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Tatort-Blitzkritik LN-Speedrating: Drei Gründe, warum sich dieser Hamburg-Tatort lohnt
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16:00 01.12.2019
Kommissarin Grosz (Franziska Weisz) und Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring) wollen die Schüsse auf einen Lkw aufklären. Quelle: NDR/Sandra Hoever
Lübeck/Hamburg

Wem gilt der Anschlag auf einem Autobahnrastplatz im Süden Hamburgs? Dem Fahrer des Lkws, in dessen Aufleger die erste Kugel einschlägt? Dem Fuhrunternehmer? Dem Mann, den die zweite Kugel trifft? Das stellt sich erst im Laufe der ersten Hälfte des „Tatorts: Querschläger“ (So., 1. Dezember, 20.15 Uhr, ARD, 21.45 und 23.45 Uhr, One) heraus. Doch wer der Schütze ist, wissen die Zuschauer früher als die Kommissare, die zufällig am Ort des Geschehens sind. Drei Gründe, warum dieser „Tatort“ zu den besseren seiner Art gehört:

Ein korrekter Zöllner gerät außer Kontrolle

Der Täter: Wieder einmal trägt im „Tatort“ ein Schauspieler die Handlung, den man kaum als Nebendarsteller bezeichnen mag, weil er eigentlich das Zentrum der Geschichte darstellt. Milan Peschel, der Schmerzensmann des deutschen Films („Halt auf freier Strecke“, „Gundermann“), ist als korrekter Zöllner, fürsorglicher Familienvater und außer Selbstkontrolle geratener Gewalttäter Steffen Thewes die tragische Figur des Films.

Er erschießt zwei Unbeteiligte und verletzt weiter Personen. Dennoch: Der Mann, der seine schwerkranke Tochter mit erpresstem Geld in den USA operieren lassen will, erregt Mitleid. Darin besteht die erstaunliche Leistung des in zahlreichen deutschen Filmen eine Randfiguren verkörpernden Schauspielers Peschel.

Es muss nicht immer um die Frage „Wer war’s“ gehen

Die Dramaturgie: Die Geschichte von Regisseur Stephan Rick und Drehbuchautor Oke Stielow beweist, dass es in einem Krimi nicht immer um die Rätselaufgabe „Wer war’s?“ gehen muss. Man weiß schnell, wer der Schütze ist, der den Lkw vom Spediteur Jimmy Aksoy (Eray Egilmez)beschießt. Seine Spannung gewinnt der „Tatort“ aus den Fragen, warum Thewes das tut und wie ihn die Polizei überführt. Beziehungsweise: wie sich der dicke Knoten aus Familien-, Wirtschafts- und Gangsterdrama, zu dem sich die Handlung im letzten Drittel zusammenballt, wohl auflösen wird.

Falke ist eifersüchtig, als eine Kollegin seine Partnerin anhimmelt

Die Kommissare: Das Verhältnis zwischen den Bundespolizisten Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) war in allen bisherigen vier Folgen – sagen wir: angespannt. Die neue, fünfte gemeinsame Folge wird geprägt von der Eifersüchtelei des Kommissars Falke. Ihn beunruhigt, dass seine Partnerin Grosz von einer jungen Polizistin angehimmelt wird, was offenbar seine Männlichkeit kränkt.

Grosz lässt den Kollegen genüsslich zappeln. Falke ist eben ein Kerl alten Schlages, das zeigt sich auch an seinen Ermittlungsmethoden. Er versieht den Dienst nicht am Bildschirm im Büro wie einige andere Krimi-Kommissare, vielmehr gibt es bei ihm noch richtig rüde Verhöre, Verfolgungsszenen und auch Schießereien. Wobei ihm Grosz in nichts nachsteht.

Ohne SEK-Unterstützung dem Todesschützen nachstellen – das ist fahrlässig

Für diese fein austarierte „Tatort“-Komposition gibt es die Schulnote 2. Wollte man an den „Tatort: Querschläger“ die Messlatte der Polizeirealität anlegen, dann müsste man allerdings bemängeln: Dass das Kommissar-Duo ohne Unterstützung von SEK oder andere gepanzerte Experten für bewaffnete Auseinandersetzungen dem Todesschützen Thewes nachstellen (und das auch noch in Begleitung des jungen Kronzeugen, des Lkw-Fahrers, der mit Thewes gemeinsame Sache gemacht hat), ist zwischen fahrlässig und dumm einzuordnen.

Wenn die Aktion den Heldenstatus der beiden unterstreichen soll, dann hat das Drehbuch das Gegenteil erreicht. Immerhin sichert Falke noch die Umverteilung von Schwarzgeld des Fuhrunternehmers Aksoy auf das Konto der kranken Sara Thewes. Eine Transaktion außerhalb der Legalität, die aber sicherlich dem Gerechtigkeitsempfinden des Publikums Rechnung trägt.

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