Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Wie Geschäfte sich auf die neue Plastikverordnung einstellen
Lokales Stormarn Wie Geschäfte sich auf die neue Plastikverordnung einstellen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:22 02.01.2019
Ida Möller zeigt, wie Kunden sich im Bad Oldesloer Bioladen Müsli, Reis oder andere lose Ware selbst in Beutel füllen können.  Quelle: ST
Bad Oldesloe

Riesige Teppiche aus Plastikmüll schaukeln auf den Wellen der Ozeane. Ausgediente Tüten, PET-Flaschen, Behälter in allen Formen und Farben treiben über die Weltmeere – sehr zum Schaden der Bewohner. Das beweisen nicht nur Bilder von toten Walen, die mit etlichen Kilogramm des unverdaulichen Unrats im Magen an die Strände gespült werden, laut Umweltbundesamt ist auch nur zu oft Eissturmvogel an der Nordsee Opfer des Wohlstandsmülls. Doch dieser entsteht nicht weit draußen im Meer, sondern daheim vor der Haustür. Die LN schauten sich in Bad Oldesloe um, wie Geschäftsleute und Verbraucher mit dem Problem umgehen und ob sie versuchen, der Plastikflut Herr zu werden. Immerhin tritt 2021 das von der EU-Kommission beschlossene Verbot von Strohhalmen, Wattestäbchen und Einweggeschirr in Kraft.

Holzpicker statt Kunststoffgabel

„Plastikgabeln könnte man durch Holzpicker ersetzen. Aber ich wüsste nicht, wie wir das ganze andere Essen außer Haus liefern sollten“, sagt Tijen Aykir, Inhaberin eines türkischen Imbisses in der Besttorstraße, ratlos. Sie greift nach einem Stapel durchsichtiger Kunststoffschälchen, in die sie normalerweise Salat oder auch Saucen füllt und hält noch eine Stryroporbox hoch. „Ohne sie wird doch alles kalt, bevor es zum Kunden kommt“, sagt Aykir. Sie hofft, dass ihr die Zulieferfirma bis zum Stichtag Behälter liefern kann, die nicht aus Plastik sind. Wer im Imbiss esse, bekomme ja schon jetzt alles auf Porzellantellern serviert.

Glasflaschen bergen Splittergefahr

Eingehend hat sich die Inhaberin vom Fischfeinkostladen mit der Materie befasst. „Wenn es Behälter gäbe, die wir auf Pfandbasis einsetzen könnten, wäre ich sofort dabei. Bei meinen Recherchen habe ich aber festgestellt, dass es kein lebensmittelechtes Material gibt“, berichtet Heidi Hansen. Mitgebrachte Tupperdosen zu füllen sei aus hygienischen Gründen nicht erlaubt, schildert sie das Dilemma. Auf Titan-Kunststoff, so wie er auch für Babyfläschchen verwendet wird, greift wiederum Maike Hinsch vom Regionalbetrieb Seefelder Landmilch zurück. „Das Thema Plastikmüll berührt mich sehr. Als wir unsere Produkte auf den Markt brachten, musste ich mich mit der Abfüllung befassen und habe mich bewusst gegen Glasflaschen entschieden“, erklärt Maike Hinsch. Zum einen aus Gründen der Lebensmittelsicherheit, da es höchst gefährlich sei, wenn sie zersplitterten, zum anderem sei es auch eine Frage des Gewichts. „Und da wir Milch und Joghurt beim Lieferservice selbst tragen müssen, haben wir uns für die leichteren Kunststoffbehälter entschieden“, fügt die Bäuerin hinzu. Bei Leuten, die Kunststoff generell ablehnten, stoße das auf Kritik. Ansonsten habe sich das Pfandsystem bei der Kundschaft bewährt.

Supermärkte wetteifern um Führungsrolle

In den Supermärkten der Stadt hat bereits ein Umdenken eingesetzt, ja es scheint sogar ein richtiger Wettbewerb um die Führungsrolle in Sachen Plastikvermeidung entbrannt. Einige Märkte wie Rewe bieten als Alternative zur dünnen Plastiktüte für Äpfel, Möhren und Co. etwa wieder verwendbare Netze an. Aldi Nord geht entschieden weiter und hat angekündigt, bereits ab 2019 sämtliche auf dem Index stehende Produkte aus den Regalen zu entfernen. Ob dann auch Obst und Gemüse in Bioqualität ohne die bislang übliche Klarsichthülle zu haben ist, bleibt abzuwarten.

Laser zeichnen Bioware aus

„Das Problem besteht darin, dass sich die Bioqualität von der herkömmlichen äußerlich unterscheiden lässt“, erklärt Christin Vogelsang vom Penny-Markt, wo das Gemüse ebenfalls noch eingeschweißt wird. „Es gibt zwar eine neue Methode, um Artikel auf der Schale von Obst oder Gemüse zu kennzeichnen. Aber das ist für uns noch Zukunftsmusik.“ Und in der Tat, die Edeka-Gruppe, die allerdings keine Filiale in Bad Oldesloe hat, verzichtet schon seit einiger Zeit auf die Etikettierung. Sie bedient sich des so genannten Smart Brandings, bei dem die Bioauszeichnung mit einem hochauflösenden Laser aufs Obst oder Gemüse aufgebracht wird.

Bienenwachs als Folienersatz

Ein solche aufwändiges Verfahren können sich die Inhaber von Lehmanns Bioladen schenken, da es dort gar kein Obst oder Gemüse aus konventionellem Anbau gibt. Auch sonst betritt man dort eine weitgehend plastikfreie Zone. Statt Frischhaltefolie kann dort kompostierbares, erdölfreies Bienenwachspapier erstanden werden. „Unsere Kunden bringen meistens eigene Beutel mit. Sie können auch Müsli, Hülsenfrüchte oder Reis lose an unserer Abfüllstation bekommen“, sagt Ida Möller. „Viele Kunden bringen selbst Dosen mit, um Käse einzukaufen. Wir befüllen den Behälter auf einem Tablett und müssen ihn so gar nicht anfassen.“

Tupperdose im Kundentest

Ähnliches wird derzeit auch in Kiel bei Famila Nord ausprobiert, deren Gruppe sich auch das Oldesloer Peters-Geschäft angeschlossen hat. Dort dürfen Kunden die eigene Tupperware zum Bedientresen mitbringen. „Wir haben viel Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Aber die Verbraucher nehmen das nicht so an“, lautet die Zwischenbilanz von Sprecherin Bärbel Hammer. Doch die Arbeitsgruppe, die sich das Ziel der Plastikvermeidung auf die Fahnen geschrieben hat, fahndet ihrzufolge schon nach ganz neuen Lösungsansätzen. „Wir sind dabei, einen Lieferanten aufzutun, der uns biologisch abbaubare Tüten aus Zuckerrohr zur Verfügung stellen kann, die sich auch zur Verpackung von Fleisch, Käse oder Fisch eignen“, sagt sie. Bis die Umstellung erfolgen könne, werde es noch einige Zeit dauern. Auf jeden Fall werde weiter geforscht.

Mehr zum Thema:

Erste Stadt erhebt Steuer auf Einweg-Verpackungen

Wattestäbchen, Plastikteller und Co. – das will die EU künftig verbieten

Dorothea von Dahlen

Stormarn 1500 Besucher in der Stormarnhalle - „Jeden Tag Silvester“ krönte 2018

Die Jahresabschlusskonzerte der Oldesloer Band „Jeden Tag Silvester“ haben mittlerweile Kultstatus. Zum dritten Mal begeisterte sie damit ihre stetig wachsende Fangemeinde in der Stormarnhalle.

31.12.2018

Wenn Anna Bauer ihr TV einschaltet, sieht sie nur Schnee. Obwohl sie keinen Empfang hat, soll sie monatlich zahlen. Schuld am fehlenden Kabel sind aber ihre Mitmieter.

30.12.2018

Gefährlicher Einsatz für die Feuerwehr: Bei einem Kellerbrand in einem Einfamilienhaus in Reinbek kam es zu einer Rauchgas-Durchzündung. Die Bewohner des Hauses wurden bei Nachbarn untergebracht.

30.12.2018