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15:03 03.01.2017

Lübeck früher und heute

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Am 3. September 1959 machte der LN-Fotograf dieses Bild von einer Straßenbahn der Linie 1 auf ihrer Fahrt über die Herrenbrücke. Zweieinhalb Monate später fuhr in Lübeck die letzte Straßenbahn. Und fünf Jahre später wurde die Brücke abgerissen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte es an dieser Stelle gar keine feste Querung der Untertrave gegeben, sondern nur eine Fähre. Erst nachdem der Flusslauf für den Hafenbetrieb begradigt worden war, baute Lübeck 1902 eine Drehbrücke. Die Stahlkonstruktion tat gut 60 Jahre lang ihren Dienst, bis sie durch den immer schneller zunehmenden Verkehr hoffnungslos überlastet war. Sie hatte zwei Spuren auf einer Breite von 5,50 Metern.

Entlastung brachte die neue, große Klappbrücke, die im August 1964 eingeweiht wurde, zwei Jahre nachdem der Skandinavienkai in Travemünde seinen Betrieb aufgenommen hatte. Die Freude währte allerdings nicht lange. Konstruktionsfehler legten immer wieder den Klappmechanismus lahm. Das Warten im Stau an der Herrenbrücke wurde zum festen Bestandteil der Lübecker Lokalfolklore. Zu den Konstruktionsfehlern kam der immer noch schneller zunehmende Verkehr. Vor allem der Schwerlastverkehr setzte der Brücke zu.

Quelle: LN-Archiv

Nach nur 41 Jahren war die neue Brücke schon wieder Geschichte. Im August 2005 fuhren die ersten Autos durch den Herrentunnel, und die Herrenbrücke wurde abgerissen. Der Tunnel hat bisher technisch keine nennenswerten Probleme bereitet, und Staus gibt es auch nicht – eher im Gegenteil: Die Zahl der Durchfahrten ist weit hinter den Prognosen zurückgeblieben.

Nach dem Warnowtunnel in Rostock ist der Herrentunnel das zweite Bauwerk seiner Art, das ein privater Investor baut und betreibt. Gekostet hat er 180 Millionen Euro. Um wenigstens einen Teil davon wieder hereinzubekommen, erhebt die Herrentunnel Lübeck GmbH für jede Durchfahrt eine Maut – bis zu 1,70 Euro für Pkw und bis zu 13 Euro für Lastwagen. Wer mit dem Bus fährt, muss dagegen nicht draufzahlen. Eine Fahrradspur gibt es nicht, aber dafür einen kostenlosen Pendelbus für Radfahrer und Fußgänger.

Die Lübecker Straßenbahn ist auf vielen historischen Bildern zu sehen, vereinzelt gibt es sogar noch Gleisreste. An die erste, 1964 abgerissene Herrenbrücke aber erinnert kaum noch etwas. Sie ist aus dem Gedächtnis der Stadt verschwunden – wie die Pferdefuhrwerke und Handkarren, die sie anfangs überquerten. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Blick über die Kreuzung Kohlmarkt / Breite Straße / Sandstraße auf das Haerder-Kaufhaus mit dem markanten Übergang zwischen den beiden Gebäuden über der Wahmstraße im Mai 1964.

Quelle: Hans Kripgans
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