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14:30 16.02.2021

Lübeck: Die ältesten ihrer Art

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Lübecks ältester Baum. Wenn man die „Kaisereiche“ betrachtet, kann man ins Philosophieren kommen. Seit ungefähr 400 Jahren steht sie in den Wallanlagen in der Nähe des Kaisertors. Daher hat sie ihren Namen. (Woher das Kaisertor den Namen hat, ist unbekannt.) Ihr Stamm hat einen Umfang von sechs Metern. Sie sieht vielleicht nicht mehr schön, aber dafür umso beeindruckender aus. Bäume sterben nicht von einem Moment auf den anderen wie Menschen oder Tiere. Über die Jahrhunderte sind immer größere Teile der Eiche abgestorben, aber trotzdem wird sie im Frühling wieder austreiben und neue Blätter bilden. Als sie ein junger Baum war, war das Kaisertor längst zugemauert, die Stadt brauchte es nicht. Als der Elbe-Lübeck-Kanal gebaut wurde, öffnete die Stadt das Tor wieder. Da war die „Kaisereiche“ schon weit mehr als 200 Jahre alt. Nach allem, was man im Bereich Stadtgrün weiß, ist sie der älteste Baum Lübecks. Sie darf sich „Naturdenkmal“ nennen. Falls ihr das etwas bedeutet.

Quelle: 54°/Felix König

Lübecks älteste Urkunde. Lesen und schreiben war nichts, was man als normaler Einwohner Lübecks im 12. Jahrhundert können musste. Wenn doch einmal etwas schriftlich geregelt wurde, dann musste es schon sehr wichtig sein. So wie im Fall dieser Urkunde aus dem Jahr 1182 oder 1183, der ältesten, die es im Lübecker Stadtarchiv gibt. Sie ist, wie immer in dieser Zeit, in lateinischer Sprache verfasst. Ausgestellt hat sie ein gewisser Arnold, der erste Abt des Johannisklosters (auf dem Gelände des heutigen Johanneums). Was war so wichtig? Es ging, wie so oft im Mittelalter, um das komplizierte Verhältnis zwischen weltlicher und kirchlicher Macht. Im Dombezirk konnte die Kirche tun und lassen, was sie wollte – aber nicht im übrigen Stadtgebiet, zu dem auch das Johanniskloster gehörte. Die Urkunde legt fest, zu welchen Bedingungen das Kloster Grund und Boden in der Stadt in Erbpacht geben darf. „Es ging darum, dass außerhalb des Dombezirks der Einfluss der Kirche nicht gewünscht war“, erklärt Dominik Kuhn vom Stadtarchiv. „Die Stadt sollte kein Flickenteppich sein, und das Kloster sollte nicht die Gerichtsbarkeit über die Pächter haben.“

Quelle: Archiv der Hansestadt Lübeck

Lübecks ältestes Uhrwerk. Sieben Jahre noch, dann wird die Lettneruhr im Dom 400 Jahre alt, und sie ist noch immer gut in Schuss. Nicht nur das, was man von außen sieht – die halb schwarze, halb vergoldete Mondkugel, die Sonne, die die Augen bewegt, die harte Glocke, die den Tod symbolisiert, die sanfte Glocke, die den Glauben symbolisiert. Sondern auch die Technik. Wenn es nicht so wäre, würde Andreas Groth (78) es als einer der ersten merken. Zweimal am Tag wird das Uhrwerk aufgezogen, viermal in der Woche übernimmt Groth die Aufgabe: Hundertmal an der Kurbel drehen, und der Mechanismus aus großen, gusseisernen Zahnrädern läuft wie, nun ja: wie ein Uhrwerk. Mal geht die Uhr ein bisschen vor, mal ein bisschen nach. „Gerade geht sie ein bisschen schneller. Wenn ich sie aufziehe, halte ich sie kurz an“, sagt Groth. Man müsste, sagt er, vielleicht das Pendelgewicht nachjustieren. Aber was sind ein paar Minuten gegen 400 Jahre?

Quelle: Olaf Malzahn
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