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Tatort-Blitzkritik Neid auf die Nachbarin
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21:46 03.03.2019
Eine Kritik von Lars Fetköter. Quelle: LN
Lübeck/Kiel

Dieser Kieler „Tatort“ wirkt wie aus dem Labor: Eine Supermarktverkäuferin will endlich das große Glück für sich – und bringt dafür ohne erkennbare Skrupel ihren Nachbarn um. Der Krimi „Borowski und das Glück der anderen“ ist eine sehr verkopfte Versuchsanordnung, die wenig Spannung birgt, mitunter ins Surreale abgleitet und trotz einiger Schusswunden seltsam blutleer bleibt.

Da denkt man, eine pfiffige Supermarktverkäuferin steht mitten im Leben und hat immer ausreichend Bodenhaftung. Weit gefehlt: Peggy Stresemann (Katrin Wiechmann) hat die Beziehung zur Wirklichkeit verloren, das wird im Lauf dieses mäßigen „Tatorts“ immer klarer. Erst glaubt sie, ein Einbruch bei den arroganten Nachbarn verhelfe ihr zur Lotto-Quittung für den ersehnten Millionen-Jackpot. Dann versucht sie einigermaßen stümperhaft, ihren für den Nachbarn tödlichen Neid- und Gewaltausbruch zu kaschieren und den Verdacht von sich abzulenken. Schließlich verkennt sie, dass sie einen Mann hat, dem wirklich an ihr liegt.

Kommissar Borowski (Axel Milberg) stattet in einer Szene des "Tatort: Borowski und das Glück der Anderen" Peggy Stresemann (Katrin Wichmann) einen Besuch im Supermarkt ab. Quelle: Christine Schroeder/NDR/ARD/dpa

Der brave Ehemann brennt plötzlich mit der besten Freundin durch

Der überlässt ihr fast sein ganzes Erspartes, damit sie sich einen Tag lang wie eine Lottosiegerin fühlen darf – und brennt dann doch lieber mit ihrer Kollegin und besten Freundin durch, offenbar weil er nicht mit einer durchgeknallten Mörderin leben will. Diesen schnellen Bettenwechsel nimmt man dem geerdeten Elektriker Micha Stresemann (Aljoscha Stadelmann) aber nicht ab.

Borowski (Axel Milberg in seinem 33. „Tatort“) beweist subtilen Humor und versteckt sich als Beschatter hinter einem großen Batzen Zuckerwatte am Stiel oder einem Exemplar der „Kieler Abendzeitung“ – fehlen nur noch die zwei Gucklöcher, wie wir sie aus Spionage-Geschichten aus Entenhausen kennen. Die Thuja-Hecke, durch die er den Tatort beobachtet, wird allerdings im Film zum Pinienwäldchen erklärt. Warum?

Borowskis Partnerin darf sich gern noch entwickeln

Es ist Borowskis zweiter Fall mit Partnerin Mila Sahin, die trotz ihres Boxtrainings etwas zu brav daherkommt. Schauspielerin Almila Bagriacik wirkt weniger frech als bei ihrer Tatort-Premiere und darf sich in dieser Rolle gern noch entwickeln. Sonst stiehlt ihr am Ende Anja Antonowicz als Gerichtsmedizinerin die Schau, wenn sie mit Borowski auf den Fliesen des Leichenhauses die Tat rekonstruiert.

Kommissar Borowski (Axel Milberg) lässt sich in einer Szene des "Tatort: Borowski und das Glück der Anderen" von Gerichtsmedizinerin Kroll (Anja Antonowicz) erschießen. Quelle: Christine Schroeder/NDR/ARD/dpa

Die Fernbedienung wird im Mixer hingerichtet

Was in diesem mäßigen „Tatort“ stark ist, sind seine Bilder (Kamera: Johann Feindt): die verstörten Blicke von Borowski auf die giftgrünen Knuddelsessel im neuen Polizeipräsidium. Die Zerstörung des eigenen Wohnzimmer-Idylls mit dem Rasenmäher. Und die Hinrichtung der TV-Fernbedienung im Mixer. Die zähe Handlung kommt dadurch aber auch nicht vom Fleck. Schade.

Hier finden Sie alle „Tatort“-Blitzkritiken.

Im zerstörten Wohnzimmer fliegen die Federn der Polster: Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und seine Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) in einer Szene des „Tatort: Borowski und das Glück der Anderen“. Quelle: Christine Schroeder/NDR/ARD/dpa

Lars Fetköter