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Stormarn Zu wenig Mithilfe: Heilshooper Dorfgemeinschaft vor dem Aus?
Lokales Stormarn Zu wenig Mithilfe: Heilshooper Dorfgemeinschaft vor dem Aus?
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16:00 10.09.2019
Jede Menge Spiele und Aktivitäten gab es für die Kinder beim Dorf- und Kinderfest in Heilshoop. Quelle: Privat
Heilshoop

Die Kleinsten wären die Leidtragenden: Wenn sich keine weiteren Helfer für die Dorfgemeinschaft finden, ist mit den Kinderfesten und Laternenumzügen in Heilshoop Schluss. So viel ist sicher: Da werden Tränen kullern.

Das Königsbild vom Kinderfest Heilshoop 2019. V.l.: Jesko Weber, Max Levermann, Emily Rohr, Selina Rondeshagen. Oben v.l.: Luca Rohr, Luna Hein, Kevin Schaden und Fiona Stahl. Quelle: Dorfgemeinschaft Heilshoop/HFR

Heilshoop ist mit seinen 540 Einwohnern weit über die Grenzen der Gemeinde als „verdammt nettes Dorf“ bekannt. Es gibt einen gut funktionierenden Kindergarten, ein schönes Landcafé, bäuerliche Betriebe – kurz: Idylle pur. Die meisten Bewohner können sich kein schöneres Dorf vorstellen. Sie schätzen vor allem die Gemeinschaft und dass immer etwas los ist. Aber genau hier liegt der Hund begraben.

Früher wurde Gemeinschaft und Engagement in der Nordstormarner Gemeinde großgeschrieben. „Aber jetzt besteht unsere Dorfgemeinschaft nur noch aus sieben Helfern. Vier Frauen und drei Männer sind wir“, sagt die Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, Dagmar Stolten. Bei der Jahresversammlung habe sich kein anderer gerührt, um freiwillig Aufgaben zu übernehmen.

Immer weniger Helfer

Heilshoop ist kein Einzelfall. Solche Situation haben wir in vielen Dörfern“, sagt Nordstormarns Amtsdirektor Stefan Wulf. Es werde immer schwerer, Helfer zu mobilisieren. So musste das Kinderfest in Ratzbek wegen mangelnder Beteiligung und Mithilfe aus dem Dorf in der Vergangenheit schon mal abgesagt werden. Auch in Badendorf gebe es ähnliche Probleme wie in Heilshoop.

„Es ist ein gesellschaftliches Problem. Viele junge Menschen ziehen aus der Stadt ins Dorf, und sie haben einen gewissen Anspruch, was geboten wird. An die Organisation müssen sie aber erst herangeführt werden“, so Wulf. In den Kindergärten funktioniere es mit der Mithilfe schon ganz gut, aber dann reiße es oft wieder ab, sobald die Kinder eine weiterführende Schule in der Stadt besuchten.

Wulf: „Dabei wird das Ehrenamt zunehmend wichtiger. Das merken wir an allen Ecken und Enden. Wenn man zum Beispiel ein Dörpsmobil organisieren will, muss man einen Verein gründen und man braucht einen Kümmerer. Das wird immer schwerer.“

Hinzu komme, dass die Gemeinden wenig Möglichkeiten hätten, das Engagement wertzuschätzen. „Es sind so viele Hürden gesetzt, wenn man etwa ehrenamtlich engagierten Müttern freien Eintritt ins Freibad ermöglichen will. Das muss man an geldwerten Vorteil denken. Oder es werden einem irgendwelche Knüppel durch Neider in die Speichen gesteckt“, so die Erfahrung des Amtsdirektors. Kuchenspenden seien früher gang und gäbe gewesen. „Heute gibt es so viele Auflagen mit Spuckschutz und so, das führt auch zu Verdruss.“

Abgespeckter Laternenumzug

„Beim Laternenfest am 19. Oktober müssen wir deshalb abspecken“, sagt Stolten. Wurde in den vergangenen Jahren ein riesiges Zelt auf dem Festplatz aufgebaut, ist das in diesem Jahr gestrichen. „Allein für den Zeltaufbau bräuchten wir zehn bis 15 Leute, dazu einen Trecker und einen großen Anhänger, weil das Zeltgestänge so massiv und schwer ist.“ Nun wird nach dem Umzug im kleineren Rahmen im Gemeinschaftshaus gefeiert.

Dagmar Stolten ist die Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Heilshoop. Quelle: privat/HFR

Acht Jahre ist Dagmar Stolten als Vorsitzende der Dorfgemeinschaft im Einsatz. „Außerdem habe ich einen 33-Stunden-Job, zwei wunderbare Töchter, einen Hund, ein Haus und bin alleinerziehend“ – so beschreibt die Heilshooperin ihren Steckbrief. Zusätzlich ist sie im Gemeinderat und Schulelternbeirat tätig. Da mag sich mancher wundern, wie die 46-Jährige es schafft, noch zusätzlich die vielen Aufgaben für die Dorfgemeinschaft zu wuppen. Sie organisiert nicht nur den Laternenumzug und das zweitägige Dorf- und Kinderfest, sie hilft auch beim Auf-und Abbau sowie dem Getränke- und Eisverkauf.

„Daneben habe ich fürs Kinderfest auch noch weitere Aufgaben übernommen, weil sich keiner gefunden hat. Tombola-Sammlung und Geschenke für die Kinder einkaufen.“ Damit nicht genug. Es gibt auch Arbeit, die keiner sieht: „Wenn die Leute beim Abbau weg sind und ich nach Hause fahre, habe ich das ganze Auto voller Gedöns. Da muss ich erst mal aussortieren, Handtücher waschen, Leergut wegbringen – Stunden habe ich damit zu tun.“

Vorsitzende Stolten will aussteigen

Doch jetzt hat Dagmar Stolten die Nase voll vom Geschleppe und dem Stress. Im nächsten Jahr möchte sie ihren Posten als Vorsitzende der Dorfgemeinschaft abgeben. „Wir werden nächstes Jahr mit zwei, drei Leuten aus der Dorfgemeinschaft aussteigen.“ Ein Mitglied sei jetzt schon aus Frust ausgetreten, weil so wenig Unterstützung von anderen Dorfbewohnern komme. Auch bei Dagmar Stolten ist die Enttäuschung groß. „Dieses Jahr haben wir beim Kinderfest eine große Abenddisco für Erwachsene veranstaltet, die super angenommen wurde und viel Spaß gemacht hat. Aber von den 200 Gästen waren zum Aufräumen am nächsten Tag außer der Dorfgemeinschaft vielleicht nur eine Handvoll Leute da.“ Bitter sei das gewesen.

Überhaupt sei es schwierig in der heutigen Zeit, Helfer zu motivieren. „Es hat wohl einfach nicht mehr den Stellenwert, sich in der Gemeinschaft zu engagieren.“ Manche führten an, sie könnten es beruflich nicht einrichten, andere meinten, sie hätten schon mehrere Ehrenämter. „Ich glaube, die Leute sind heute einfach ein Stück weit egoistisch. Neben der Arbeit etwas für andere zu tun, ist wohl aus der Mode gekommen. Das ist sehr schade, und ich finde es auch sehr traurig. Ich habe neulich schon gesagt, wir haben nur noch Waisenkinder im Dorf, weil keiner mehr aus dem Quark kommt. Auch die Väter nicht.“

Mangelnde Unterstützung kein neues Phänomen

Ein neues Phänomen ist die mangelnde Unterstützung für die Dorfgemeinschaft in Heilshoop nicht. „Seit Jahren krauchen wir rum“, sagt die Vorsitzende. Jetzt ist es kurz vor zwölf. Einen letzten Versuch will die Dorfgemeinschaft dennoch starten: „Wir wollen ordentlich trommeln, um Helfer zu akquirieren. Dann wird sich zeigen, ob den Heilshoopern unsere Dorffeste wichtig sind“, betont Stolten. Zehn Leute mehr bräuchte die Dorfgemeinschaft schon. Stolten: „Dann kann man die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen, und alles ist nicht so krass.“ Zum Beispiel gebe es organisatorische Aufgaben, die man zu Hause vom PC oder Telefon aus erledigen könne. „Auch jeder, der eine Idee hat, wie wir es anders und besser organisieren können, ist herzlich eingeladen“, sagt die Vorsitzende.

Kontakt zu Dagmar Stolten unter Telefon 01 76/83 69 73 69.

Von Britta Matzen

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