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Stormarn Wildunfälle haben jetzt Hochsaison
Lokales Stormarn Wildunfälle haben jetzt Hochsaison
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17:05 18.10.2018
Christian Scherrer, Jagdpächter im Revier Grabau, zeigt die blauen Warnreflektoren. Die Jäger bringen diese zum Schutz vor Wildwechsel an. „Doch die Tiere gewöhnen sich mit der Zeit daran und wechseln dann trotzdem die Straße“, so Scherrer. Quelle: Lutz Roeßler
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Grabau

Es war kurz vor sechs Uhr, als heute Morgen das Telefon bei Eduard Sadowski klingelte. Die Polizei meldete einen Wildunfall bei Grabau. „Ein Autofahrer war mit einem Reh zusammengestoßen“, so der Jagdaufseher der Gemeinschaftsjagd Grabau. Der Sülfelder machte sich auf den Weg, um das Schmalreh einzusammeln. „Das wird komplett entsorgt oder zu Hundefutter verarbeitet.“ Sadowski kennt das schon, dass das Telefon zu Unzeiten klingelt. „90 Prozent der Wildunfälle passieren nachts.“ Vor allem um diese Jahreszeit steige die Anzahl der Unfälle deutlich an.

Eduard Sadowski, Jagdaufseher in der Gemeinschaftsjagd Grabau, wurde heute Morgen zu einem Wildunfall gerufen. Ein zweijährige Schmalreh war mit einem Auto kollidiert. Quelle: Lutz Roeßler

„Beim Damwild ist die Brunftzeit im vollen Gange“, weiß Christian Scherrer, Jagdpächter im Revier Grabau. Von Anfang Oktober bis Anfang November dauert der Liebestaumel der Schaufler an, der sie unberechenbar macht. „Wir haben hier einen guten Bestand an Damwild in unserem Revier und leider auch entsprechend viele Wildunfälle“, so Scherrer. Jährlich seien es 15 bis 20 Einsätze, zu denen sie gerufen würden.

Unfallzahlen und Tipps

Im vergangenen Jahr waren der Oktober (1731) und der November (1730) die am stärksten belasteten Monate. Insgesamt 15 262 Wildunfälle wurden landesweit aufgenommen - ein seit Jahren hohes Niveau. „Wir erwarten auch für 2018 wieder Zahlen in vergleichbarer Größenordnung", erklärt Dennis Schneider vom Landespolizeiamt. „Bei Wildunfällen besteht dadurch ein erhöhtes Verletzungsrisiko, dass Fahrzeugführer von der Straße abkommen oder in den Gegenverkehr fahren, weil sie einem Wildtier ausgewichen sind.“ Um im Falle eines Wildwechsels angemessen reagieren zu können, sollte man auf der eigenen Fahrspur bleiben, um einen Zusammenstoß mit einem entgegenkommenden Fahrzeug oder ein Abrutschen in den Graben zu vermeiden, empfiehlt Schneider.

Weil Damwildhirsche zwischen 80 und 110 Kilo Lebendgewicht auf die Waage bringen, seien die Schäden beim Zusammenstoß mit einem Pkw entsprechend schwer. Die Fahrzeuge seien meistens stark beschädigt bis zum Totalschaden. „Gottseidank haben wir wenig Wildschweine im Revier. Die wiegen nämlich bis zu 150 Kilo“, sagt Scherrer. Unfälle mit Hirschen oder Wildschweinen führten oft zu Totalschäden am Fahrzeug sowie zu Personenschäden, weil das Wild über die Motorhaube in die Windschutzscheibe knalle. „Der Fahrer wird nicht selten durch das Wild oder umherfliegende Glassplitter verletzt.“ Am gefährlichsten ist zurzeit auf den Straßen zur Dämmerung am Abend und früh morgens. Dann ist das Wild aktiv und kreuzt die Straßen. Und zwar nicht nur dort, wo Schilder vor Wildwechsel warnen. „Man muss jederzeit und überall damit rechnen, dass das Wild unverhofft die Straße quert“, sagt Scherrer. Für sein Revier hatte Christian Scherrer entsprechende Warnschilder beantragt. Aber der Landesbetrieb Straßenbau lehnte diese ab mit der Begründung, dass die Straßen dort einsehbar seien. „Dabei haben wir ständig Wildunfälle – diese Woche schon zwei, letzte Woche einen, auch bereits einen mit Personenschaden.“ Das Einzige, was man als Autofahrer tun könne: das Tempo drosseln und vorausschauend fahren. Scherrer: „Das ist die Grundvoraussetzung, um einen Wildunfall zu vermeiden. Denn nur Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h kann das Wild abschätzen. Alles, was schneller ist, nicht.“ Unweigerlich könne es dann zum Zusammenprall kommen. Gerade nachts seien die Tiere von den Autoscheinwerfern geblendet, hätten keine Übersicht über die Situation und folgten nur ihrem Instinkt, um die Straße zu queren. Sieht man als Autofahrer ein Reh oder Damwild am Straßenrand, sollte man keinesfalls auf- und abblenden. „Mit der Lichthupe blendet man das Tier noch mehr, es ist dann noch orientierungsloser.“ Sofort abbremsen, möglichst auf Schrittgeschwindigkeit und die Stelle langsam passieren seien die geeigneten Maßnahmen. Auch auf Autobahnen kann es gefährlich werden. „Wildschutzzäune gibt es leider nur vereinzelt. Das ist eine ganz große Forderung der Jäger, dass die Autobahnen an beiden Seiten eingezäunt werden, damit das Wild nicht mehr die Straße queren kann.“ Nachteil sei, dass die Tiere an der Aus- oder Ausfahrt auf die Autobahn wechselten und nicht wieder zurückfänden, weil sie durch den Zaun eingesperrt seien. Neben Schutzzäunen wurden auf Initiative der Jägerschaft blaue Warnreflektoren an Stellen angebaut, wo viele Unfälle passieren. „Diese Reflektoren spiegeln das Licht der Autoscheinwerfer auf die Umgebung und haben den Effekt, dass das Wild von den herannahenden Autos geblendet wird. Der Erfolg ist aber nicht hundertprozentig. Nach unseren Erfahrungen gewöhnt sich das Wild mit der Zeit daran und wechselt die Straße trotzdem“, so der Jagdpächter. Wie verhält man sich nach einem Wildunfall richtig? Ist es zur Kollision gekommen, muss die Unfallstelle unverzüglich abgesichert werden, dabei die Eigensicherung nicht vergessen. „Warnweste anziehen, bevor man das Auto verlässt“, rät Scherrer. Jeder Wildunfall ist meldepflichtig und der Polizei mitzuteilen. „Selbst, wenn die Polizei nicht rauskommt, wird sofort der Revierinhaber oder Jagdpächter verständigt, und der begibt sich sofort an die Unfallstelle, um das Wild zu bergen, nachzusuchen oder zu versorgen. Danach kann gleichzeitig eine Wildunfall-Bescheinigung ausgestellt werden, die der Fahrer für seine Versicherung braucht“, informiert der Grabauer Jagdpächter. Keinesfalls sollte man das Wild einladen und damit zum Tierarzt fahren. Wildtiere sind den Kontakt mit Menschen nicht gewohnt, sie erleiden Todesängste, und das Verletzungsrisiko für den Autofahrer ist enorm hoch. Autofahrer könnten es aber auf den Seitenstreifen befördern, allerdings nur mit Schutzhandschuhen.

Britta Matzen

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