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Tatort-Blitzkritik LN-Speedrating: Drei Gründe, warum sich dieser Wien-Tatort nicht lohnt
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15:29 24.11.2019
Kommissar Moritz Eisner (Harald Grassnitzer, l.) und Polizist Friedl Jantscher (Michael Glantschnig) untersuchen einen Knochen. Die Szene stammt aus dem Sonntags-Krimi „Tatort: Baum fällt“. Quelle: Foto: Helga Rader/ARD Degeto/ORF/Graf Film//dpa
Lübeck/Wien

Vieles hat man gehört und gelesen in den vergangenen Monaten aus und über Österreich. Das Ibiza-Video, der vorsichtige Flirt zwischen Konservativen und Grünen, Unwetter-Katastrophen. Höchste Zeit also, unser Nachbarland mal wieder in aller Schönheit zu präsentieren – aber warum ausgerechnet in einem Tatort? Die Frage stellt sich dem Zuschauer nach der Folge „Baum fällt“ (Sonntag, 20:15 Uhr ARD, 21:45 One), wenn er es bis zum Schluss ausgehalten hat. Drei Gründe dafür, warum man das nicht unbedingt muss:

Ungewohnte Schwächen – von Miesepetern und bösen Grantlern

Seit exakt 20 Jahren ermittelt Harald Krassnitzer nun schon als Moritz Eisner in der Alpenrepublik, begleitet von Adele Neuhauser als Bibi Fellner, und stets durfte man sich bei den beiden auf humorvolle und tiefgehende Handlungen und Dialoge freuen. Sowohl Witz als auch Tiefgang aber blitzten diesmal nur selten auf, statt dessen trampelt Ermittler Eisner so schlechtlaunig, pöbelnd und angewidert vom Rest der Welt durch die Landschaft, dass es fast abstoßend wirkt. Eine Begründung für die nervtötenden Tiraden liefert der Plot bis zum bitteren Ende nicht.

Schau mir nicht in die Augen, Kleines

Zugegeben, der ORF hat sich Mühe gegeben beim Casting der Folge und einige bekannte und bewährte Charakter-Schauspieler ans Set geholt. Aber ein mittelmäßiges Drehbuch wird auch durch die besten Schauspieler halt nicht zu einem Kunstwerk. Der Plot bedient sich abgegriffener Klischees (reicher, aber skrupelloser Jung-Unternehmer hier, anständige, aber arme Mitmenschen dort) und bleibt konsequent an der Oberfläche.

Karl Fischer etwa spielt die Rolle des geheimnisvollen Dorfpolizisten Alois Feinig, der einst mit Eisner gemeinsam ermittelte, erfrischend feinfühlig. Aber warum er von der Großstadt in die Bergwelt Kärntens wechselte, kommt nicht ans Licht. Einzig bei der Frage des Täters bleibt man einem alten Tatort-Motto treu: Am Ende war es immer die Person, von der man es wenigstens vermutete.

Ob Einzelkämpfer, dynamisches Duo oder mehrköpfige Truppe: Die Tatort-Ermittler sind in der ganzen Republik und darüber hinaus im Einsatz. Hier finden Sie alle derzeit tätigen Spürnasen im Überblick.

So schön ist Österreich

Hohe Berge, blauer Himmel, grüne Täler – so präsentiert sich Österreich gerne. Und tatsächlich gehört das Bundesland Kärtnen ja auch zu einem der schönsten Fleckchen Erde, die der Kontinent zu bieten hat. Allein, die Dosis macht‘s: Kaum eine Szene vergeht in „Baum fällt“, ohne dass der Blick des Zuschauers in die weite Natur hinaus geführt wird, immer wieder, und immer wieder noch einmal. Die Tourismuswerbung Österreich wird‘s freuen, und manch einem mag dabei auch das Herz aufgehen. Für die Handlung aber ist das alles unwichtig, und dem Plot fehlt es am Ende an Zeit.

Schade also, dass ausgerechnet Krassnitzers Jubiläumssendung solch ein Reinfall wurde. Aber wie man es auch dreht, „Baum fällt“ wird sich unter den schwächeren Folgen der Tatort-Reihe einordnen müssen. Mehr als eine glatte Vier ist deshalb nicht drin, und auch die nur, weil man weiß, dass sie es besser können.

Hier lesen Sie alle Tatort-Blitzkritiken.

Von Uwe Nesemann

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