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Georg Fiedler (19) und Kolja Wächter (19) reisen durch Südamerika Auf kleinen Hexen und tubend durch den Regenwald
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15:44 16.12.2015
Transport auf Kolumbianisch: Georg und Kolja fuhren mit einer Brujita zu dem kleinen Ort San Cipriano in Kolumbien. Quelle: privat
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Nach zehn Tagen in Bogotá, Kolumbien, ging unsere Reise weiter Richtung Süden und unsere nächste Station war Cali, die offizielle Hauptstadt des Salsa. Die zehnstündige Busfahrt haben wir in zwei Teile aufgeteilt, mit einem Zwischenstopp in Armenia, einer kleinen Stadt im "Eje Cafetero", auch "Triángulo del Café" (zu Deutsch: kolumbianisches Kaffeedreieck) genannt.

Über den Dächern von Cali


Zwei-Millionen-Stadt Cali


Händler: Unser "Hahn am Morgen"


Georg auf seinem Plastikstuhl


Mit Pauls Familie am Rio Pance


Ähnlich wie schon in Bogotá gelten nachts noch weniger Verkehrsregeln. Dann fahren vor allem die Taxifahrer ohne zu bremsen über rote Ampeln (laut eigener Aussage aus Angst vor Überfällen) und es ist egal, ob direkt an der Ampel eine Polizeikontrolle steht, solange diese nicht zur "Policia De Transito" (Verkehrspolizei) gehört. Außerhalb der Stadt ist es darüber hinaus üblich ein anderes Auto, welches sich gerade im Überholmanöver befindet, auch noch zu überholen.

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Charles, der Gelatineverkäufer vom Rio Pance


Da Paul selbst zu seiner Südamerikareise aufbrach, mussten wir nach vier Tagen unsere erste Couch wieder verlassen. Pauls Reiseroute ähnelt unserer sehr. Auch er will Richtung Süden nach Ecuador und Peru, was ein Wiedersehen möglich macht. Insgesamt haben wir in Cali noch drei weitere "Gastgeber" kennengelernt und bekamen dadurch einen Einblick in die verschiedensten Viertel von Cali. Unser zweiter Host Dave wohnte in einem luxuriösen Apartmentkomplex am Berghang. Das war ein krasser Unterschied zu unserer vorherigen, schlichteren Unterkunft.

Sonnenaufgang von Daves Balkon aus


Von links: Georg, Dave, Carlos und Kolja auf dem "Cerro De Las Tres Cruzes" über der Stadt


Mit unseren Couchsurfing-Freunden Camilia und Dave


Eine besondere Variation des Salsa in Kolumbien ist die "Salsa Choke", eine moderne Form, die erst seit circa 10 Jahren existiert. Dabei lösen sich alle bestehenden Tanzpaare schlagartig auf und stellen sich in mehreren Reihen nebeneinander. Anschließend folgt die Gruppe einem spontan hervorgetretenem Animateur, der verschiedene Bewegungen mit allen Extremitäten vormacht. Tanzmuffel gibt es dabei nicht. Alle Anwesenden machen diese spontane Choreographie mit viel Elan mit, sodass es unheimlich viel Spaß macht.

Die Menschen in Südamerika sind immer hilfsbereit und geben gerne Auskunft darüber, wie wir unsere Zielorte erreichen können. Das einzige Problem ist, dass man hier lieber eine falsche Auskunft gibt, als zugeben zu müssen, dass man den Weg nicht weiß. Daher fragen wir jedes Mal mindestens drei Passanten, bevor wir uns für einen Weg entscheiden können. Da wir zudem ohne Reiseführer reisen, sind es stets die Empfehlungen der Locals, nach denen wir unsere Pläne richten. Nach hinreichenden Empfehlungen, haben wir uns entschieden San Cipriano, ein kleines Dorf, drei Busstunden von Cali entfernt, zu besuchen.

Downtown San Cipriano


Eine Brujita bietet Platz für bis zu 20 Personen


Wenn sich zwei Brujitas begegnen ...

Die Hauptattraktion in San Cipriano ist der Wassersport "Tubing", den man ausgezeichnet auf dem am Dorf vorbeiführenden Fluss ausüben kann. Das Prinzip des Tubings ist sehr simpel. Man setzt sich in einen großen Traktorreifen und lässt sich von der Strömung flussabwärts ziehen.

Tubing in San Cipriano


Der Fluss nahe San Cipriano

Wenn man, wie wir, in San Cipriano den Fluss auf Reifen und die Kaskade zu Fuß erkundet hat, sind die Attraktionen des Dorfes erschöpft. Trotzdem sind wir noch eine Nacht geblieben, um die Stille und Abgeschiedenheit des Ortes ein Stück weit in uns aufzunehmen. Darüber hinaus wurden wir dort auf eine angenehme Weise nie richtig trocken. Denn entweder badeten wir im Fluss und beim Wasserfall oder es fiel ein warmer Regen auf uns hinab. Angenehm war dies für uns besonders deshalb, da die heißen Täler Kolumbiens, so auch das Valle del Cauca, in dem sich Cali befindet, gerade an einer Dürreperiode leiden. Dort hatten wir zum Duschen beispielsweise Wasser aus großen Eimern schöpfen müssen.

Blick von unserer Unterkunft


Es ist ein bisschen unbehaglich wenn man den Menschen hier in ihrer Alternativlosigkeit beim Fernsehgucken zusieht und auf den Gedanken kommt, dass, sollte es hier nochmal so etwas wie Propaganda geben, diese mit Leichtigkeit zu 100 Prozent einschlagen könnte. Jedenfalls wissen wir nicht, inwiefern der Handschlag zwischen Präsident Santos und Guerillaführer Londoño wirklich ein historisches Ereignis ist, wie ihn der Fernsehsender anpreist.

Mehr zum Friedensschluss: Nach 50 Jahren Guerilla-Krieg: Frieden für Kolumbien in Sicht

Zwei Touristinnen, die aus Cartagena nach San Cipriano gekommen waren, haben uns an dem Abend noch versichert, dass sich erstmal gar nichts ändere. Die FARC sei schließlich nicht die einzige Guerillatruppe im Land und auch diese interessiere sich nur so halb dafür, was Londoño auf einer Insel in der Karibik treibe.