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Tatort-Blitzkritik LN-Speedrating: Drei Gründe, warum sich dieser Schweizer Tatort nicht lohnt
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16:03 27.10.2019
Stefan Gubser (r.) zum letzten Mal als Kommissar Reto Flückiger, hier im Interview mit einem Lokalsender. Der Tatort „Der Elefant im Raum“ ist zu bräsig geraten, meint unser Kritiker. Quelle: Daniel Winkler/SRF/ARD Degeto/dpa
Lübeck

17 Folgen wurden mit dem Gespann Reto Flückiger und Liz Ritschard gedreht, doch sie hatten nie den erwünschten Zuschauerzuspruch. Meist zeichneten sie sich durch eine angebliche Schweizer Spezialität aus: Behäbigkeit. Der letzte Film der Reihe, „Der Elefant im Raum“ (Sonntag, 27. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste, 21.45 und 23.40 Uhr, One), macht da keine Ausnahme. Hier drei Gründe, warum sich das Anschauen nicht lohnt:

Die Drehbuchschreiber hatten zu wenig Mut

Erstens: die Dramaturgie. Die Drehbuchschreiber hatten nicht den Mut, einen fundierten Wirtschaftskrimi, eine scharfe Politsatire oder einen Thriller über die digitale Informationswelt zu erzählen. Stattdessen spitzt sich die Handlung darauf zu, dass ein armer Schlucker, ein Kapitalismusopfer aus der Gastronomie, für die zwei Todesfälle verantwortlich ist, die bei einer Festivität der Industrie- und Handelskammer die Abteilung „Leib und Leben“ der Luzerner Kripo in Bewegung setzten. Flückiger und Ritschard (Stefan Gubser, Delia Mayer) dürfen in ihrem letzten Fall kein bisschen glänzen. Zwei Mal muss Flückiger den unsäglichen Satz sagen: „Da stimmt doch was nicht.“

Die Verbindung von Lokalpolitik und Rüstungskonzern gerät sehr durchsichtig

Zweitens: die Nebenrollen. Das kennt man aus vielen „Tatort“-Folgen – dass die Vertreter von Wirtschaft und Politik alles andere als sympathische Zeitgenossen sind, dass Reporter ständig nach Sensationen gieren, dass Internetmedien von hämischen Nerds betrieben werden. In Wirklichkeit ist eine enge Verbindung zwischen Lokalpolitik und Rüstungskonzern, wie sie hier zwischen Vater und Sohn Planker (Andrea Zogg, Manuel Löwensberg) behauptet wird, viel zu durchsichtig. „Wenn die Mehrheit etwas richtig findet, dann ist das automatisch ein Fakt“, sagt Frédéric Roux (Fabian Krüger) vom alternativen Newsportal „Veritas News“.

Dass solch ein Zyniker die Kripo vor sich hertreiben kann, wird nicht einmal eine Minderheit glauben. Und eine Medien-Information aus erster Hand: Redakteure einer Tageszeitung sind nicht so leicht beeinflussbar wie hier die Vertreterin der „Luzerner Zeitung“ (Mona Petri).

Die nachgebesserten Dialoge sind viel zu holprig

Drittens: die Dialoge. Sie sind holprig, wie bei allen „Tatort“-Produktionen aus Luzern. Und nicht lippensynchron. Das liegt an der nachträglichen Synchronisation der ursprünglich auf Schweizerdeutsch gedrehten Filme ins Hochdeutsche. Merkwürdig ist auch, dass sich Regie und Schauspieler bei der jetzt gesendeten Version nicht entscheiden können zwischen dem astreinen Bühnendeutsch von Krüger und Petri und dem dialektgefärbten Idiom von Gubser oder von Jean-Pierre Cornu, der den Kripochef Mattmann spielt. Unsere Gesamtnote für diesen bräsigen Tatort: eine glatte Fünf.

Flückiger hätten wir gern einmal wiedergesehen

Apropos Chef: Der kann seinen Kopf in dieser Folge noch einmal retten, Flückiger opfert sich für das Versagen seines Vorgesetzten und schmeißt den Job hin. Dabei würde man dem Regierungsrat Mattmann den Ruhestand mehr gönnen, sein Darsteller Cornu ist immerhin schon siebzig und in seiner Rolle seit 2010 in Ehren greisenhaft geworden. Die Figur des Flückiger hingegen ist einer der Lichtblicke aller Luzern-„Tatorte“, man hätte sie gerne wiedergesehen. Der letzte Schweizer „Tatort“ war das nicht. Im kommenden Jahr wird das Krimi-Personal des Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) verjüngt, die Serie wandert nach Zürich. Ermitteln werden dort Anna Pieri Zuercher (40) und Carol Schuler (32). Also: Uf Wiederluege, Luzern – Grüezi, Zürich.

Hier finden Sie alle Tatort-Blitzkritiken.

Hier finden Sie Daten und Fakten zur „Tatort“-Reihe.

Von Michael Berger

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