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Tatort-Blitzkritik Ein paar Rätsel zu viel
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21:45 05.03.2017
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Luzern

Und zugleich mit der Botschaft im Rücken, dass kein Krieg jemals so weit weg sein kann, dass er uns nichts angehe. Respekt gebührt, wer sich solchem Anspruch stellt.

Aber je schwerer die Aufgabe, desto größer die Gefahr, am Ende kläglich zu scheitern. Oder zumindest dem eigenen Anspruch nicht gerecht geworden zu sein.
Kriegssplitter“ - soviel darf man sagen – ist nicht wirklich gescheitert, zumindest nicht kläglich. Aber gemessen an dem, was man wollte, ist doch vieles auf der Strecke geblieben.

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Oft kratzte die Handlung nur an der Oberfläche dessen, was zu sagen gewesen wäre. Vieles verschwamm in einem Plot, der rätselhaft sein sollte und am Ende einfach nur viele Rätsel barg, von denen zu viele nicht richtig aufgeklärt wurden. (Ein Beispiel: Wer war denn nun der ominöse Mann, der den vermeintlich Verdächtigen auf offener Straße niederschießen wollte? Ein Russe? Ein Tschetschene? Ein Agent? Schweigen im Walde.)

Statt dessen wurde der Zuschauer mit einer Randepisode über die Probleme des Seitensprungs an sich gelangweilt, und dies weit über das Nötige hinaus. Dass auch dieser Luzern-Tatort wie schon so viele seiner Vorgänger darunter litt, eine mäßig spannende Handlung mit noch unspannenderen Dialogen zu würzen, machte es auch nicht besser.

Eine glatte sechs also? Nein, das sicher nicht. Lichtblicke waren auf jeden Fall die schauspielerischen Leistungen von Joel Basman (Nurali Balsiger) und Jevgenij Sitochin in der Rolle seines Onkels Ruslan. Und natürlich Natalia Bobyleva, die die zunächst unscheinbar Ex-Frau des Onkels spielte. An deren Person schließlich arbeitete sich wenigstens ein altes Tatort-Schema ab: Am Ende ist immer derjenige der Täter, von dem man es am wenigsten erwartet. Aber das Prinzip ist auf Dauer auch ein wenig langweilig.
Uwe Nesemann