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Stormarn Wohnraum für Flüchtlinge wird knapp
Lokales Stormarn Wohnraum für Flüchtlinge wird knapp
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23:29 13.02.2015
Uwe Buddensiek und Camfil-Chef Christian Schulz in der Mitte halten den Scheck. Elvira mit Nikolina, Claudia mit Jovan, Marina Struck und Pastorin Christina Duncker sagen Dankeschön (v.l.). Quelle: Uwe Krog
Reinfeld

Mehr als 1000 Flüchtlinge und Asylbewerber leben im Kreis Stormarn, Tendenz in diesem Jahr stark steigend. Für die Kommunen im Kreis wird es immer schwieriger, die Menschen in Not unterzubringen.

Deshalb hat beispielsweise der Oldesloer Bürgermeister Tassilo von Bary die Wohnungswirtschaft für Ende des Monats zu einem klärenden Gespräch eingeladen. „Wir müssen sehen, wie wir weiter vorgehen können“, erklärt er gegenüber den LN. „Es wird langsam eng.“ Besonders schwierig sei es, Einzelpersonen unterzubringen. „Bei Familien funktioniert das noch.“

Wer mit offenen Augen durch die Kreisstadt ginge, könne sehen, dass es viele Leerstände gebe — am Wendum beispielsweise. Diese leerstehenden Wohnungen würde die Stadt gerne anmieten. „Allerdings müssen wir uns bei der Anmietung an den Hartz-IV-Satz halten.“ Von Bary setzt viele Hoffnungen in das Gespräch mit den Vermietern. „Ich möchte keine Container aufstellen und die Menschen auch nicht zentral unterbringen.“

Derzeit leben 100 Flüchtlinge und Asylbewerber in Bad Oldesloe. 200 Personen, so die Hochrechnung aus dem Bürgeramt, könnten es zum Ende des Jahres sein. „Wir müssen uns darauf einstellen“, so der Bürgermeister. Angst, dass es zu Anschlägen oder Attacken kommt, wie jüngst der Brandanschlag in Escheburg, hat von Bary nicht. „Bad Oldesloe ist groß und kein Dorf“, erklärt er. Zudem gebe es viele Menschen, die sich kümmern würden. „Das klappt toll.“

Auch im Amt Trittau ist die Willkommenskultur groß ausgeprägt, die Zahl der Ehrenamtler, die sich um die ankommenden Menschen kümmern, ist groß. Zur Zeit leben in den Kommunen des Amtes 53 Asylbewerber und 17 anerkannte Flüchtlinge. „Wir haben einen immensen Raumbedarf“, erklärt Sabine Rutsch von der Amtsverwaltung. Die Quote, die das Amt bei der Aufnahme der flüchtenden Menschen erfüllen muss, kann zur Zeit nicht erfüllt werden — zu wenig Wohnraum. „Wir suchen händeringend“, so Rutsch. Und das, obwohl das Amt vergangenes Jahr bereits zwei Häuser gekauft und mehrere Wohnungen angemietet hat. Eine Containerlösung kommt auch für das Amt nicht in Frage. Da könnten die betroffenen Menschen ja gleich mit einem Schild rumlaufen auf dem steht: „Wir gehören nicht dazu.“ Die Flüchtlinge und Asylbewerber „müssen mittendrin sein“, so Rutsch.

„Wir arbeiten an der Grenze“, erklärt Herbert Sczech, Büroleitender Beamter der Stadt Bargteheide. 72 Asylbewerber leben bereits in der Stadt, die geplanten mobilen Wohnheime für die Neuankömmlinge werden allerdings erst in etwa zwei Wochen fertig. Was dazu führt, dass die Stadt am Dienstag eine Zuweisung bekam und bis zuletzt nicht wusste, wohin mit den Menschen. Schwierig bleibt es also erst einmal in Bargteheide.

Andere Erfahrungen macht derzeit das Amt Nordstormarn. „Wir können unsere Quote erfüllen“, so Ralf Menzel, Abteilungsleiter des Ordnungs-, Sozial- und Standesamtes. „Wir sind sehr dankbar, dass uns der Wohnraum zur Verfügung gestellt wird. Die Stimmung ist positiv, es gibt keine Vermieter, die Beschwerden haben.“

Firma Camfil hilft Reinfelds Sprachpaten mit einem Scheck
Kleiner Glücksmoment für Reinfelds Sprachpaten und ihre Schützlinge: Luftfilter-Hersteller Camfil übergab gestern im Gemeindehaus einen Scheck über 1500 Euro.
„Diese Form der Integration unterstützen wir gern“, sagte Christian Schulz, Reinfelder Geschäftsführer der internationalen Firma. Von dem Geld wollen die Helfer das „Hamburger ABC“ kaufen, ein Lehrwerk zur Alphabetisierung — und Kopierer, damit die Inhalte für alle, die bei den Ehrenamtlichen die deutsche Sprache lernen, zugänglich sind. Sprachpatin Sabine Steudel: „Außerdem brauchen wir einen Kindersitz.“ Erst vor wenigen Tagen gab es Probleme, als sie Mutter Nikolina mir ihrem acht Wochen alten Kind zum Arzt fahren wollte. Morgen soll Nikolina getauft werden. Das Problem nur: Die Eltern haben noch keine Papiere. „Solange kann das Standesamt keine Geburtsurkunde ausstellen“, sagt die Sprachpatin. Die Taufe wird aber nicht verschoben. Pastorin Christina Duncker macht eine Ausnahme. ukk

Kerstin Kuhlmann-Schultz