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TV-Vorschau Kein Scherz: Das Highlight der Woche läuft auf „TVNow“
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15:25 18.02.2019
Bleicher Mann (Bela B. Felsenheimer) in einer Szene des Serien-Remake des Film-Klassikers „M - Eine Stadt sucht einen Mörder“. Quelle: Pertramer/Pichler/Superfilm/TVNOW/dpa
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Hamburg

Die marktbeherrschende Stellung von Netflix lässt sich unabhängig davon, ob der Streamingdienst je schwarze Zahlen schreibt, mittlerweile gut beziffern. Mindestens 15 Milliarden Dollar Umsatz bei einem zehnmal höheren Börsenwert sind noch einschüchternder als weltweit 139 Millionen zahlende Kunden, von denen – ließ der Konzern erstmals verlauten – gut jeder Dritte die Psychothriller-Serie „You“ eingeschaltet hat.

Gut, ob zehn Sekunden oder alle zehn Teile: darüber hüllt sich Reed Hastings weiter in Stillschweigen. Aber dass er mit dem sperrigem Afrika-Porträt „The Boy Who Harnessed the World“ die Berlinale erobert und zugleich verkündet hat, anstelle von HBO Breaking Bad fortzusetzen, sollte der Konkurrenz durchaus Sorge bereiten.

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Eine Frau in der Chefredaktion von Vox

Einer Konkurrenz übrigens, die den Zuwachs beworbener Erfindungen in der zweiten Staffel von „Das Ding des Jahres“ ab Dienstag so irre findet, dass Pro7 es in einer mehrwöchigen Plakat-Kampagne feiert.

Beim anderen Konkurrenten RTL rotiert derweil das Personalkarussell. Während der langjährige Unterhaltungschef Tom Sänger die Sendergruppe aus bislang ungeklärtem Grund verlässt, wechselt Vox-Chefredakteur Kai Sturm zum Mutterkanal und wird durch Marcel Amruschkewitz ersetzt, an dessen Seite mit Kirsten Petersen künftig sogar eine Frau sitzt, während Oliver Schablitzki neben Nitro demnächst auch noch RTLplus verantwortet.

Misstöne beim Ersten

Im Ersten dagegen bleibt alles beim Alten: Der fraglos wichtigste Abnehmer und Lieferant für Sachfilme jeder Art, feierte sich vorigen Dienstag wie jedes Jahr während der Berlinale im prunkvollen Meistersaal selbst.

Diesmal erlebten die „Top of the Docs“ allerdings ein paar Misstöne. Der preisgekrönte Regisseur Arne Birkenstock attestierte der ARD zwar, „mit uns die besten Dokumentarfilme der Welt“ zu machen, fragte aber mit fröhlichem Zorn, warum das Erste seinen Markenkern ständig im Nachtprogramm verstecke. Tja. Da klang selbst das Lachen des Programmdirektors ein wenig schuldbewusst.

„Charite 2“ ist weniger seicht als der Vorgänger

Der nämlich setzt zur besten Sendezeit lieber auf opulentes Historytainment wie Charité, statt dem Nonfiktionalen wie einstige Vorgänger regelmäßige Anstoßzeiten um 20.15 Uhr zu gewähren.

Dabei ist die zweite Staffel der Klinik-Serie keinesfalls so seicht wie die erste. Kurz vorm Ende des Zweiten Weltkriegs gönnen die Autorinnen Dorothee Schön und Sabine Thor-Wiedemann ihren Hauptfiguren nämlich einen Eigensinn, der nicht nur im Dreikaiserjahr 1888 zuvor fehlte, sondern generell, sobald es um Spielfilm-Faschisten geht. Anders als üblich besteht das wichtigste Liebespaar in Charité 2“ aus arischen Vorzeige-Nazis, die wie der anfängliche Hitler-Fan Ferdinand Sauerbruch (Ulrich Noethen) erst im Laufe der sechs Teile Zweifel an Führer und Endsieg kriegen.

ZDF zeigt Krimi-Kompetenz

Auch das ZDF hat Besonderes im Angebot. Der Zweiteiler Walpurgisnacht erzählt heute und Mittwoch eine deutsch-deutsche Mordermittlung im Ost-Harz vorm Mauerfall. Mit einem – gähn – Ritualkiller als Handlungsfaden macht er atmosphärisch zwar oft zu dick auf Mystery-Hose, erzählt dabei aber auch einiges über zwei Bürokratien vorm politischen Wendepunkt und wartet überdies mit einem echt schicken Finale auf.

Weil sogar der auserzählte Matthias Koeberlin ab Donnerstag als ARD-Privatdetektiv Hartwig Seeler zumindest nicht nervt und der schwedische ZDF-ImportHanna Svensson(Marie Richardson) fünf Sonntage um 22 Uhr überzeugt, belegen die Öffentlich-Rechtlichen wenigstens im Kerngeschäft Krimi Kompetenz.

Das Highlight der Woche läuft auf „TVNow“

Das Highlight der Woche läuft dann aber doch da, wo man es nicht erwartet: die RTL-Plattform TVNow zeigt ab Freitag ihr Remake von Fritz Langs Ufa-Legende „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. Davon abgesehen, dass David Schalko mit Lars Eidinger, Sophie Rois, Moritz Bleibtreu, Brigitte Hobmeier oder Udo Kier ein grandioses Ensemble beisammen hat, bietet sein eigenes Drehbuch die famose Idee, den Kindsmörder nicht wie einst im Zwischenkriegs-Berlin nur von Polizei und Unterwelt jagen zu lassen, sondern zudem von einem rechtsradikalen Innenminister, wie er auch jetzt grad in Österreichs Regierung sitzt.

Das Original Herbert Kickl dürfte übrigens von einem Freikorps wie OMON träumen, mit dem der russische Präsident im Filmporträt „Putins Männer fürs Grobe“ (Mittwoch, 21 Uhr, Info) Regimegegner niederknüppelt. Noch ‘ne Doku: „Queercore“ geht Freitag (23.25 Uhr) auf Arte der homosexuellen Seite des Punk auf den Grund. Zwei Tage später zeigt Pro7 – als Vorspiel zur Oscar-Verleihung live ab Mitternacht – den Abräumer 2017 „La La Land“.

Das sind die Wiederholungen der Woche

Womit wir bei den „Wiederholungen der Woche“ sind. Heute um 20.15 Uhr: Claude Chabrols mörderische Amour Fou „Der Schlachter“ von 1969. Fast 40 Jahre älter, also schwarzweiß ist Kästners „Emil und die Detektive“ (Donnerstag, 0.00 Uhr, MDR). Und als „Tatort“-Tipp tauglich „Bienzle und der Traum vom Glück“ (Mittwoch, 22 Uhr, SWR), ein Fall von illegaler Müllentsorgung der Neunziger.

Jan Freitag

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