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Stormarn Zu wenig Pflegekräfte: Beschwerden nehmen zu
Lokales Stormarn Zu wenig Pflegekräfte: Beschwerden nehmen zu
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21:33 21.02.2018
Festhalten! Die Lage in den Pflegeheimen wird immer angespannter.
Festhalten! Die Lage in den Pflegeheimen wird immer angespannter. Quelle: Foto: Dpa
Bad Oldesloe

3777 Plätze gibt es in 50 Alten- und Pflegeheimen in Stormarn, dazu kommen 931 Plätze in reinen Altenheimen und neun Tagespflege-Einrichtungen mit 188 Plätzen.

Viele Plätze

Der Trend geht zu immer größeren Einrichtungen. Mittlerweile gibt es schon 16 Häuser mit mehr als 100 Plätzen. Lediglich vier Heime gibt es noch mit bis zu als 30 Plätzen.

Bei der Heimaufsicht des Kreises sind nach einer Aufstockung um eine Stelle fünf Personen beschäftigt.

Bedingt durch den demografischen Wandel, ist die Zahl der Pflegeplätze in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Noch vor 15 Jahren gab es lediglich rund 2300 Plätze in Alten- und Pflegeheimen.

Diese Zunahme ist auch ein Grund für die steigende Zahl an Beschwerden über die Zustände in einigen Einrichtungen.

„Im Moment gibt es täglich eine Beschwerde“, berichtete Sabine Blunk, Pflegefachkraft bei der Stormarner Heimaufsicht, am Dienstag im Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreises. Im Jahr 2017 hatte die Heimaufsicht 70 Beschwerden gezählt. Schon das war ein negativer Rekord im Vergleich zu den Vorjahren.

Die meisten Missstände gibt es in der Pflegequalität, zum Beispiel bei der Körperpflege, dem Kleiderwechsel oder der Inkontinenz-Versorgung. Andere Beschwerden erreichen die Heimaufsicht zur Arzneimittel-Versorgung (Verabreichung zu falschen Uhrzeiten, Haltbarkeit der Medikamente) oder zum Personaleinsatz. „Schichten sind unzureichend besetzt, oder die Mitarbeiter verfügen nicht über ausreichende Sprachkenntnisse“, erklärte Blunk. Ihr Kollege Horst Gerlach wusste von einem besonders krassen Fall zu berichten, bei dem eine große Einrichtung es mit rund 80 Prozent ausländischer Fachkräfte aus etwa Spanien, Bosnien oder Albanien probierte, jedoch am Ende mit dem Versuch scheiterte.

Probleme in großen Einrichtungen

Überhaupt gebe es die meisten Beschwerden in den großen Einrichtungen mit mehr als 100 Plätzen. „Mittlerweile werden die Vorwürfe bei unseren Prüfungen meistens auch bestätigt“, erklärt Gerlach. Die meisten Beschwerden kämen von Angehörigen, gesetzlichen Vertretern oder mittlerweile auch vermehrt von Mitarbeitern. „Die beklagen sich über die Arbeitsbedingungen, was dann aber wiederum ein Fall für die Unfallkasse ist“, erläutert Blunk.

Das größte Problem in den Einrichtungen ist der Fachkräftemangel. In fast der Hälfte der Betriebe wurde die gesetzlich vorgeschriebene Fachkraftquote von 50 Prozent unterschritten, in drei Einrichtungen lag sie sogar unter 40 Prozent. In der Folge verfügte die Heimaufsicht dreimal einen Belegungsstopp, viermal verzichtete ein Pflegeheim sogar selbst auf eine weitere Belegung. Dreimal wurde ein Zwangsgeld festgesetzt.

61 Stellen sind nicht besetzt

Bei der Arbeitsagentur Bad Oldesloe sind derzeit 61 Stellen für ausgebildete Pflegekräfte in der Altenpflege im Kreis Stormarn gemeldet. „Dem gegenüber sind aktuell gerade mal drei Bewerber auf Jobsuche“, berichtet Pressesprecher Stefan Schröder.

„Ausgebildete Pflegefachkräfte werden überall händeringend gesucht. Die Einrichtungen in Stormarn haben einen großen Bedarf, gerade an examinierten Altenpflegern“, erklärt Robert Nobiling, Geschäftsführer Operativ bei der Agentur für Arbeit. Über ein spezielles Programm habe die Arbeitsagentur im vergangenen Jahr die Qualifizierung von rund 60 Arbeitnehmern von der Hilfskraft zur Pflegefachkraft gefördert.

Außerdem gebe es das Angebot der Beruflichen Schule Bad Oldesloe, sich zum Pflegeassistenten ausbilden zu lassen, erklärt Margot Sinning, Vorsitzende des Kreissozialausschusses.

 Markus Carstens