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Tatort-Blitzkritik Die Stunde des Serienkillers: Fast wie bei Hannibal Lecter
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21:42 24.02.2019
Eine Rezension von Christian Risch. Quelle: hfr
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Lübeck/Nürnberg

Beim furiosen Auftakt dieses „Tatorts“ haben es die Franken-Kommissare diesmal zunächst mit einem Pünktlichkeitsfanatiker zu tun: Immer zur vollen Stunde tötet Anwalt Thomas Peters (Thorsten Merten), erst einen Richter, dann eine Uni-Angestellte. Und immer zerrt er die Opfer vor ein Fenster, um beim Töten gesehen zu werden. Was hat das zu bedeuten? Und wer wird zur nächsten vollen Stunde dran sein? Der Spannungsaufbau ist gelungen.

Serienkiller im letzten Moment erschossen

Zur nächsten vollen Stunde will der verzweifelt und getrieben wirkende Anwalt im legendären Bayreuther Schauspielhaus zuschlagen. Kommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) kann die dritte Tat nur verhindern, indem sie den Serienkiller im letzten Moment erschießt. Gleich danach wird klar, nach wessen Anweisung der Anwalt getötet hat. Martin Kessler (hervorragend gespielt von Stephan Grossmann) wird noch im Schauspielhaus festgenommen.

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Kriminalhauptkommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel, l., Kriminalhauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Kriminalkommissar Sebastian Fleischer (Andreas Leopold Schadt) betrachten die Leiche von Katrin Tscherna (Katharina Spiering) in einer Szene des „Tatort“-Krimis „Ein Tag wie jeder andere“ (Bayerischer Rundfunk). Quelle: Hendrik Heiden/Claussen + Putz/BR/ARD/dpa

Aus einer geschickten Collage unterschiedlicher Zeitebenen und Rückblenden werden jetzt die Motive allmählich erkennbar. Kessler, nach einem gescheiterten Selbstmordversuch querschnittsgelähmt, befindet sich auf einem todbringenden Rachefeldzug. Mit Dioxin vergiftete Milch hat zur Fehlgeburt seiner Frau geführt, und alle, die damit zu tun hatten, sollen nun büßen, allen voran Molkereibesitzer Rolf Koch (Jürgen Tarrach).

Zellen-Szene ist eine Anleihe beim „Schweigen der Lämmer“

Den Anwalt hat Kessler zum Morden gebracht, weil er dessen Kind entführt hat und ihr Schicksal als Druckmittel benutzt, später auch gegenüber den Kommissaren, um ein Vier-Augen-Treffen mit Koch zu erzwingen. Die Szene in der Zelle ist eine Anleihe beim Klassiker „Das Schweigen der Lämmer“: Kessler, in Zwangsjacke und mit dem Rollstuhl angekettet, erinnert stark an Hannibal Lecter, der Grusel lässt grüßen.

Regisseur Sebastian Marka und Drehbuchautor Erol Yesilkaya, die bereits in München zusammengearbeitet haben, ist ein spannender und überraschender „Tatort“ in Bayreuth gelungen, auch wenn die Figur des genialen Rächers und Strippenziehers bisweilen arg konstruiert wirkt. Und das Ermittler-Duo Ringelhahn-Voss bleibt der erfrischend freundliche Gegenpart zu den anderen Raubeinen der Krimi-Reihe.

Hier finden Sie alle „Tatort“-Blitzkritiken.

Christian Risch

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