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Stormarn Wirtschaft: Bad Oldesloe nutzt sein Potenzial nicht
Lokales Stormarn Wirtschaft: Bad Oldesloe nutzt sein Potenzial nicht
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19:46 22.05.2018
Daumen hoch für Bad Oldesloe. „In der Stadt steckt viel Potenzial“, sagt Holger Mahlke. Quelle: Foto: Mc
Bad Oldesloe

Bad Oldesloe hat enormes Potenzial“, sagt Holger Mahlke, 2. Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung und Inhaber von Hörakustik-Geschäften in Bad Oldesloe und Trittau. Durch diese 20-jährige Selbstständigkeit in verschiedenen Städten habe er die wirtschaftliche Entwicklung gut beobachten können. Allerdings sei die Stadt im Wettbewerb mit anderen Städten wie Bargteheide oder Ahrensburg ins Hintertreffen geraten. In Ahrensburg beispielsweise gebe es eine Stabsstelle direkt unterhalb des Bürgermeisters, in der sich zwei Mitarbeiter um die Wirtschaftsförderung kümmern.

Dabei müsse sich Bad Oldesloe als Standort durchaus nicht verstecken. Mahlke zählt die Vorzüge der Stadt auf: „Verkehrsgünstig gelegen. Eine flotte Bahnanbindung nach Lübeck und Hamburg. An beiden Ortsenden große Gewerbegebiete mit zum Teil großen Weltmarktführern. Ein großes Schulangebot für alle Schulformen und Abschlüsse inklusive eines gut ausgestatteten und von der Wirtschaft unterstützten Berufsbildungszentrums. Ein Stadtzentrum mit historischen Bauten. Drumherum viel Natur und Möglichkeiten zur Naherholung.“

Alles sind laut Mahlke eigentlich hervorragende Voraussetzungen für ein prosperierendes Gemeinwesen, und trotzdem sinke seit Jahren die Kaufkraft, der kommunale Haushalt könne nicht ausgeglichen werden. „Kurzum: Bad Oldesloe verwaltet den Mangel und das sieht man überall“, so Mahlke.

„Die Infrastruktur bröckelt, die Stadt verarmt schleichend auf allen Ebenen, objektiv in Zahlen und auch ganz sichtbar“, sagte der engagierte Unternehmer vor kurzem auf einer Podiumsdiskussion und schrieb den Kommunalpolitikern ins Stammbuch: „Trotzdem wird man über Jahre der Beobachtung den Eindruck nicht los, dass in Bad Oldesloe die Politik im Wesentlichen mit sich selbst beschäftig ist, anstatt sich ihrer Kernaufgabe zu widmen, nämlich gemeinsam dafür zu sorgen, dass die Verwaltung klare und verlässliche Vorgaben bekommt, auf deren Grundlage die Stadt effizient, motiviert und verlässlich verwaltet und entwickelt werden kann.“ Kreis und Kreistag gäben ein gutes Beispiel dafür ab, wie man über Parteiunterschiede hinweg Kompromisse finden kann.

Besseres Stadtmarketing

Auch bei Themen wie Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Unternehmensansiedlung habe man den Eindruck, dass diese nicht sehr weit oben auf der Prioritätenliste der Politik stehen, obwohl solide Finanzen einer Stadt maßgeblich von gesunden und erfolgreichen Unternehmen abhängen. Mahlke: „Wie sonst ist es zu erklären, dass wir für fast alle relevanten Themen Ausschüsse und Beiräte als politische Gremien finden, nur nicht für die Interessen der Oldesloer Wirtschaft?“

Die Oldesloer Wirtschaftsvereinigung will aber nicht nur meckern, sondern hat auch konkrete Vorschläge dafür, wie der Wirtschaft in der Kreisstadt mehr Gehör zu verschaffen wäre. Einer der Punkte ist, einen städtischen Wirtschaftsausschuss zu etablieren oder zumindest die Bezeichnung Wirtschaft in den bestehenden Bau- und Planungsausschuss zu integrieren – so wie etwa auf Kreisebene. „Das wäre schon ein Zeichen“, so Mahlke.

Daneben, und das ist den Unternehmern ein noch wichtigeres Anliegen, soll ganz neu ein Wirtschaftsbeirat geschaffen werden, damit sich Politik und Wirtschaft regelmäßig austauschen können: eine Idee, die bei den meisten Fraktionen gut ankommt, sogar bei den Linken. Die Wirtschaftsvereinigung will jedoch auch die Stadtverwaltung stärker in die Pflicht nehmen. „Es muss eine Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing eingerichtet werden, damit die wirtschaftliche Entwicklung in Bad Oldesloe ein Kernthema wird“, fordert Holger Mahlke.

Bürgermeister Jörg Lembke zeigte sich auf der Veranstaltung offen für diese Idee. Er verwies jedoch auf zwei bereits bestehende Stellen (Stadtmarketing und Ladenflächenmanagement) sowie auf den Umstand, dass die Politik den Weg für neue Stellen freimachen müsse. Die Wirtschaftsvereinigung hat jedoch laut Mahlke den Eindruck, dass die Wirtschaftsförderung in Bad Oldesloe quasi nur nebenbei mitlaufe.

An die Politik gerichtet wünscht sich Mahlke eine bessere Kommunikation mit der Verwaltung und zwischen den Fraktionen. „Das darf so nicht weitergehen“, sagt Mahlke – auch im Hinblick auf das Hin und Her bei den Straßenausbaubeiträgen.

So sehen es die Parteien

„Wir haben innerhalb der Kommunalpolitik natürlich viele unterschiedliche Auffassungen, die sich deutlich in Richtung Wirtschaft und Zuhören bei deren Problemen verbessern lassen“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Horst Möller. „Die Wirtschaft ist ein ganz wichtiger Punkt für unser gesamtes Gemeinwesen, nicht nur für den Haushalt. Wenn die Wirtschaft floriert und sich wohlfühlt, haben alle etwas davon.“

Diese unter allen Parteien nötige einheitliche Sicht sieht die CDU aber auch als Voraussetzung für eine explizite Stelle im Stellenplan der Stadt für die Wirtschaftsförderung. Diese macht laut Möller nur Sinn, wenn die dort geleistete Arbeit nicht anschließend im politischen Hickhack ad absurdum geführt werde. Ein erster Schritt könne tatsächlich die Einrichtung eines Wirtschaftsbeirates sein, sagt Möller, der jedoch darauf verweist, dass es in der Verwaltung bereits Ansprechpartner für Wirtschaftsfragen gebe.

Ähnlich sieht es auch Björn Wahnfried von der SPD, die auch in der neuen Stadtverordnetenversammlung zweitstärkste Fraktion hinter der CDU ist. Er fordert zudem die Wirtschaftsvertreter auf, auch mal direkt in die Ausschüsse zu kommen, um ihre Sorgen und Nöte vorzutragen. Wahnfried kann sich vorstellen, aus dem Umwelt- einen Wirtschafts- und Umweltausschuss zu machen. „Die Sitzungen des Bau- und Planungsausschusses dauern jetzt schon immer sehr lange.“

Die FBO gibt der Wirtschaftsvereinigung insofern Recht, dass Bad Oldesloe seine Potenziale in den vergangenen Jahren nicht genutzt hat. „Den Wirtschaftsförderer fordern wir seit Jahren“, sagt Matthias Rohde. „Das darf aber kein Verwaltungsmitarbeiter, sondern muss ein Macher sein, der aktiv mit der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn zusammenarbeitet.“ Auch der Vorschlag Wirtschaftsbeirat findet bei der FBO Applaus. Sie sieht aber auch den Bürgermeister in der Pflicht, stärker Kontakt zu Firmen zu halten.

„Auch wir sind für die Einrichtung eines Wirtschaftsbeirates, vorausgesetzt, wir haben Sitz und Stimme“, sagt Grünen-Ortsverbandsvorsitzender Hartmut Jokisch. „Besser wäre jedoch eine Erweiterung der Aufgaben des Hauptauschusses oder des Bau- und Planungsausschusses mit Bezug auf Fragen der Wirtschaftsförderung. „Zusätzliche Stellen in der Verwaltung für die Wirtschaftsförderung sehen wir vorerst nicht als notwendig an, da bereits zwei Stellen in der Verwaltung für Gewerbeansiedlung und Marketing vorhanden sind“, so Jokisch weiter. „Außerdem ist die WAS hier für die Vermarktung der großen Gewerbeflächen zuständig.“

Keine Antwort

Im Dezember 2016 haben rund 60 Unternehmer einen Letter of Intent bei der Verwaltung und der Politik eingereicht: eine Willensbekundung zur Etablierung eines institutionellen Stadtmarketings unter Beteiligung eines qualifizierten externen Dienstleisters. „Bis heute haben die Angesprochenen nicht reagiert“, sagt Nicole Brandstetter von der Wirtschaftsvereinigung. „Was ist los in einer Stadt, wenn der Wunsch von 60 Unternehmern nach Professionalisierung in der Außendarstellung unbeantwortet bleibt?“

 mc Markus Carstens

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