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Stormarn Wird Stormarn Atommüll-Endlager?
Lokales Stormarn Wird Stormarn Atommüll-Endlager?
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18:10 17.03.2018
Symbol für den Protest: Mit gelben Tonnen und dem Radioaktiv-Zeichen demonstrierten Greenpeace-Aktivisten 2013 in Niedersachsen gegen das Endlager in Gorleben. Quelle: Foto: Dpa
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Großhansdorf

Zunächst geht es um die Erfassung der geologischen Daten sämtlicher geeigneter Orte in Deutschland. „Siek ist 1995 schon mal als möglicher Endlagerort in einem Gutachten als einer von fünf in Schleswig-Holstein genannt worden“, erklärt Dietrich Peters, beim Kreis zuständig für Abfall-, Boden- und Gewässerschutz. „In Stormarn ist Siek der einzige Ort mit möglicher Eignung.“ Bei der Bewertung der Salzstrukturen sei laut CDU Meilsdorf-Siek damals jedoch festgestellt worden, dass Siek nicht den Vorgaben entspreche. „Das Verfahren steht noch ganz am Anfang“, macht Peters klar.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) sucht nach einem Atommüll-Endlager für 27 000 Kubikmeter hochradioaktiven Abfalls. Wegen eines Salzstocks in 800 Meter Tiefe könnte auch die Gemeinde Siek für ein Endlager in Frage kommen. Noch ist alles offen.

Altes Gutachten

1995 wurde der Boden in Schleswig-Holstein schon einmal bewertet. In einem historischen Gutachten, das keine Gültigkeit mehr hat, tauchten damals fünf Orte in Schleswig-Holstein auf: Siek-Witzhave, Hamdorf, Sterup, Eisendorf und Hennstedt.

„Zunächst geht es um eine Sichtung der Daten vom Schreibtisch aus. In 13 Jahren sollen zwei mögliche Standorte gefunden sein, zwischen denen entschieden wird.“

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Vergangene Woche hatte der SPD-Ortsverein von Großhansdorf Nina Scheer (SPD), Mitglied des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit im Bundestag, zum Thema eingeladen. „2031 soll ein Standort für ein Endlager festgelegt werden, Mitte des Jahrhunderts soll es gebaut sein“, erklärte Nina Scheer. „Bei der Standortsuche gilt das Prinzip der Ergebnisoffenheit.“ Das Endlager solle dazu dienen, radioaktiven Müll für eine Million Jahre sicher aufzuheben, 500 Jahre lang solle es eine Rückholmöglichkeit geben. An die geeigneten Orte würde ein Kriterienkatalog angelegt, der bestmöglich erfüllt werden soll. Erdbeben- und Bergbaugebiete oder solche mit vulkanischer Tätigkeit erfüllen die Kriterien nicht.

Weil Granit, Ton oder Salz besonders geeignet sind, um Atommüll aufzunehmen, erscheint Siek in der Liste. „Der Salzstock ist ein kleines Pro für einen Atommüllstandort“, so Scheer. Das bedeute auch, dass konkurrierende Maßnahmen wie beispielsweise Bohrungen für Geothermie, die die Gesteinsschichten durchlässig machten, bis zur Entscheidung nicht stattfinden dürften, um die Voraussetzungen nicht zu verändern.

Langfristig denken

„Bei einer Million Jahren Lagerzeit muss langfristig gedacht werden“, betonte Nina Scheer. Dabei seien auch Themen wie die Energiewende oder der Klimawandel zu bedenken. „Es gibt Überlegungen, Salzstöcke als unterirdische Batteriespeicher zu nutzen“, gab Nina Scheer ein Beispiel. „Man kann Siek deshalb nicht nur als möglichen Müllstandort sehen.“ Auch der Anstieg des Meeresspiegels, von dem Schleswig-Holstein betroffen ist, sei ein bedenkenswerter Punkt. „Bei der Planung muss man in anderen Dimensionen denken.“ Persönlich glaube sie nicht, dass Siek als Standort in Frage komme.

„Aber alles ist offen, der Prozess beginnt erst.“

Das betont auch Judith Windszus, Sprecherin des Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE), das für die Aufsicht der Suche nach einem geeigneten Endlager zuständig ist. „Das Verfahren ist noch ganz am Anfang“, sagt sie, „wir stehen vor einer weißen Landkarte.“ Zunächst würden geologische Daten abgefragt, von Orten sei noch gar nicht die Rede. „Es gibt Wirtsgesteine wie Ton, Granit oder Salz, die grundsätzlich in Betracht kommen.“ Auf der Internetseite www.bfe.bund.de/DE/home/home_node.html informiert ein Film über die Hintergründe. Die Bevölkerung soll während des gesamten Prozesses eingebunden werden. Auch überirdische Faktoren wie Naturschutzgebiete oder Wohnbebauung spielen bei der Auswahl eine Rolle.

Verursacherprinzip gilt

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Siek so dicht an besiedeltem Gebiet dafür in Frage kommt“, erklärt Sieks Bürgermeister Arnold Trenner (SPD). „Es gibt einen Salzstock, aber der kann nicht sehr groß sein. Wir können aber auch nicht sagen, das wollen wir nicht, und jeden Tag Strom aus der Steckdose nehmen.“ Der Müll müsse nach dem Verursacherprinzip in Deutschland bleiben, zumal da das technologische Wissen weiter sei als anderswo. „Vielleicht kann die nächste Generation den Atommüll entsorgen.“ Gorleben habe das Endlager auch verkraftet. „Natürlich fänden wir es nicht gut, wenn hier der Standort wäre, wir könnten es aber nicht ändern.“

Das Amt Siek hat eine Anfrage beim BfE gestellt. „Als Regulierungsbehörde kann ich Ihnen mitteilen, dass derzeit in der Gemeinde Siek, wie in allen anderen Gemeinden der Bundesrepublik Deutschland auch, keine Erkundungsarbeiten im Rahmen der Standortauswahl für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle stattfinden“, heißt es in dem Schreiben, das auf der Amtsseite im Internet steht. Aktuell würden geologische Daten von den Landesbehörden abgefragt.

„Hier geht es um etwas, was nicht im Einklang mit der Bevölkerung zu machen ist“, hielt Nina Scheer fest. „Ein sicheres Endlager ist notwendig. Wenn ein Standort die Anforderungen erfüllt, muss er akzeptiert werden. Auch zu Enteignung kann es kommen.“ Die Anti-Atomkraftinitiative „ausgestrahlt“ kündigte an, demnächst eine Info-Veranstaltung anzubieten.

 Bettina Albrod