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Stormarn Unbekannte feuern Schrotkugeln auf Kater „Filou“ ab
Lokales Stormarn Unbekannte feuern Schrotkugeln auf Kater „Filou“ ab
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08:49 11.07.2019
„Filou“ auf dem Schoß von Frauchen Annaliza Preugschat. Eine der zahlreichen Schrotkugeln, die auf den Kater abgeschossen wurden, traf den linken Hinterlauf und brach den Mittelfuß. Quelle: Dorothea von Dahlen
Zarpen

Annaliza Preugschat ist entsetzt. Unbekannte haben eine ganze Ladung Schrotkugeln auf ihren Kater „Filou“ abgefeuert. Die Zarpenerin hat den Fall gleich bei der Polizei in Reinfeld zur Anzeige gebracht. Doch Hinweise auf den Täter gibt es offenbar noch nicht. Das ist inzwischen der zweite Fall von Tierquälerei in Nordstormarn innerhalb weniger Wochen. In Bad Oldesloe wurde der Kater „Rocky“ durch Munition aus einem Luftdruckgewehr schwer verletzt. Das Tier verlor dabei sogar ein Auge.

GPS-Tracker rettete dem Kater das Leben

Dass sich „Filou“ ab und an auf die Socken macht, um seine Umgebung zu erkunden, war Annaliza Preugschat schon gewohnt. Der Kater der Rasse Main Coon ist zwar sehr anhänglich, geht aber auch gern auf Entdeckungstour. Doch dieses Mal machte sich die Zahnarzthelferin ernsthafte Sorgen. So lange war der kleine Kerl noch nie weggeblieben. Zum Glück trägt „Filou“ einen GPS-Tracker am Halsband. Damit lässt sich der Aufenthaltsort eines besenderten Tieres mithilfe einer App in Echtzeit ganz genau bestimmen.

Seit er angeschossen wurde, ist Kater „Filou“ sehr scheu und hat Angst vor Menschen. Quelle: Dorothea von Dahlen

Als sie die Ortung aktivierte, stellte sich heraus, dass „Filou“ sich seit Stunden nicht von der Stelle bewegt hatte. „Erst dachte ich, er hat vielleicht sein Halsband verloren, weil er seine Position nicht wechselte“, erzählt Annaliza Preugschat. Um sicher zu gehen, begab sie sich auf die Suche. Im Zarpener Wohld dann wurde sie fündig. Mitten in einem Feld sah sie „Filou“ hocken. Auf ihr Rufen hin, kam er aber nicht. Er war unfähig, sich zu rühren und jammerte kläglich. An Ohr und Kopf klebte überall getrocknetes Blut. Ohne GPS-Tracker wäre er vermutlich verendet.

Bei Verbandswechsel traten Schrotkugeln zutage

Diese Röntgenbilder zeigen, wo die Schrotkugeln saßen, bzw. zum Teil immer noch sitzen, von denen ein Kater in Zarpen getroffen wurde. Quelle: ST

„Später entdeckte ich dann auch die Verletzungen am Hinterteil. Ich nahm erst an, er hat sich mit einem anderen Kater geprügelt oder es sind vielleicht Bisse von einem Marder“, sagt die Zarpenerin. Ganz in Sorge fuhr sie mit „Filou“ gleich zur Tierärztin. Auch sie hatte zunächst keine Anhaltspunkte für innere Verletzungen und behandelte die Wunden des Katers. Erst Tage später beim Verbandswechsel trat dann das ganze Ausmaß zutage. Aus einer offenen Stelle hing ein Haar heraus. Als die Ärztin daran zog, kam plötzlich Schrot zum Vorschein. Damit hatte zunächst niemand gerechnet. Beim anschließenden Röntgen stellte sich heraus, dass etliche Kügelchen verteilt in „Filous“ Körper steckten.

Durch den Schuss brach auch der Mittelfuß

„Elf Kugeln konnte die Ärztin entfernen, neun sind noch dringeblieben. Einige stecken sehr tief in den Muskeln. Die Gefahr besteht, dass wichtige Sehnen verletzt werden, wenn man versucht, sie zu entfernen. Viele Kugeln haben den Bauch getroffen. Durch den Schuss ist aber auch der Mittelfuß des linken Hinterlaufs gebrochen worden“, berichtet Annaliza Preugschat. Bis auf Weiteres bleibe jetzt nichts anderes, als abzuwarten, ob sich der Zustand von „Filou“ stabilisiere. Da er schon für die Erstbehandlung und die zweieinhalbstündige Operation narkotisiert werden musste, sei ein weiterer Eingriff momentan zu riskant. „Wir warten jetzt die Heilung des gebrochenen Fußes ab und entscheiden dann, ob die verbleibenden Kugeln noch Probleme bereiten, sodass auch sie entnommen werden müssen“, sagt die Katzenhalterin.

Diese Schrotkugeln steckten im Körper von Kater „Filou“. Wer ihn angeschossen hat, ist weiterhin unklar. Quelle: Dorothea von Dahlen

Schütze wohl nicht aus der Jägerschaft

Annaliza Preugschat zeigte den Vorfall nicht nur bei der Polizei an, sondern forschte auch selbst nach, wer für die Verletzung von „Filou“ verantwortlich sein könnte. Die Schrotkugeln brachten sie auf eine Idee. Sie sprach einen Jäger aus dem Reinfelder Gebiet an, weil sie wusste, dass sonst niemand mit solcher Munition schießt. „Aber er stritt es ab und sagte, die Jägerschaft verwende keine Bleikugeln. Er hat mir gegenüber allerdings erklärt, Jäger seien berechtigt, auf freilaufende Tiere zu schießen, wenn sie sich mindestens 200 Meter von einem Wohnhaus entfernt aufhalten“, berichtet die Zarpenerin.

War ein Katzenhasser am Werk?

Der Fall des angeschossenen Katers hat bereits Kreise gezogen. Auch Tiertrainerin Elke Schwaiger aus dem benachbarten Rehhorst hat davon mitbekommen. „Jäger machen auch nur ihren Job“, sagt sie. „Der Mensch hat ja sehr in die Natur eingegriffen und er muss regulierend eingreifen, dass bestimmte Populationen nicht überhandnehmen oder geschützte Arten nicht in Gefahr geraten. Wenn also ein Hund ein Kitz reißt, darf er tatsächlich so vorgehen. Aber dass ein Jäger auf Katzen schießt, kann ich mir einfach nicht vorstellen. Und ich habe zu vielen Kontakt, weil sie bei mir ihre Hunde ausbilden.“ Die Verwendung von Bleimunition sei übrigens in der Tat aus Gründen des Naturschutzes verboten. Es bestehe also durchaus die Möglichkeit, dass hier ein Hobbyschütze oder gar ein Katzenhasser am Werk gewesen sei. Sich ein Gewehr zu besorgen, um damit einfach herumzuschießen, sei heutzutage nicht so schwer.

Dorothea von Dahlen

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