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15:03 03.01.2017

Lübeck früher und heute

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Im Jahr 1705 reiste der hochbegabte, junge Organist Johann Sebastian Bach von Thüringen nach Lübeck, um von dem berühmten, alten Kollegen Dieterich Buxtehude zu lernen. Zumindest möglich ist, dass Buxtehude ihn bei sich zu Hause unterbrachte, das heißt: im Marienwerkhaus auf der Südseite der Kirche. Das mittelalterliche Haus war Dienstwohnung des Marienorganisten.

Das Bild, entstanden um 1900, zeigt das alte Marienwerkhaus in desolatem Zustand. Ein unförmiger Vorbau mit einer Schuhmacherwerkstatt und einer aufdringlichen Bier- und Restaurantwerbung verstellt die Sicht auf die gotische Fassade (die wahrscheinlich ursprünglich einen Treppengiebel hatte). Über dem Eingang liegt ein Wellblechdach. Das ganze Haus macht einen ungepflegten Eindruck.

Quelle: Fotoarchiv der Hansestadt Lübeck

Lübeck kann nicht mehr stolz sein auf das Bauwerk mit der prächtigen Kuppel, denn das gibt es so nicht mehr. Die Jüdische Gemeinde baute 1880 eine Synagoge neben dem ehemaligen St.-Annen-Kloster. Das Foto entstand um 1900. Eine Synagoge in der Altstadt: Das war ein selbstbewusstes Zeichen der befreiten Juden. Ihre Emanzipation schien 1852 mit der Gleichstellung auch in Gewerbeangelegenheiten vollendet. Sie waren aber gewarnt: 40 Jahre zuvor hatte Napoleon die Juden schon einmal befreit. Nach dem Abzug der Franzosen waren sie wieder aus der Stadt verjagt worden. Im Ersten Weltkrieg spendete die Jüdische Gemeinde das Kupfer der Kuppel für die Kriegswirtschaft. Nicht lange danach wurde Deutschland nationalsozialistisch, und schon wieder waren Juden in Lübeck nicht sicher. Am 9. November 1938 verwüstete ein Nazi-Mob die Synagoge. Dass sie nicht niedergebrannt wurde, kann sich Lübeck nicht als Verdienst anrechnen.

Quelle: Lutz Roeßler

Der Hauptgrund war nicht, wie die Propaganda nachher behauptete, die Nähe des St.-Annen-Museums: Die Stadt hatte schon andere Pläne für das Gebäude. Im August 1938 hatte die Jüdische Gemeinde es ihr aus lauter Verzweiflung zum Kauf angeboten. 1939 griff die Stadt zu – für einen Spottpreis. Die neuen Herren zerstörten die Kuppel, rissen die Fassade ab, ersetzten sie durch eine schlichte, neue, und quartierten dahinter ein Kindertagesheim, eine Schulwerkstatt, eine Turnhalle und ein Lager für Theaterrequisiten ein.

Seit 2014 wird die Synagoge mit Mitteln von Possehl-Stiftung, Land und Bund für mehr als acht Millionen Euro saniert. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich bis 2019 dauern.

Quelle: Lutz Roeßler
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