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Stormarn Junge Wölfin überfahren: Hat sie die Schafe gerissen?
Lokales Stormarn Junge Wölfin überfahren: Hat sie die Schafe gerissen?
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18:56 24.04.2019
Die auf der A 1 bei Pölitz (Kreis Stormarn) überfahrene Wölfin wird von den Wolfsbetreuern Björn und Petra Schulz sowie Sohn Jannes geborgen. Quelle: Henrik Schulz
Bad Oldesloe

 Es geschah in der Nacht auf Ostersonntag, als die Fahrerin eines VW Golf auf der A 1 bei Pölitz kurz vor der Anschlussstelle Bad Oldesloe in Richtung Norden einem Wildtier nicht mehr ausweichen konnte und es überfuhr. Der Fahrerin selbst passierte nichts. Aber das Auto war beschädigt. Die Frau rief die Polizei. Die Beamten der Autobahnpolizei Bad Oldesloe konnten an dem Wagen einen Wildschaden feststellen. Sie entdeckten jedoch in der Nacht kein Tier, das nach Aussage der Golf-Fahrerin ein Wolf oder Hund gewesen sein sollte.

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Deshalb kehrten die Beamten am Ostersonntag bei Tageslicht noch einmal zur Unfallstelle auf der Autobahn zurück. Dort fanden sie das verendete Tier auf dem Grünstreifen. Die Polizisten gingen davon aus, dass es sich um einen Wolf handelte und verständigten den zuständigen Wolfsbetreuer des Landes. Und der war sich vor Ort ebenfalls sicher: Ja, es ist ein Wolf. Seinen Angaben zufolge handelt es sich um ein junges, weibliches Tier.„Für uns hatte sich die Sache damit erledigt,“ sagte Polizeisprecher Holger Meier, „das ist für uns ein normaler Wildunfall. Für die Halterin gab es eine Bescheinigung für die Versicherung.“

Untersuchung in Berlin

Noch vor Ort nahm der Wolfsbetreuer Blutproben, machte Fotos und verpackte den Kadaver. Der Bereitschaftsdienst des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume brachte den Wolf anschließend nach Berlin ins Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierkunde, wo genetische Untersuchungen vorgenommen werden.

„Dort kommen alle toten Wölfe aus dem gesamten Bundesgebiet hin“, erklärt Jens Matzen, der Landeskoordinator für alle Wolfsbetreuer in Schleswig-Holstein. Die Untersuchung in Berlin dauert mindestens zehn Tage, bis ein Ergebnis zur Herkunft der jungen Wölfin feststeht. Die genetische Untersuchung könne dann zeigen, ob der Wolf möglicherweise für die Schafsrisse im Lauenburgischen in den vergangenen Tagen verantwortlich ist. „Wir wollen nicht spekulieren und müssen die Ergebnisse der Untersuchung abwarten“, sagte Jana Ohlhoff, Sprecherin des Umweltministeriums in Kiel.

Letzter Riss in Klinkrade

Nach Vorfällen in Duvensee, Groß Boden und Kühsen waren erst am Karfreitag ein Muttertier und ein Lamm in Klinkrade (Kreis Herzogtum Lauenburg) gerissen worden. War es die junge Wölfin, die jetzt an der A 1 getötet wurde? Auch Wolfssichtungen häufen sich in den letzten Wochen. Am Ostersonntag meldete ein Mann aus Dissau (Kreis Ostholstein), er habe zwei Wölfe gesehen. Ende Februar sollen zwei Wölfe auf Lübecker Stadtgebiet gesichtet worden sein. Auch in Schwedeneck bei Kiel soll ein Tier beobachtet worden sein. Jens Matzen, der Landeskoordinator für alle Wolfsbetreuer in Schleswig-Holstein, rechnet zurzeit mit drei bis fünf Einzeltieren im Bundesland.

Bisher nur Einzeltiere

„Solche Unfälle wie diesen auf der A 1 werden wir in Zukunft häufiger sehen, sagt Marcus Börner, der Sprecher des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein, voraus. Wölfe, die etwa ein Jahr alt sind, trennen sich vom Rudel und ziehen dann allein weiter. In nur einer Nacht könne ein Wolf 60 bis 80 Kilometer zurücklegen, könne also aus Mecklenburg-Vorpommern oder Niedersachsen ins nördlichste Bundesland einwandern. Bisher gebe es kein Wolfsrudel in Schleswig-Holstein, sondern nur Einzeltiere. „Gerade an der A 1 kann es zu Unfällen kommen, weil hier in weiten Bereichen kein Wildzaun die Tiere abhält“, sagt Börner.

„Rudel nur eine Frage der Zeit“

Auch Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein rechnet mit einer Zunahme der Zahl von Unfällen, da vermehrt einzelne Wölfe auch entlang der Straßen unterwegs seien. Meist seien das Rüden, diesmal ein weibliches Tier, was selten sei. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann es in Schleswig-Holstein das erste Rudel gebe. Deshalb, so Ludwichowski, sei es bedauerlich, dass diesmal eine junge Wölfin getötet worden sei.

Problemwolf“ abgetaucht

Die Angst vor der Bildung eines Rudels sei ein Grund dafür gewesen, dass Jagd auf den „Problemwolf G924m im Kreis Steinburg gemacht werde, sagte der Nabu-Geschäftsführer. Das Kieler Ministerium hatte vor zwei Monaten die Erlaubnis zur „Entnahme“ des Tiers gegeben und die Frist noch einmal verlängert. „Ich habe hier noch keine Aktivitäten beobachtet“, sagt dagegen Klaus Otto Magnussen, Landwirt aus Rethwisch bei Itzehoe, „ich glaube auch nicht, dass der Wolf wirklich geschossen werden soll“. Magnussen hat inzwischen 13 Schafe und ein Rind durch Wolfsrisse verloren. Erst vergangene Woche seien im Nachbarort Westerhorn zwei Böcke gerissen worden, erzählt er. Im Sommer laufen seine Schafe auf dem Deich, wo sie nicht eingezäunt werden. „Da füttern wir den Wolf an“, sagt Magnussen voraus.

Drei bis fünf Wölfe im Land

Jens Matzen geht davon aus, dass sich derzeit drei bis fünf Wölfe in Schleswig-Holstein aufhalten. Sesshaft ist jedoch keiner bislang geworden, sie ziehen immer weiter, können bis zu 60 Kilometer pro Nacht zurücklegen. Dass hin und wieder ein Wolf überfahren wird, ist laut Matzen gar nicht so ungewöhnlich. „Gerade die A 1 ist sehr gefahrenträchtig, hat an mehreren Stellen gar keinen Wildzaun.“

Seit der ersten Sichtung eines Wolfes in Schleswig-Holstein sind mittlerweile zwölf Jahre vergangen. Zur Erinnerung: 2007 war ein Wolf bei einem Autounfall nahe Süsel (Kreis Ostholstein) getötet worden.

Bereits 2013 war auf der A1 bei Siek im Kreis Stormarn ein Wolf überfahren worden. 

TC/MC/cri

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