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Stormarn Zeitungsausträgerin wird in Reinfeld überfallen und fast überfahren
Lokales Stormarn Zeitungsausträgerin wird in Reinfeld überfallen und fast überfahren
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19:15 17.10.2019
LN-Austrägerin Sabine Schiwkowski. Ein 24-Jähriger hat während ihrer Tour in Reinfeld versucht, ihren Renault Clio zu stehlen und sie dabei fast überfahren. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

Seit 30 Jahren trägt Sabine Schiwkowski aus Reinfeld Zeitungen für die Lübecker Nachrichten aus. Aber mit einem Überfall hat sie nie gerechnet. Es war Dienstagmorgen um 4.30 Uhr in der Früh. Die 62-Jährige bog in Reinfeld mit ihrem roten Renault Clio in die Carl-Harz-Straße ein. Vor der Hausnummer 18 stoppte sie kurz den Wagen, um noch einen Stapel Zeitungen aus dem Kofferraum zu holen. Der Motor lief, Handbremse war gezogen, Leerlaufgang eingelegt. „Ich habe einen Wagen mit GPS-Schlüssel, den habe ich immer bei mir in der Tasche. Ich hatte den Kofferraum geöffnet, weil ich mir noch ein paar Zeitungen aufs Armaturenbrett legen wollte“, erzählte sie. „In dem Moment kriege ich von hinten einen Schubs, jemand ist an mir vorbei und in mein Auto rein. Bevor ich überhaupt wusste, was los war, bin ich zu ihm rum.“

Sie habe noch versucht, den Diebstahl zu verhindern. Sie schrie den Unbekannten an: „Sag mal, spinnst du? Was soll das?“ In dem Moment habe der Mann Vollgas gegeben und sei mit quietschenden Reifen angefahren. Sabine Schiwkowski stand noch halb vor ihrem Fahrzeug, er touchierte sie an den Oberschenkeln. „Wäre ich nicht zur Seite gesprungen, hätte er mich überfahren.“

LN-Austrägerin: „Er hat mir aufgelauert“

Es war noch dunkel. Aber die LN-Austrägerin erkannte den Mann dennoch. „Zwei Minuten vorher, als mein Auto aus war und am Straßenrand stand, ist er an mir vorbeigegangen.“ Schiwkowski ging gerade durch eine Pforte, da sah sie die ganz in schwarz gekleidete Person mit Mütze und Kapuze. „Er kam mir nicht geheuer vor.“ Ihr Gefühl trügte sie nicht. „In dem Moment, als er mich schubste, konnte ich sehen, dass es ein großer, stabiler Mann von Mitte 20 war. Da habe ich ihn gleich erkannt. Es war der, der vorher an mir vorbeigegangen ist. Er hatte mir aufgelauert.“

LN-Austrägerin Sabine Schiwkowski: "Der Überfall hat mich doch ganz schön von den Socken gehauen." Quelle: Britta Matzen

Fahndung nach Täter und rotem Clio

Vom Schreien der Zustellerin und dem Lärm der durchdrehenden, quietschenden Reifen wurde ein Ehepaar in der Carl-Harz-Straße wach. „Die sind auf den Balkon und riefen ,Was ist da unten los?’“ Das Ehepaar sei sofort zu ihr geeilt. „Das Auto war weg, und ich stand da wie perplex. Mein ganzer Körper zitterte.“ Mit bebenden Fingern holte sie ihr Handy aus der Bauchtasche und wählte die 110. Mit zwei Mannschaftswagen rückte die Polizei kurz darauf an, nahm den Vorfall auf und gab per Funk die Fahndung nach dem Tatverdächtigen und dem roten Clio raus.

Der gerade mal anderthalb Jahre alte Renault war das Privatfahrzeug des Opfers. Was Sabine Schiwkowski zudem Sorgen bereitete: „Im Handschuhfach befand sich ihr Portemonnaie mit allen Papieren und Bankkarten. Außerdem 87 Euro.

Vor Wut alle Zeitungen zerrissen

Als die Reinfelderin morgens um acht Uhr auf der Polizeiwache in Reinfeld erscheinen musste, erlebte sie eine Überraschung. „Ich machte die Tür auf, und da stand der Mann plötzlich, der mir das Auto geklaut hatte. ,Das ist er’, sagte ich.“ Danach durfte Sabine Schiwkowski nach Bad Oldesloe zur Kriminalpolizei fahren, die sich des Falles annahm.

Bei der Kripo erfuhr sie, dass ihr Wagen im segebergischen Neuengörs gefunden wurde. Gemeinsam mit den Beamten sei sie nach der Vernehmung zum Abschleppdienst Schacht nach Reinfeld gefahren, wo das Fahrzeug hingebracht wurde. Als sie ihren Clio sah, bekam sie einen Schreck. „Mein Rücksitz war bis obenhin mit zerrissenen Zeitungen vollgestopft. Ich hatte ja noch mehr als 80 LN im Auto, die hat er alle zerfetzt. Die Zeitungen hätte ich ja noch in Heidekamp austragen müssen. Aber das ging ja nun nicht mehr“, schildert die Reinfelderin.

Der Tatverdächtige sei wohl wütend gewesen, weil er kein Handy gefunden habe. „Außerdem muss das Auto die ganze Zeit während der Fahrt gepiept haben, weil ich den Schlüssel in der Tasche hatte. Ich denke, das ist ihm bestimmt auf die Nerven gegangen.“

24-Jähriger festgenommen

Um 4.30 Uhr ist der Überfall passiert. „Um 5.05 Uhr soll der Unbekannte auf dem Dorf Leute aus dem Bett geholt haben, ob sie ihm helfen könnten, er sei liegen geblieben. Die Frechheit hat er ja auch noch besessen“, berichtet die LN-Austrägerin. Gegen 5:30 Uhr wurde im Bereich Neuengörs/Stubben das gestohlene Fahrzeug verlassen und unbeschädigt aufgefunden. Das Geld aus dem Portemonnaie war allerdings verschwunden.

„Durch Hinweise von Zeugen und aufgrund der guten Täterbeschreibung konnte im späteren Verlauf ein 24-jähriger Mann aus Reinfeld als Tatverdächtiger ermittelt werden“, teilt Dr. Ulla Hingst, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Lübeck, mit. Dieser habe sich wenig später in Begleitung einer Person bei der Polizei gemeldet. Unter dem Hinweis, er werde wohl gesucht. Der 24-Jährige wurde direkt festgenommen. „Nach Beratung durch einen Rechtsanwalt äußerte sich der junge Mann zum Tatvorwurf allerdings doch nicht“, so Hingst.

Beschuldigter sitzt in U-Haft

Mittwochvormittag hat das Amtsgericht Lübeck auf Antrag der Staatsanwaltschaft Untersuchungshaftbefehl wegen des dringenden Verdachts des räuberischen Diebstahls, des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, der versuchten gefährlichen Körperverletzung und – da der Mann über keine Fahrerlaubnis verfügt – des Fahrens ohne Fahrerlaubnis erlassen. Der Beschuldigte kam in die Justizvollzugsanstalt Lübeck.  

„Das Gesetz sieht als Strafrahmen eine Freiheitsstrafe von einem bis zu 15 Jahren vor, für das, was dem Tatverdächtigen vorgeworfen wird“, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der 24-Jährige ist kein Unbekannter. Hingst: „Der Haftgrund lautet auf Wiederholungsgefahr, weil eine entsprechende Vorstrafe besteht.“

Sabine Schiwkowski ist froh, dass der Mann gefasst werden konnte und im Gefängnis sitzt. „Ich habe die letzten beiden Nächte kein Auge zugetan. Dabei bin ich eigentlich recht tough und sage immer, da musst du durch. Aber das hat mich doch ganz schön von den Socken gehauen.“

Klicken Sie sich durch die Bildergalerie, um einen Blick in die JVA in Lübeck werfen zu können.

Von Britta Matzen

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