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Stormarn Zeuge ließ Angeklagten aus Angst in Auto übernachten
Lokales Stormarn Zeuge ließ Angeklagten aus Angst in Auto übernachten
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00:14 11.03.2017
Der Verteidiger von Sven S.: Dirk Bachmann. Quelle: Foto: Jeb
Lübeck/Bargteheide

Am vierten Prozesstag um den Mord an Svea T. vor dem Lübecker Landgericht haben am gestrigen Freitag Beamte der Mordkommission und des Kriminaldauerdienstes ausgesagt.

Ein Beamter beschrieb die Festnahme des Angeklagten Sven S. auf dem Campingplatz am Bredenbeker Teich in Ammersbek. Der Tipp sei schon früh am Morgen bei der Polizei eingegangen, das Spezialeinsatzkommando sei dann dort hingefahren und habe den Angeklagten widerstandslos festgenommen. „Ich habe den Angeklagten mit einem Kollegen nach Lübeck zum Zentralgewahrsam gebracht. Noch während der Fahrt habe ich den Mann belehrt und ihn auch nach seiner Waffe befragt“, gab der Kriminalbeamte zu Protokoll. Sven S. habe ihm gesagt, dass er nicht wisse, was mit der Waffe sei, und außerdem habe er zehn Gramm Kokain zu sich genommen.

In einer Vernehmung soll Sven S. später geschildert haben, dass sein Fluchtweg von Bargteheide über Ahrensburg nach Ammersbek geführt hatte. Auf der Strecke in Richtung Ammersbek habe er sich an einem Feld hingelegt und dort möglicherweise Handy und Waffe liegen gelassen. Doch eine Suche am selben Tag blieb erfolglos. Richter Christian Singelmann wollte wissen, ob er sich an Suizidgedanken des Angeklagten erinnern könne. Das verneinte der Beamte.

Der Leiter des Kommissariats 1 hatte Sven S. zweimal in der Gewahrsamszelle vernommen. Doch erst nach einem Anwaltsgespräch machte S. Angaben zum Verbleib der Waffe. Sie sollte in einem Tümpel in Bargteheide liegen und nicht geladen sein. Auch die Munition, etwa 10 bis 15 Patronen, sollten dort liegen. Bei einem Ortstermin zeigte S. den Ermittlern die Stelle in dem kleinen Wäldchen, wo nach mehrtägiger Suche dann auch die Waffe, ein Colt „Python 357 Magnum“, und Patronen gefunden wurden. S. habe damals den Wunsch geäußert, dass die Polizei ihn doch erschießen möge, beispielsweise bei einem Fluchtversuch.

Auch der vermeintliche Freund, bei dem Sven S. am Campingplatz untergekrochen war, sagte gestern aus. Er habe Angst um sich und seine kleine Tochter gehabt, deshalb habe er dem Angeklagten sein Auto zum Übernachten überlassen.

„Er stand in der Nacht plötzlich vor meinem Wohnwagen“, sagte der Zeuge, der den Angeklagten sechs Monate vor der Tat kennengelernt hatte. Er habe seinen Bekannten gedrängt, sich zu stellen, doch der habe das abgelehnt. „Er sagte, er habe nicht die Frau, sondern sich selbst töten wollen. Sie habe ihm die Waffe wegnehmen wollen, die er sich an den Kopf gehalten habe und dabei seien die Schüsse gefallen“, sagte der Zeuge aus. „Doch das habe ich dem Angeklagten nicht geglaubt.“ Er habe schließlich einen Bekannten per WhatsApp gebeten, die Polizei zu informieren.

Der Prozess wird am 22. März fortgesetzt. Ein Urteil wird für Mitte Juni erwartet.

 Jens Burmester

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