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Tatort-Blitzkritik Tödliches Feuergefecht zwischen Dealern und Polizisten
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21:42 05.05.2019
Eine Kritik von Michael Berger. Quelle: hfr
Lübeck/Berlin

Mit den ersten Bildern ist man gleich im Thema: nächtliches Partytreiben am Kottbusser Tor, ein Rapper bringt „ein Hoch auf die Realness“ aus, Auto-Poser röhren vorbei, Drogen wechseln die Besitzer, ein Obdachloser wechselt mit seinen Habseligkeiten die Straßenseite. Dit is Balin. Und dann gibt es richtig Krach: Streifenpolizisten liefern sich mit Drogendealern ein Gefecht in einer Altbauwohnung. Ergebnis: Ein toter Libanese, eine tote Polizistin, ein verletzter Beamter, ein Polizeipraktikant unter Schock, ein Täter flüchtig.

Der Auftakt zum „Tatort: Der gute Weg“ erscheint für Berliner Verhältnisse artgerecht, doch die Auflösung des Falles entwickelt sich dann überaus originell und fesselnd.

Der Sohn der Kommissarin trifft seinen Ex-Dealer

Dass der biedere Hauptwachtmeister Stracke seiner jungen Kollegin bei dieser Schießerei eine infame Falle gestellt hat, dass der involvierte Praktikant Tolja der Sohn von Kriminalhauptkommissarin Rubin ist und am Tatort auf seinen ehemaligen Dealer trifft, dass die Ursache für das Gemetzel der Jahre zurückliegende Tod des drogenabhängigen Sohns des Polizisten Stracke ist, an dem der Vater selbst Schuld hat – das alles ahnt man nach und nach. Und auch, dass da noch mehr Personen hinscheiden werden. Eine Katastrophe ergibt sich aus der anderen.

Die in Tränen aufgelöste Nina Rubin (Meret Becker) kann gerade ihrem Kollegen Robert Karow (Mark Waschke) nicht bei der Tatortbegehung zur Seite stehen, schließlich wurde auf ihren Sohn geschossen. Eine Szene aus dem Tatort „Der gute Weg“. Quelle: Stefan Erhard/rbb/dpa

So knapp nacherzählt erscheint das Handlungsgerüst abstrus, es wird aber von Drehbuchautor Christoph Darnstädt und Regisseur Christian von Castelberg stringent inszeniert, die Motive der zentralen Personen sind nachvollziehbar.

Sie immer schlecht frisiert und schlecht gelaunt, er immer smart und sexistisch

Das eigentlich Packende aber ist, wie die vier Schauspielerinnen und Schauspieler, deren Figuren im Mittelpunkt des Geschehens stehen und die unterschiedlicher nicht sein könnten, die Atmosphäre dieses „Tatorts“ bestimmen. Da sind Meret Becker und Mark Waschke als die beiden LKA-Leute Rubin und Karow – die eine dem wilden Berliner Nachtleben zugewandt, zuweilen auch ein aggressiv-fürsorgliches Muttertier, immer schlecht frisiert, schlecht gelaunt und geschmackfrei angezogen; der andere smart, aber unzugänglich und ein sexistisches „Arschloch“ (so wird er im Film genannt).

Nicht die Zentren der Kriminalität sind die Hölle, sondern die Vorstädte

Beide sind sehr solide Stützen dieser Folge. Doch sehr präsent ist auch das zweite Paar: Peter Trabner als bräsiger Streifenpolizist Stracke und Nina Vorbold als seine traumatisierte Frau Verena. Die beiden stehen für eine These, derer sich „Tatort“-Macher gerne bedienen: Nicht die Zentren der Kriminalität sind die Hölle, sondern die Vorstädte. Berlin-Rudow zum Beispiel, wo sich die Strackes im Bungalow mit Pillen, Alkohol, immer laufendem Fernsehgerät und der Lebenslüge verschanzt haben, man sei „auf einem guten Weg“. Trabner und vor allem Nina Vorbold spielen diese bedrückende Gegenwelt zum schrillen Kiezleben eindrücklich, ohne laute Untertöne und bei aller Tragik mit einem Rest an Würde.

Auch dit is Balin.

Hier finden Sie alle Blitzkritiken zum Tatort.

Michael Berger

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