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Tatort-Blitzkritik LN-Speedrating: Drei Gründe, warum sich dieser Borowski-Tatort nicht lohnt
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18:47 20.12.2019
Klaus Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik) greifen Simon (Anton Peltier) auf, der nachts verwirrt durch den Wald gelaufen ist. Ähnlich durcheinander gerät der Rezensent beim Ansehen dieses wirren Tatort-Krimis. Quelle: NDR/Sandra Hoever
Lübeck/Kiel

Bei aller Sympathie für Kommissar Klaus Borowski und die häufig sehenswerten Fälle aus Kiel: Der neue Krimi „Borowski und das Haus am Meer“ (So., 15. Dezember, 20.15 Uhr, ARD, 21.45 und 23.45 Uhr, One) ist ein Flop. Nur die Aufgabe, darüber eine Rezension zu schreiben, hat den Kritiker am vorzeitigen Abschalten gehindert. Die drei wichtigsten Gründe:

Ein wirrer Märchen-Plot, der mehr Fragen aufwirft als beantwortet

Erstens: die Story. Das Drehbuch wirkt wie ein Ergebnis des Partyspiels, bei dem jeder aus verschiedenen Begriffen eine Geschichte schreiben muss. Hier: Pastor, Indianer, Segelschiff, Demenz, Vater-Sohn-Konflikt, Reform-Pädagogik, Nazi-Vergangenheit, ... . Heraus kommt ein wirrer Märchen-Plot, der weit mehr Fragen aufwirft als beantwortet, zum Beispiel diese: Warum will Nadja Flemming nichts mehr von ihrem Mann?

Ein schrulliger Greis mit dunklen Flecken in der Vergangenheit benimmt sich daneben, wird von seinem Sohn eingesperrt und wenig später tot im Bachbett aufgefunden. Wie so häufig, haben mehrere Menschen ein Motiv, und am Ende war doch alles ganz anders. Na und? Zu keinem Zeitpunkt macht dieser Film neugierig darauf, wie es weitergeht.

Die Zeitebenen verwirren den Zuschauer

Zweitens: die Regie. Die Inszenierung stammt, wie auch das Buch, von Niki Stein, dem bei zuvor 17 Tatort-Krimis etliche Treffer gelungen waren. Dieses Mal geht gehörig daneben, auch deshalb, weil die ineinander geschichteten Zeitebenen den Zuschauer verwirren. Es beginnt mit dem Schluss, ohne dass klar wird warum, dann wird die erste Rückblende markiert („Drei Tage vorher“), aber im folgenden ohne Erklärung zeitlich hin- und hergesprungen, dass einem beim Zuschauen der Kopf schwirrt.

Ob Einzelkämpfer, dynamisches Duo oder mehrköpfige Truppe: Die Tatort-Ermittler sind in der ganzen Republik und darüber hinaus im Einsatz. Hier finden Sie alle derzeit tätigen Spürnasen im Überblick.

Warum hat die Schürze einen so großen Blutfleck?

Drittens: die Logik. Wenn die Geschichte schlecht ist und die Schauspieler nicht überragend, fällt es noch schwerer, sachliche Schwächen in der Handlung hinzunehmen. Warum hängt in der penibel aufgeräumten Gerichtsmedizin eine Schürze mit einem gigantischen Blutfleck? Wieso fahren Borowski und Sahin spätabends in Richtung Dänemark-Fähre und sind erst am hellen Tag am Anleger? Und wie kann Borowski, der sich ja auf dem Beifahrersitz seines Volvos ausgeruht hat, seine Kollegin damit überraschen, dass er ihre alleinige Fähr-Überfahrt mit der dänischen Polizei vereinbart hat?

Auch Freunde des Humors gehen leer aus

In diesem letzten Absatz ist meist Gelegenheit, mildernde Umstände anzuführen und ein hartes Urteil etwas abzuschwächen. Aber da ist nicht viel. Axel Milberg spielt gut als Klaus Borowski, klar, aber bis auf das Angezicke mit einer hinzugezogenen Psychologin sind kaum starke Szenen dabei, nicht einmal eine Anspielung auf seine große Psychologinnen-Liebe Frieda Jung. Auch Freunde des Humors gehen leer aus. Gesamtnote: eine glatte Sechs.

Hier lesen Sie alle Tatort-Blitzkritiken.

Von Lars Fetköter

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