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Auto und Verkehr Warum fuhr das Auto in die Eisdiele?
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21:10 26.01.2017
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Bremervörde

Es war ein heißer Sommertag, und sie wollten ein Eis essen. Mehrere Menschen trafen sich in dem Eiscafé in Bremervörde, als plötzlich ein Auto ungebremst in das kleine Lokal fuhr. Ein zweijähriger Junge und ein 65-jähriger Mann starben, neun Menschen wurden teils schwer verletzt, darunter die Fahrerin des Wagens. Wie konnte es zu dem Unglück kommen? Aufklärung soll der Prozess bringen, der heute vor dem Amtsgericht Bremervörde begann.

Angeklagt ist die 60 Jahre alte Autofahrerin, die zum Auftakt der Verhandlung gestützt auf eine Krücke in den Gerichtssaal kam. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau fahrlässige Tötung vor. Sie geht davon aus, dass die Frau kurz vor dem Unfall einen epileptischen Anfall hatte und deshalb die Kontrolle über das Fahrzeug verlor. Laut Anklageschrift hatte sie ihre Medikamente nicht genommen. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hätte sie wissen können, dass sie nicht fahrtüchtig war.

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Die Angeklagte bestritt dies zum Prozessauftakt. Sie berichtete zwar von gesundheitlichen Problemen und gelegentlichem Alkoholkonsum, an die Diagnose einer Epilepsie-Erkrankung konnte sie sich aber nicht erinnern. Auch ärztliche Hinweise, dass sie nicht mehr in der Lage sei, Auto zu fahren, seien ihr nicht bekannt. Rechtsanwalt Andy-Michael Kokoc, der die Eltern des getöteten Zweijährigen als Nebenkläger vertritt, zeigte sich davon überrascht. „Es gibt eindeutige Anzeichen, dass eine Erkrankung vorlag. In der Akte findet sich auch die Vorerkrankung Epilepsie“, sagte er.

„Es war verwunderlich, dass die Angeklagte davon nichts mehr wissen wollte.“ Um den Sachverhalt zu klären, stellten die Nebenkläger den Antrag, die behandelnden Ärzte zu befragen. „Es ist ja nicht normal, dass jemand schnurstracks in eine Eisdiele fährt. Eine gut nachvollziehbare Erklärung wäre dieser epileptischer Anfall. Das muss aufgeklärt werden.“

Die Frage nach dem Warum konnte die Angeklagte den Angehörigen der Opfer zunächst zwar nicht beantworten, aber sie bot ihnen eine Entschuldigung an. Es tue ihr entsetzlich leid, sagte die weißhaarige Frau. Den Hinterbliebenen sprach sie ihr Beileid aus.

„Es kam eine Entschuldigung, und das ist ganz wichtig für den Trauerprozess und für den Bewältigungsprozess“, sagte Kokoc. Der erste Prozesstag sei für seine Mandanten wichtig und gleichzeitig schrecklich gewesen. Ziel sei die Aufklärung. „Unsere Aufgabe ist auch, dazu beizutragen, die Wahrheit herauszufinden.“

Das Gericht hat zwei Fortsetzungstermine bestimmt, am kommenden Dienstag soll es weitergehen. „Es geht um die Aufklärung, ob sie tatsächlich an Epilepsie gelitten hat, ob ihr die Erkrankung bekannt war und ob sie die ihr verordneten Medikamente genommen hat“, sagte der Direktor des Amtsgerichts Bremervörde, Helmut Claudé. Aufgrund der gesundheitlichen Probleme der Angeklagten soll jeweils nur einige Stunden verhandelt werden.

LN

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