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Stormarn Zehn Grad: Frühstart für die Frühblüher
Lokales Stormarn Zehn Grad: Frühstart für die Frühblüher
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15:10 08.01.2014
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Siek

Anfang Januar blühen bei zehn Grad Celsius in Siek die Forsythien: In diesem Jahr lässt der Winter auf sich warten, seit Wochen melden Meteorologen deutliche Plusgrade und milde Witterung. Das führt die Natur an der Nase herum. Knospen sprießen, Blüten öffnen sich und die Rosen treiben — alles viel zu früh. „Man kann nur hoffen, dass es möglichst bald kalt wird“, sagt Olaf Beier, dem die Landgärtnerei Beier in Siek gehört. „Sonst gibt es an den Pflanzen Schäden. Insbesondere die Rosen gehen dann kaputt. So war es schon vor zwei Jahren.“

Damals, so der Fachmann, seien sämtliche Rosen eingegangen, weil nach einem milden Dezember der strenge Frost Ende Januar die Triebe erfrieren ließ. Dagegen könne man auch nichts machen, selbst die beste Verpackung komme gegen minus 15 Grad nicht an. „Schützen kann man nur die Pflanzen, die in Kübeln wachsen“, sagt Beier. Trotzdem plädiert er dafür, den Winterschutz auf den Beeten zu lassen.

Denn er rechnet damit, dass der Winter noch kommt. „Wir brauchen Kälte, damit die Natur zurück gehalten wird“, erklärt Beier. Unter anderem würden sonst die Blüten vor den Bienen kommen, so dass die Bestäubung ausfalle.

In seinem Gewächshaus sind die Blüten bereits da. „Hier ist es durch die milde Witterung so warm, dass Stiefmütterchen, Bellis und Primeln schon knospen“, zeigt Beier. „Wir müssen permanent die Blüten per Hand rausbrechen, sonst sind die Pflanzen verblüht, ehe ihre Zeit gekommen ist.“ Denn keiner pflanzt im Januar Stiefmütterchen in den Garten. Andere Gärtnereien, die Zweige als Schnittblumen anbieten, müssten die Forsythien jetzt schon ernten und ins Kühlhaus legen, bis es Frühling wird. Gleichzeitig lockt das erste Grün auch die Schädlinge aus dem Winterquartier. „Wenn es dann plötzlich Frost gibt, ist das gut für uns“, sagt Beier. „Die Schädlinge erfrieren dann.“

Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Stormarn, sieht noch keinen Grund zur Sorge. „Bisher ist die Wärme kein Problem“, erklärt er, „im Moment ist noch nicht abzusehen, ob die Wärme Auswirkungen auf die Erträge hat.“ Um das Wintergetreide und den Raps stehe es gut. „Das warme Wetter in Oktober und November war für die Kulturen förderlich, der Entwicklungsstand ist gut.“ Was er sich nicht wünscht, ist plötzlicher Frost ohne die schützende Schneedecke für die Pflanzen. „Das würde den Kulturen schaden“, meint Koll.

Er kann dem milden Winter viele gute Seiten abgewinnen. „Der warme Winter senkt die Kosten für die Betriebe“, erklärt er. „Die Ställe müssen zur Aufzucht der Jungtiere geheizt werden, bei der Wärme jetzt spart man spürbar Heizkosten.“ Auch viele Stunden Arbeit durch das Schneeräumen entfielen auf den Betrieben.

Detlef Lienau, Besitzer des Obsthofes Lienau in Neritz, sieht auch noch keinen Grund zur Sorge. „Winter fängt für mich jetzt erst an und geht bis Ende Februar“, sagt er, „wer weiß, was wir in 14 Tagen für Wetter haben.“ Angst müsse man als Obstbauer vor einem kalten Frühjahr haben, nicht vor dem warmen Winter. „Letztes Jahr hatten wir wegen des kalten Frühlings einen Totalausfall bei der Apfelernte.“ Bislang zeigten die Obstbäume jedoch noch keine Knospen, da könne der Winter ruhig kommen.

Igel schlafen trotzdem
„Igel verhalten sich nicht anders als in den Wintern davor“, erklärt Birgit Hansen vom bundesweit aktiven Verein Pro-Igel, die seit 30 Jahren Igel betreut. Da Igel für den Winterschlaf ihre Körpertemperatur bis auf sechs Grad absenken könnten, kämen sie mit zehn Grad gut zurecht. Weil der Herbst mild und nahrungsreich gewesen sei, hätten Igel gute Fettpolster angelegt. „Wir haben Winter, auch wenn es ein warmer Winter ist“, sagt Birgit Hansen.


• Tipps im Internet unter www.pro-igel.de.

Bettina Albrod