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Stormarn Neuer Glanz zum 800. Geburtstag der Kirche Zarpen
Lokales Stormarn Neuer Glanz zum 800. Geburtstag der Kirche Zarpen
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19:12 05.03.2019
Pastor Nils Wolffson zeigt auf die Deckenmalerei im Altarraum. Experten werden das Gewölbe sanieren und auch fehlende Farbstellen behutsam ergänzen. Quelle: Britta Matzen
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Zarpen

Die Kirche in Zarpen ist eine der ältesten in Stormarn. 1221 wurde sie von den Zisterziensermönchen aus Reinfeld gegründet, die in und um Zarpen Teichwirtschaft betrieben. „Der Weg von Zarpen nach Reinfeld ist ganz schön weit und anstrengend, haben sich die Mönche wohl eines Tages überlegt. Es wäre doch viel schöner, wenn wir in Zarpen eine eigene Kirche hätten“, erzählt Pastor Nils Wolffson von der Entstehungsgeschichte. Gesagt, getan. Mit dem Bau wurde 1221 begonnen, wie aus einer Urkunde aus jener Zeit hervorgeht. Das Besondere an dem Gotteshaus: Anders als das Kloster in Reinfeld errichteten die Mönche die Zarpener Kirche nicht nur für sich selbst, sondern für die ganze Bevölkerung. „Auch die Bewohner der umliegenden Dörfer durften in die Kirche kommen“, so Wolffson. Das war für die damalige Zeit etwas Neues.

Finanzspritze vom Bund?

Die Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn (SPD) besuchte jetzt die Kirche in Zarpen. „Die Finanzierung der notwendigen Arbeiten, die natürlich möglichst zum 800. Geburtstag der Kirche 2021 vollendet sein sollten, übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der Kirchengemeinde. Ich werde mich deshalb für eine Bezuschussung aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes einsetzen“, sagte die Politikerin.

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages habe ein großes Herz für die Kultur im ländlichen Raum. „Um eine Vorstellung zu geben: Es stehen für den Denkmalschutz 2019 sechs Millionen Euro von der Kulturbeauftragten des Bundes bereit. Es ist auf 46 Millionen Euro vom Haushaltsausschuss aufgestockt worden.“ Sie habe sich als Abgeordnete schon mehrfach erfolgreich für die Förderung historischer Projekte von nationaler Bedeutung in Schleswig-Holstein eingesetzt.

Natürlich gebe es mehr Anträge als bewilligt werden könnten. „Aber Tatsache ist, dass es immer geglückt ist, Projekte aus dieser Region auf die Liste zu kriegen“, so Hagedorn. Auch wenn die Kirche in Zarpen nicht der einzige Bewerber für Fördermittel aus Hagedorns Wahlkreis sei. „Aber ich wäre nicht hergekommen, wenn ich mich nicht für ihr Projekt starkmachen würde.“

Von der Kirche in Zarpen war Bettina Hagedorn schwer begeistert. „Wow“, rief sie, als sie den Innenraum betrat und die Deckenmalereien sah. Und noch mal „Wow!“ Hagedorn zückte ihr Handy und fotografierte die Engel, Lilien und Schmuckgirlanden. Sie fände es großartig, wenn zum 800-jährigen Jubiläum die dringend erforderlichen Sanierungsmaßnahmen erfolgreich abgeschlossen werden könnten. Die Kosten dafür betragen rund 200000 Euro. „Dafür soll beim Bund ein 50-prozentiger Zuschuss beantragt werden, über den bereits im Mai entschieden werden könnte“, teilte Hagedorn mit.

Die restlichen 100 000 Euro will die Kirche Zarpen teilweise aus Eigenmitteln finanzieren. Außerdem hofft Pastor Nils Wolffson auf die Unterstützung von Stiftungen und Spenden.

In zwei Jahren steht der 800. Geburtstag des frühgotischen Backsteinbaus bevor. Dafür soll die Kirche nun herausgeputzt werden. Denn der Zahn der Zeit hat dem Innenraum stark zugesetzt. Die Wandmalereien aus dem 15. und 17. Jahrhundert haben sehr gelitten. „Besonders über dem Altarraum sind die Engel mit einem Grauschleier überzogen. Eine Schicht aus Kerzenruß und Staub hat sich über alles gezogen, die muss entfernt werden“, berichtet Pastor Wolffson.

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Botox für die Decke

Zudem habe die letzte Wartung ergeben, dass sich unter der Farbschicht Hohlstellen gebildet hätten. „Diese müssen aufgespritzt werden, damit uns die Decke nicht auf den Kopf fällt“, sagt der Seelsorger. „Man kann das Botox für die Decke nennen, hat der Meister gesagt, der das machen wird.“ Man spritzt Material darunter und füllt die Hohlräume wieder.

Restaurierung kostet 200 000 Euro

„Außerdem haben wir das Problem, dass wir Feuchtigkeit in der Kirche haben.“ Das liegt unter anderem daran, dass Besucher vor allem bei Regenwetter nasse Klamotten in die Kirche tragen, wodurch die Luftfeuchte ansteigt. Auch regelmäßiges Lüften erfolge nicht immer. Experten hatten kürzlich die Klimadaten der Kirche ausgewertet. Ergebnis: „Es wurde festgestellt, dass die erheblichen Salzschäden und feuchten Stellen im Mauerwerk von der hohen Luftfeuchtigkeit stammen“, berichtet der Zarpener.

„Das Bauwerk Kirche ist für die allermeisten Identität, Heimat und Wahrzeichen“, sagte Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn. Das erlebte sie auch in Zarpen.

Noch sei die Gefahr nicht so akut, dass man Bereiche der Kirche absperren müsse. „Aber wenn wir nichts tun, wird es irgendwann dazu kommen“, befürchtet der Pastor. Eine Sanierung ist deshalb dringend angeraten. Rund 200 000 Euro soll die Restauration insgesamt kosten.

„Wir müssen die Feuchtigkeitsschäden beseitigen, dann müssen wir alle Hohlstellen aufspritzen, damit der Putz wieder haften kann. Außerdem müssen die Malereien vor allem über dem Altarraum der Kirche restauriert werden. Dort, wo die drei Engel mit Spruchbändern vom Himmel zu uns herabschauen.“

Klimaregulierung und körpernahe Wärme

Damit in zehn Jahren nicht wieder die nächste Sanierung ansteht, plant Pastor Nils Wolffson zudem, eine Klimaregulierung zu installieren. „So ein System gibt es schon in den Kirchen von Klein Wesenberg und Hamberge. Die Klimaregulierung steuert dort die Heizung intelligent und öffnet die Fenster automatisch, damit die Feuchtigkeit entweichen kann.“ Zudem soll das Heizsystem auch umgestellt werden. „Körpernahe Wärme wollen wir einsetzen. Unter den Bänken wird die Heizung installiert. Das hat den großen Vorteil, dass die Menschen das Gefühl haben, es ist warm, auch wenn nicht der ganze Innenraum voll beheizt ist.“ Das ist nicht nur energiesparender, sondern vermeidet Schäden an der Malerei oder auch an der Orgel, die die Temperaturunterschiede nicht gut vertragen.

Projekt „Himmelwärts“

„Himmelwärts“ hat der Zarpener Pastor das Sanierungsprojekt der Zarpener Kirche genannt. Er hat sich bei der Namensgebung von dem kleinen Kirchenführer inspirieren lassen, der für Besucher ausliegt. „Wenn man die Kirche betritt, geht der Blick, und so sagt es auch der Kirchenführer, himmelwärts. Man schaut nach oben, weil die Malerei so beeindruckend ist, die man dort sieht“, schildert Wolffson. Fröhliche Engel mit ausgebreiteten Flügeln und güldenem Haar sowie schwungvolle Ornamente zieren die Kreuzgewölbe. Die Malereien haben nichts von Schwere, im Gegenteil: Ganz leicht wird einem beim Betrachten ums Herz.

Neues Lichtkonzept

Was ebenfalls zu der Sanierungsmaßnahme gehört, ist ein ganz neues Lichtkonzept. Wolffson: „Aktuell gibt es zwei Kronleuchter und ein paar Funzeln. Die können den ganzen Raum erhellen oder eben nicht. Damit man auch sieht, was wir da schön sanieren, muss alles ordentlich ausgeleuchtet werden.“ Die Idee ist, dass man nachher die Decke ausleuchten und den unteren Bereich abdimmen kann. „Oder auch anders herum, wenn wir unten singen wollen und die Decke nicht so im Mittelpunkt stehen soll.“

Britta Matzen

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