspanntes Zwitschern und Tirilieren kann man als „mir geht es gut, kein Feind in Sicht“ übersetzen. „Goldhähnchen zwitschern in den Bäumen ununterbrochen, weil sie einander zwischen den Ästen oft nicht sehen können“, erläutert Regina Paul. „Ich bin hier, wo bist du?“, piept der eine, der andere antwortet: „Ich bin hier“.

In der Ferne trompetet ein Kranich, eine „Kommunikation mit Artgenossen im Flug oder ein Warnruf“, sagt die Vogelsprachlerin. Beim girrenden Balzgesang geht es um die Frage: „Zu dir oder zu mir?“.

„Wenn man auf die Vogelsprache hört, kann man in der Natur viel entdecken.“

Entspannung ist dafür nötig, denn Vögel haben im Blick, was um sie herum los ist. „Wenn man langsam durch die Natur geht, erkennen Vögel, dass dieser Mensch keine Gefahr ist.“ In der Tat wird es nach ein paar Mal Durchatmen ruhig, und eine Amsel pirscht sich an, um zu sehen, was denn so im Vogelhaus liegt. Gemessenen Schrittes geht es mit Eulenblick um den See – das 180-Grad-Gesichtsfeld hat auch der Mensch, wenngleich er den Kopf nicht auf den Rücken drehen kann.

Kampf ums Territorium

Trotzdem gibt es genug zu sehen. „Hast Du kein Brot dabei?“, schnattert ein Erpel, kratzt sich mit Entenfuß am Kopf und dreht wieder ab. Ein Zaunkönig landet in einem Baum und lässt dicht am Ohr ein durchdringendes „Tirilii“ hören – „ich bin hier“ – auf das ein Artgenosse in der Ferne antwortet „ich auch, aber ich bin größer“. Aggression bei Territorialkämpfen lässt sich ebenso gut heraushören wie ein vielkehliges „Guten Morgen Sonne“, wenn der Mensch noch schlafen will.

„Wenn man auf die Vogelrufe achtet, sieht man auch scheue Tiere“, hat Regina Paul die Erfahrung gemacht. Sie ist in der Natur groß geworden. „Meine Mutter hat mir die Pflanzen erklärt, mein Vater die Vögel und die Tierspuren.“ Eine Meise fliegt auf, beruhigt sich aber schnell wieder. „Vögel sind Anzeiger für andere Tiere“, sagt Regina Paul. Drei Sekunden später kommt ein Hase aus dem Gebüsch gehoppelt und putzt sich die Schnauze – jetzt möchte man glatt die Hasensprache lernen.

Weitere Infos und Veranstaltungen:

www.nach-draussen.de

Bettina Albrod

23.03.2018
23.03.2018